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München - Jose Mourinho steht nach einer Pleiten-Serie mit Manchester United schon früh in der Saison am Pranger. Der Portugiese sucht die Schuld bei anderen, nicht bei sich selbst.

Für einen kurzen Augenblick hatte man das Gefühl, Jose Mourinho zeige so etwas wie Einsicht.

"Wir können und müssen an uns arbeiten, sowohl aus kollektiver als auch aus individueller Sicht", sagte der Teammanager von Manchester United nach der 1:3-Schlappe beim FC Watford.

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Dann aber fiel der Exzentriker wieder in sein typisches Muster und ergänzte: "Das, was wir machen, kann ich kontrollieren. Aber nicht das, was die Referees machen. An ihren Fehlern kann ich nichts ändern."

Schuld sind immer die anderen

Einmal mehr nahm Mourinho nicht die volle Verantwortung für das Scheitern auf sich, einmal mehr erklärte er andere für schuldig.

Neben dem Unparteiischen Michael Oliver, der nach Mourinhos Auffassung vor dem 0:1 ein Foul an Anthony Martial hätte pfeifen müssen, bekam auch ein United-Spieler einen mit.

Der Portugiese stellte Linksverteidiger Luke Shaw noch während des Spiels öffentlich an den Pranger, lieferte sich in der Coaching Zone einen heftigen Disput mit dem ausgewechselten Engländer. Der Vorwurf des Trainers: Shaw machte seine linke Seite vor dem 1:2 nicht dicht.

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"Heilloses Durcheinander" statt Titelkandidat

Selbstkritik am lustlosen Auftreten seines Starensembles? Selbstkritik an der taktischen Ausrichtung mit den lethargischen Wayne Rooney und Marouane Fellaini im Mittelfeld? Selbstkritik an der von ihm gewährten Narrenfreiheit für die Neuzugänge Paul Pogba und Zlatan Ibrahimovic? Kommt für Mourinho nicht infrage. Noch nicht.

Aber Tatsache ist: Er bewegt sich schon jetzt auf dünnem Eis. Die United-Fans verlangen nach drei Niederlagen binnen acht Tagen eine Reaktion. Wenn nicht schon mit Ergebnissen, dann wenigstens mit Körpersprache.

Die Highlights von Watford gegen ManUnited im Video:

"Einfache Ballverluste, langsames Aufbauspiel - so ein armes United habe ich lange nicht gesehen", konstatierte Klub-Legende Paul Scholes nach der Pleiten-Serie bei BT Sport. Die Zeitung Guardian urteilte: "Dieses United ist ein heilloses Durcheinander."

Mourinhos Methoden außer Mode

Während sich Premier-League-Neuling Pep Guardiola mit Manchester City über einen Rekordstart freuen kann, steht der selbst ernannte Premier-League-Experte Mourinho nach nur sieben Spielen als United-Boss mit dem Rücken zur Wand. Die Titelambitionen der Red Devils sind vorerst gehemmt, Parallelen zur Leidenszeit unter Louis van Gaal erschreckend nah. (DATENCENTER: Tabelle Premier League)

Die Zuckerbrot-und-Peitsche-Philosophie des strengen Rädelsführers scheint außer Mode zu sein, seine Ideen und Methoden stießen bereits in der jüngeren Vergangenheit beim FC Chelsea und auch zuvor schon bei Real Madrid eher auf Ablehnung denn Begeisterung.

Ganz zu schweigen von seiner drastischen Strategie, Spieler auszubooten, die ihm nicht ins Konzept passen. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel.

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Und blickt man auf die nackten Zahlen, darf sich Mourinho längst nicht mehr als bester Trainer Europas fühlen, als der er einst galt. 

Rechnet man seine letzte Saison bei Chelsea und die aktuelle mit United zusammen, kommt man auf 14 Niederlagen in den letzten 33 Spielen. Diese Statistik lässt den "Special One" nicht mehr ganz so "special" erscheinen. 14 Niederlagen hatte er zuvor in gerade einmal 111 Spielen einstecken müssen.

Kein Weltklasse-Trainer mehr?

Mourinho nur noch ein Mittelmaß-Trainer? Das passt so gar nicht zu seinem selbstbewussten Auftreten und den großen Zielen mit den Red Devils.

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Es ist nicht allzu lange her, da machte sich Mourinho über seinen Trainer-Kollegen Arsene Wenger lustig. Im Februar 2014 bezeichnete er den Übungsleiter des FC Arsenal als "Spezialisten im Versagen".

Mittlerweile muss Mourinho aufpassen, dass man dasselbe nicht bald über ihn sagt.

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