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 Kerry Dixon spielte von 1982 bis 1992 für den FC Chelsea
Kerry Dixon schoss 193 Tore für Chelsea © Getty Images

München - Kerry Dixon zählt zu den größten Ikonen des FC Chelsea, steht im englischen Fußball zeitweise auf einer Stufe mit Gary Lineker. Doch sein Laster wird ihm zum Verhängnis.

Es war 1985, als Kerry Dixon auf einer Stufe mit Gary Lineker stand. Beide hatten 24 Tore in der First Division erzielt, der heutigen Premier League. Beide waren schnell, zweikampfstark und galten als Weltklasse-Spieler.

Was dann folgte, war der Triumph des Lineker und die Tragik des Dixon. Lineker feierte immer größere Erfolge und ist noch heute als TV-Moderator und Social-Media-Ikone eine feste Größe im öffentlichen Leben Großbritanniens - Dixon erlebte einen tiefen Fall. Und das, obwohl er mit 193 Toren immer noch der drittbeste Schütze in Chelseas Historie ist.

130.000 Pfund in der Woche

Dixons Problem war das exzessive Spielen. Schon früh in seiner Karriere erlag er den Verlockungen von Casinos und Wettbüros. "Ich verlor vollkommen die Kontrolle", erzählte Dixon nun der BBC.

"Ich hatte unzählige Wettkonten und schrie bisweilen irgendwelche Zahlen ins Telefon. Es war verrückt. Doch es scheint in meiner DNA zu sein. Ich liebte den Kitzel."

In den intensivsten Phasen verspielte Dixon 130.000 Pfund in einer Woche. Das ist heute noch eine Menge Geld - damals war es deutlich mehr.

"Als Spieler hatten wir alle eine Sache, der wir nachgingen", sagte der 55-Jährige, der inzwischen als Heizungsinstallateur tätig ist. "Einer trank, der andere spielte Golf, der nächste Snooker. Ich besuchte eben das Wettbüro. Ich gab fast täglich Geld für Pferde- oder Hunderennen aus und geriet dabei häufig genug in die Bredouille."

Gewaltdelikt im Pub

Durch die Spielsucht verlor Dixon drei Häuser, sah seine Ehe zerbrechen, verfiel den Drogen und musste - am tiefsten Punkt - für vier Monate ins Gefängnis. In einem Pub hatte er auf einen Mann eingeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt war seine Spielerkarriere bereits beendet.

Diese hatte ihm eine goldene Zeit beschert. Als junger Spieler von Tottenham und Luton abgelehnt, hatte er zunächst bei Reading Fuß gefasst. Nach drei Jahren wurde der FC Chelsea auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn für 125.000 Pfund.

Für die Blues traf er nach Belieben, aber schon damals platzierte er seine Wetten. Nach dem Aufstieg 1984 führte er Chelsea auf Platz sechs der Tabelle. Der damalige englische Nationaltrainer Bobby Robson erkannte seine Leistungen. Er berief den Stürmer 1985 in den Kader der Three Lions, nahm ihn ein Jahr später mit zur WM nach Mexiko.

Von Lampard und Tambling überboten

Zwei Jahre nach der WM stieg er mit Chelsea ab - die Spielsucht wurde schlimmer. Dixon verließ den Verein 1992. Ein Umstand, den er heute bereut.

"Ich bin der drittbeste Schütze des Vereins. Aber wenn ich länger geblieben wäre, hätte ich bestimmt Bobby Tambling übertroffen", sagt Dixon. "Ich hätte den Rekord auch so weit ausbauen können, dass der jetzige Rekordhalter Frank Lampard nicht herangekommen wäre."

Er sei gewechselt, weil ihm die Ersatzbank gedroht habe, sagt er heute.

"Habe Schlimmes getan"

Dixon lief noch für diverse Vereine auf, der Erfolg blieb aus. Er griff vermehrt zu Drogen, leistete sich zahlreiche Aussetzer. Das Resultat: Er  wurde verurteilt.

"Ich habe Schlimmes getan und dafür bezahlt. Ich bin traurig, dass es passiert ist, aber ich möchte nicht in der Vergangenheit leben", sagt er über diese Zeit.

Bald erscheint seine Autobiografie. Damit will er mit der Vergangenheit abschließen - und vielleicht ins Fußballgeschäft zurückkehren. Das ist sein Traum.

Seine Fehler sollen eine Warnung sein: "Schaut auf mich, schaut darauf, was passieren kann. Und sucht euch Hilfe, wenn ihr sie braucht."

Es sind die Worte eines Mannes, der zeitweise auf einer Stufe mit Gary Lineker stand.

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