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München - Nach der Blamage mit Manchester City gegen Everton hakt Pep Guardiola die Meisterschaft ab. In einer größeren Krise befand sich der Trainer noch nie.

Pep Guardiola kratzte sich am Fünf-Tage-Bart, immer wieder. Er wirkte angeschlagen, gekränkt, gedemütigt.

"In den schlimmen Momenten müssen wir zusammenstehen", sagte der Spanier nach dem üblen 0:4 beim FC Everton: "Es ist schrecklich für meine Spieler, wir kreieren Chancen, aber treffen nicht. Und wenn sie eine Chance haben, bestrafen sie uns."    

Noch nie verlor Guardiola als Trainer ein Liga-Spiel so hoch, entsprechend unangenehm waren am Montag die Schlagzeilen der Presse.

"Der unbestrittene Tiefpunkt", schrieb der Guardian. Guardiolas Millionen-Truppe wurde "nicht nur geschlagen, sie wurde beschämt", meinte der Daily Star.

"Leblose Vorstellung"

Eine "leblose Vorstellung" sah der Telegraph nach den Gegentoren von Romelu Lukaku (34.), Kevin Mirallas (47.), Tom Davies (79.) und Ademola Lookman (90.+4).     

Selbst Guardiola musste nach der vierten Niederlage in den vergangenen acht Premier-League-Spielen einräumen, dass der Traum von der Meisterschaft für die Citizens beendet ist.

"Ja, zehn sind viele Punkte", sagte der ehemalige Bayern-Trainer auf die Frage, ob der Rückstand als Fünfter auf den Tabellenführer FC Chelsea zu groß sei.    

Titel-Kapitulation schon im Januar - für den Ehrgeizling Guardiola ein schmerzhafter Moment. Der Spanier fremdelt immer noch mit dem Fußball auf der Insel, der im Rest der Welt als Trainer-Genie gefeierte fühlt sich in England missverstanden.

Kritik nimmt zu

Die Kritik an ihm und seinem Stil nimmt zu und wird lauter. Guardiola sei anscheinend "nicht in der Lage, Ruhe statt Chaos zu stiften", analysierte etwa der Guardian. Dennoch, so versicherte Guardiola, sei er "so glücklich in Manchester".    

Sollte er dennoch für ein paar Tage in die Heimat nach Barcelona "flüchten" wollen, kann er sich bei Ryanair melden. Die Billig-Airline amüsierte sich bei Twitter über den Spanier und montierte Guardiolas Kopf auf ein Flugzeug, darunter hieß es: "Entkomme den Blues ab 7,99 Pfund."

In Manchester muss sich Guardiola derweil unangenehme Fragen gefallen lassen. Warum reichen 70,5 Prozent Ballbesitz nicht zum Sieg?

Warum war das kleine Everton all das, was City um Spielmacher Kevin De Bruyne nicht war: fokussiert, organisiert, hartnäckig, zielstrebig? Warum ist die Abwehr nicht fähig, gegen einen wuchtigen Angriff zu verteidigen?   

"Das ist mental schwierig"

"Wir verlieren unter Umständen, die ich nicht kontrollieren kann", sagte Guardiola: "Der Gegner kommt das erste Mal nach vorne und trifft, nachdem wir eine Menge Chancen vergeben haben. Das ist mental schwierig."

In dieser Situation ist es selbst kein Trost mehr, dass der Lokalrivale United mit Guardiolas Intimfeind Jose Mourinho noch zwei Zähler weniger auf dem Konto hat. Guardiola scheint die Spielzeit gedanklich schon fast abgehakt zu haben.

"Am Ende der Saison werden wir unser Niveau bewerten und wie unsere Leistung war, wie der Trainer war, wie die Spieler waren", meinte er vielsagend und kratzte sich am Bart: "Und danach werden wir entscheiden."

Schon vor dem Spiel gab es Gerüchte, dass Guardiola große Teile der Mannschaft austauschen will, für die Spieler wird es nun erst recht ungemütlich. Womöglich aber auch für Guardiola selbst.

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