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Crystal Palace stoppt Negativlauf wieder nicht
Crystal Palace ist in der Premier League Tabellenletzter - und das mit null Punkten und null Toren. © Getty Images

München und London - In der teuersten Liga Europas spielt das schlechteste Team der kontinentalen Top-Ligen. Der Negativlauf von Crystal Palace in dieser Saison sucht seinesgleichen.

Während Londons reiche Top-Klubs Chelsea, Arsenal und Tottenham um die englische Meisterschaft und europäische Titel kämpfen, ist Crystal Palace aus dem Süden der Hauptstadt eher als Fahrstuhlmannschaft bekannt. Und in dieser Premier-League-Saison sieht es sehr danach aus, als ob der Lift wieder nach unten geht - mit rasendem Tempo.

Nach sieben Spieltagen stehen noch exakt null Punkte und null Tore auf dem Konto der "Eagles", das Torverhältnis lautet 0:17. Noch nie in der 129-jährigen Geschichte des englischen Fußballs ist ein Verein schlechter in eine Saison gestartet. 

Zu allem Übel ist auch keine Besserung in Sicht. Denn am Samstag erwartet Palace im heimischen Selhurst Park ausgerechnet den amtierenden Meister Chelsea. Die heimischen Fans sind wirklich nicht zu beneiden. 

Crystal Palace hat aktuell eine Bilanz zum Vergessen © SPORT1/iM Football

Problemsuche des Negativlaufs

Doch wie konnte es dazu kommen? Es gibt mehrere Antworten: Erstens musste Palace bereits gegen den FC Liverpool und die beiden Klubs aus Manchester antreten. Daher sind drei Niederlagen wenig überraschend. Dazu kommt das Verletzungspech: Die besten Schützen der vergangenen Saison - Christian Benteke und Wilfrieh Zaha - sind beide verletzt und nicht zu ersetzen. Und drittens hat der Klub Frank de Boer, der erst im Sommer verpflichtet wurde, bereits nach vier Spieltagen schon wieder entlassen.

Das eigentliche Problem ist aber die ständige Neuausrichtung des Vereins, der sich immerhin seit 2013 im englischen Oberhaus hält. Es fehlt ein Konzept, eine konkrete Spielidee. Klubbesitzer Robert Parish hat seit dem Aufstieg nicht weniger als sechs Trainer verschlissen. Das Ruder herumreißen soll nun der ehemalige englische Nationaltrainer Roy Hodgson, der nach dem blamablen Aus bei der EM 2016 gegen Island entlassen wurde. Der gute Herr ist mittlerweile 70 Jahre alt und steht für Kick-and-Rush-Fußball.

Kleiner Hoffnungsschimmer bleibt

Immerhin hat Hodgson seine aktive Fußballkarriere einst bei Crystal Palace begonnen. Doch ob der Klub, der eigentlich immer auf eine gute Defensive gebaut hat, mit dem erneuten Systemwechsel besser zurechtkommt, steht in den Sternen. Mit De Boers "Voetbal totaal" nach Cruyff'schem Vorbild war das Team schon überfordert. 

Und dessen Vorgänger Alan Pardew, der von Newcastle geholt wurde, um endlich attraktiven Fußball zu spielen, war genauso wenig erfolgreich wie Sam Allardyce' zuvor mit seinem konservativen Fußballstil. Ob nun Kick and Rush die Lösung aller Probleme ist und die Kehrtwende bringt, muss bezweifelt werden.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer aber bleibt für alle Fans von Crystal Palace: Im April 2017 siegten die "Eagles" völlig überraschend an der Stamford Bridge mit 2:1. Dabei hatte Chelsea in seiner Meistersaison nur fünf Mal verloren - gegen Manchester United, Liverpool, Arsenal und Tottenham. Und eben gegen Palace.

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