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Seit dem 1. Juni 2009 ist Florentino Perez wieder Präsident von Real Madrid

Mit dem Mega-Deal um die Stadionrechte verschafft Präsident Florentino Perez Real Madrid eine halbe Milliarde Euro neue Einnahmen.

Von Holger Luhmann

München - Florentino Perez hatte sich den Feind im eigenen Haus zurecht gestellt und traf ihn mit markigen Worten.

"Sie haben von Buchhaltung keine Ahnung", hob der mächtige Präsident von Real Madrid an, um dann endgültig zum verbalen Gegenschlag auszuholen: "Sie geben den Menschen Munition, die den Klub nicht mögen und zwischen uns einen Keil treiben wollen."

Perez' Ziel auf der Mitgliederversammlung von Real am Wochenende war Carlos Mendoza. Der 61-Jährige ist Präsident eines Verbandes, der die ethischen Werte von Real bewahren will.

Jener Mendoza hatte sich zuvor erdreistet, der spanischen Zeitung "AS" einen Einblick in den angeblichen Schuldenstand von Real zu geben. Die "AS" berichtete daraufhin genüsslich von einem Anstieg des Schuldenberges beim Champions-League-Triumphator von 541 auf 620 Millionen Euro.

Dass die Veröffentlichung solcher Summen Perez nicht gerade in den Kram passt, ist verständlich.

Der Baulöwe bastelt sich bekanntlich gerne seine eigene schillernde Welt. Und in der haben solche Summen - auf der falschen Seite der Bilanz - keinen Platz.

"Die ganze Welt bewundert uns", stellte Perez deshalb lieber noch einmal mit Nachdruck fest. Ganz so als könne er die Schulden mit seinen Worten einfach ausradieren.

Wenn man das Schaffen von Perez bei Real etwas differenzierter beleuchtet, wird die Bewunderung allerdings schnell abgelöst von einem Sich-Wundern über den freizügigen Umgang des 67-Jährigen mit beträchtlichen Investitionen.

Schon in seiner ersten Amtszeit von 2000 bis 2006 hatte das "höhere Wesen", wie ihn der damalige Vizepräsident Emilio Butragueno bezeichnete, Real wieder in die Weltspitze verholfen.

Der knallharte Geschäftsmann und Straßenbauingenieur, der mit seinem Baukonzern ACS laut "Forbes" zwischenzeitlich fast zwei Millarden Euro anhäufte, kreierte die "Galaktischen". Der Preis war hoch. Für Zinedine Zidane, Ronaldo, Luis Figo und David Beckham blätterte Perez damals 165 Millionen Euro hin.

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Nur mithilfe eines Mega-Immobiliendeals, dem Verkauf des alten Madrider Trainingsgeländes für 430 Millionen Euro, brachte Perez den Klub in die schwarzen Zahlen.

Dabei zog er alle Register. Dank seiner Kontakte zu konservativen Politikern ließ er das Grundstück zu Bauland deklarieren. Auf dem Gelände wurden die "Cuatro Torres", vier Bürotürme hochgezogen, die Perez liebevoll "Turm Figo, Turm Zidane, Turm Ronaldo und Turm Beckham" taufte.

Ähnlich ist Perez' neuer Mega-Deal einzustufen.

Für den Verkauf der Namensrechte am Stadion Santiago Bernabeu sollen die Königlichen 500 Millionen Euro für 20 Jahre bekommen. Dies hat die spanische Tageszeitung "Marca" berichtet.

Auch das aktuelle Ensemble der Superstars um Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Weltmeister Toni Kroos muss schließlich finanziert werden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Beim Investor handelt es sich um das Konsortium IPIC (International Petroleum Investment Company) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, das mehrheitlich von der Königsfamilie und der Regierung des Kleinstaates geführt wird.

Als mögliche Namen sind "Abu Dhabi Santiago Bernabeu" oder "Abu Dhabi Bernabeu" im Gespräch, eine Entscheidung hierüber sei noch nicht gefallen.

In jedem Fall soll der neue Name sichtbar am Stadion zu sehen sein.

Für Perez ist dieser Deal auch ein persönlicher Triumph.

Er hat dem Klub wieder einmal eine neue Geldquelle in neuen Dimensionen aufgetan.

Und er hat es sogar geschafft, dass der Namen des unvergessenen Spielers und späteren Real-Präsidenten Santiago Bernabeu für das Stadion beibehalten wird.

Einen faden Beigeschmack hinterlässt Perez' Wirken trotzdem stets.

Bei seinem Amtsantritt hatte er einst pathetisch verkündet, er wolle aus Real wieder "ein Element der Illusionen, der Träume" machen.

Dieses Versprechen erfüllt Perez auf seine ganz eigene Art und Weise.

Und sei es, dass Illusion für ihn bedeutet, sich seine eigene Realität zurecht zu biegen.

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