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Cristiano Ronaldo gewann 2014 mit Real Madrid die Champions League
Cristiano Ronaldo gewann 2014 mit Real Madrid die Champions League © Getty Images

München und Madrid - Cristiano Ronaldo kritisiert öffentlich Reals Transferpolitik. Die Personalie Di Maria sorgt für Ärger, der Kader bereitet Sorgen.

Anfang August schwebten die Anhänger von Real Madrid auf Wolke sieben.

Toni Kroos, James Rodriguez, Keylor Navas: Innerhalb von gerade einmal 17 Tagen hatten die Königlichen drei der aufregendsten Spieler der WM in Brasilien unter Vertrag genommen.

Man musste sich das nur einmal vorstellen: Zu jener Mannschaft, die zwei Monate zuvor den lang ersehnten zehnten Titel in der Champions League perfekt gemacht hatte, gesellten sich noch einmal drei absolute Hochkaräter.

Wer sollte diese ohnehin schon mit Superstars wie Cristiano Ronaldo und Gareth Bale gespickte Mannschaft jetzt noch stoppen?

Kein Vertrauen in den neuen Kader

Nur einen Monat später ist die Euphorie vorerst herber Enttäuschung gewichen. Gründe gibt es dafür gleich mehrere, vor allem aber herrscht Unzufriedenheit über das weitere Vorgehen auf dem Transfermarkt.

In einer Umfrage der spanischen "as" schätzen 79 Prozent der Befragten die aktuelle Mannschaft schwächer ein als die des Vorjahres - und ernten für ihren Standpunkt prominente Unterstützung.

Deutliche Kritik von Cristiano Ronaldo

"Wenn ich bestimmen würde, hätte ich es nicht so gemacht", sagte ausgerechnet Weltfußballer Ronaldo zuletzt bei einem Werbetermin über die Transferaktivitäten seines Klubs.

In den letzten Wochen der Wechselperiode wurden mit Xabi Alonso (zum FC Bayern) und Angel Di Maria (zu Manchester United) zwei absolute Leistungsträger aus dem Vorjahresteam abgegeben.

Und das, obwohl zumindest der argentinische Flügelflitzer den Verein gar nicht verlassen wollte.

Wirbel um Wechsel von Di Maria

"Ich möchte klarstellen, dass das niemals mein Wunsch war", schrieb Di Maria in einem offenen Brief an die madrilenischen Fans.

In einem Radiointerview erklärte der 26-Jährige zudem seine besondere Beziehung zu Ronaldo: "Die Wahrheit ist, dass mich eine große Freundschaft mit Cristiano Ronaldo verbindet." Allein wegen des Portugiesen sei er zu Saisonbeginn überhaupt noch einige Wochen in Madrid geblieben.

Angesichts der engen Freundschaft mit Di Maria und dessen sportlicher Klasse dürfte der am letzten Tag des Transferfensters von Manchester United ausgeliehene Javier Hernandez für Ronaldo nur ein schwaches Trostpflaster sein.

Sergio Ramos kontert Ronaldo

"Di Maria und Xabi waren sehr wichtig für uns, aber jetzt sind sie nicht mehr hier und wir müssen mit den Neuen zufrieden sein", sagte Ronaldo dann auch vieldeutig, fügte aber immerhin diplomatisch hinzu:

"Wenn der Präsident denkt, dass es das Beste für die Mannschaft ist, die Spieler zu verpflichten, die er verpflichtet hat, und dafür andere gehen zu lassen, dann muss man seine Entscheidung respektieren und unterstützen."

Ronaldos deutliche Worte stoßen aber offenbar nicht im gesamten Team auf Zuspruch. "Wir gehören zum Verein und müssen uns nach einigen Regeln innerhalb des Vereins richten", forderte Sergio Ramos, angesprochen auf die Kritik des Portugiesen.

Kaum Transferverluste

Und zumindest in finanzieller Hinsicht haben Real-Boss Florentino Perez und seine Mitarbeiter alles richtig gemacht. 122 Millionen Euro Transferausgaben stehen 114 Millionen Euro Einnahmen gegenüber. Mit nur acht Millionen Euro Verlust schneiden die Madrilenen im Vergleich der europäischen Top-Klubs glänzend ab.

Aus sportlicher Sicht wirft die neue Mannschaft aber schon nach den ersten beiden Spielen in der Primera Division Fragezeichen auf. Einem mühsamen 2:0 gegen Aufsteiger Cordoba CF folgte am Wochenende eine bittere 2:4-Pleite bei Real Sociedad - trotz früher 2:0-Führung.

Alle vier Gegentreffer fielen nach Hereingaben von den Flügeln, im Abwehrzentrum stimmte die Zuordnung bei Ramos, Pepe und Co. dabei mehrmals überhaupt nicht.

"Das muss uns eine Lektion sein"

Vom "besten Innenverteidiger-Paar der Welt", wie Trainer Carlo Ancelotti die beiden nach dem Sieg gegen Cordoba noch bezeichnet hatte, war da nur noch wenig zu sehen.

Der Pleite folgten Hohn und Spott in der Öffentlichkeit - zumal die Madrilenen ausgerechnet in jenem Spiel erstmals in den gewöhnungsbedürftigen pinken Auswärtstrikots aufliefen.

"Das muss uns eine Lektion sein, dass wir ein Spiel nicht vorzeitig als gewonnen abhaken dürfen, sondern bis zum Ende kämpfen müssen", analysierte Ronaldo die Niederlage: "Wir haben es nicht bis zum Ende ernst genommen und dafür haben wir bezahlt."

Sorgen vor Derby gegen Atletico

Immerhin ihm persönlich blieb die Schande erspart. Der 29-Jährige fehlte mit Schmerzen im linken Bein, sorgt damit vor dem Derby gegen Atletico unmittelbar nach der Länderspielpause aber für weitere Sorgen bei den "Madridistas".

Ronaldo selbst versicherte zwar, bis zum Spiel am 13. September wieder hundertprozentig fit zu sein. Allzu viel Hoffnung auf einen neuerlichen Höhenflug wollte der Portugiese den Fans der Königlichen dann aber doch nicht machen.

"Mit den neuen Spielern wird sich der Spielstil von Real Madrid verändern", erklärte Ronaldo, "aber er kann sich sowohl zum Guten als auch zum Schlechten verändern."

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