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Toni Kroos (l.) wechselte im Sommer vom FC Bayern nach Madrid
Toni Kroos (l.) wechselte im Sommer vom FC Bayern nach Madrid © imago

München - Real Madrid will im Derby gegen Atletico zurück in die Erfolgsspur. Vor allem die neuen Spieler stehen unter Beobachtung.

Die Saison ist noch jung, doch bei Real Madrid ist die Lage schon angespannt.

Am Donnerstag ließ es sich Florentino Perez nicht nehmen, höchstpersönlich beim Training vorbeizuschauen.

Der Präsident schlenderte über den Rasen, schüttelte Trainer Carlo Ancelotti die Hand und sprach dem einen oder anderen Spieler vor dem Duell gegen Atletico Madrid (ab 20 Uhr im LIVE-BLOG) Mut zu.

Perez pflegt dieses Ritual nur vor besonders wichtigen Spielen. Und das ist das Stadtderby trotz des frühen Zeitpunktes in der Saison zweifellos.

Sieben Mal trafen die Kontrahenten in diesem Jahr bereits aufeinander - so oft wie nie in der langen Geschichte der beiden Klubs.

Auch wenn die Bilanz aus Sicht Reals positiv ist und das Champions-League-Finale im Frühjahr gewonnen wurde, schmerzt die Meisterschaft des Lokalrivalen in der vergangenen Saison.

Real unter Siegzwang

In dieser Spielzeit duellierten sich die Kontrahenten bereits in zwei hitzigen Supercup-Spielen, nach einem 1:1 im Hinspiel sicherte sich Atletico im Rückspiel den Titel.

Doch Reals Trainer Ancelotti bleibt - zumindest nach außen - gelassen.

"Ich trainiere den besten Klub der Welt", sagte Ancelotti: "Da gibt es keinen Druck, sondern nur gute Laune."

Die jüngste Niederlage gegen Real Sociedad drückt jedoch die Stimmung.

Real braucht dringend einen Sieg, um für klare Verhältnisse in der Hauptstadt zu sorgen und den anderen großen Rivalen Barcelona an der Tabellenspitze nicht weiter enteilen zu lassen.

Ronaldo meldet sich fit

Immerhin kann Real wieder auf Cristiano Ronaldo setzen.

"Er hat in dieser Woche sehr gut trainiert und ist in optimaler Verfassung", sagte Ancelotti: "Cristiano ist in Topform."

Gerüchte, wonach Ronaldo dauerhafte Knieprobleme plagen, wies der Italiener zurück: "Cristiano hat keine chronische Verletzung. Er hatte in der vergangenen Saison Probleme mit der Patellasehne, hat sich davon aber komplett erholt."

Trotzdem scheint bei der neuen Mannschaft längst noch nicht alles zu funktionieren.

Zwar wurde der Kader kräftig durcheinandergewirbelt, doch von den Neuzugängen half lediglich Toni Kroos der Mannschaft sofort weiter.

Ronaldo kritisiert – und rudert zurück

"Wenn ich etwas zu sagen hätte, hätte ich es nicht so gemacht", kritisierte sogar Ronaldo kürzlich die Transferpolitik des Klubs.

Wenig später ruderte der Superstar zurück und erklärte, voll und ganz auf einer Linie mit dem mächtigen Klubboss Perez zu liegen. 

Doch der Verdacht bleibt, dass Real und Perez bei den Sommereinkäufen das Augenmerk zu stark auf die Offensive gelegt haben könnten.

80-Millionen-Mann James Rodriguez sucht noch nach seinem Platz in der Startruppe, auch Stürmer Javier Hernandez scheint eher ein Backup für Karim Benzema zu sein.

Stattdessen wurden die für die Organisation im Mittelfeld enorm wichtigen Xabi Alonso und Angel Di Maria ziehen gelassen.

Simeone legt den Finger in die Wunde

Atletico-Trainer Diego Simeone dürfte das gelegen kommen.

"Du hast mein ganzes Spiel kaputt gemacht. Wir hatten alles unter Kontrolle, bis du rein gekommen bist", soll der Argentinier nach dem Supercup zu seinem mittlerweile bei Manchester United spielenden Landsmann Di Maria gesagt haben.

Mit Di Maria spiele Real besser, erklärte Simeone, "und das ist auch logisch. Denn er ist der beste Spieler von Real." War, muss man jetzt sagen.

Mit seiner Aussage legte Simeone den Finger in die Wunde, die der Verkauf von Di Maria hinterlassen hat.

Da Sami Khedira zudem verletzt ist, dürfte der Großteil der Lauf- und Defensivarbeit im Mittelfeld der Königlichen nun an Kroos und Luka Modric hängen bleiben.

Eine Situation, die Simeone in die Karten spielen könnte.

Simeone muss auf die Tribüne

Der Trainer des Meisters wird das Spiel allerdings nicht von der Bank aus verfolgen können.

Wegen mehrerer Verstöße während des Supercup-Rückspiels gegen Real wurde der 44-Jährige vom spanischen Verband für acht Spiele auf die Tribüne verbannt.

Der exzentrische Coach hatte unter anderem mehrfach seine Coaching-Zone verlassen und dem Schiedsrichter-Assistent zweimal einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst.

Dass Spiele gegen den Stadtrivalen für Simeone eine hochemotionale Angelegenheit sind, zeigte sich auch schon im Champions-League-Finale gegen Real, als der Trainer in der Nachspielzeit auf den Platz stürmte und Schiedsrichter Björn Kuipers bedrängte.

Mandzukic als Supercup-Held

Abseits des Platzes bewies Simeone allerdings kühlen Kopf und verstärkte seine Mannschaft geschickt für knapp 110 Millionen Euro.

Unter anderem kamen der Franzose Antoine Griezmann für 30 Millionen Euro und Mario Mandzukic vom FC Bayern für 22 Millionen Euro.

Mandzukic war dabei zunächst nicht unumstritten, die Fußstapfen des zu Chelsea abgewanderten Diego Costa sind schließlich ziemlich groß.

Bei der Vorstellung des Kroaten riefen die Fans der Colchoneros nach Fernando Torres. Doch Mandzukic erzielte in vier Partien zwei Tore und den Siegtreffer im Supercup gegen Real, was die Kritiker vorerst verstummen ließ.

Auf der Gegenseite war James Rodriguez lediglich das Führungstor im Hinspiel vergönnt, ansonsten gelang dem Kolumbianer in insgesamt fünf Pflichtspielen nicht viel.

Am Samstag wäre nun der ideale Zeitpunkt für den WM-Torschützenkönig, die Zweifel an seinem Millionen-Transfer zu zerstreuen.

Vielleicht hat ihm das auch Florentino Perez nochmal gesagt, bei seinem Besuch auf dem Trainingsplatz.

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