In der Bronzestatue des Weltfußballers Cristiano Ronaldo zeichnen sich gewisse Dinge ab. Was uns der Künstler wohl damit sagen will?

Es ist wahrscheinlich auch eine Generationenfrage mit Cristiano Ronaldo und seiner Statue.

In früheren Zeiten, so viel ist sicher, hätte es das nicht gegeben, so eine riesige Belustigung um so eine Sache.

In der Jungsteinzeit, zum Beispiel, als die Felszeichnung in der Höhle "Les trois Freres" in Frankreich veröffentlicht wurde, mit ihrer eindeutigen Darstellung eines Zeitgenossen von sehr sein eindeutiger Zeugungskraft.

Niemandem wäre da eingefallen, als Reaktion darauf ein amüsiertes "Gnihihi" ins soziale Gesteinsnetz seiner Wahl zu meißeln.

Oder denken Sie an Priapus, den Fruchtbarkeitsgott der alten Römer.

Überall im Weltreich Bildnisse von ihm, in voller Pracht und offensichtlich unmittelbar bereit zur Fruchtbarmachung.

Niemals gab es da das große Moderatoren- und Co-Moderatorinnen-Kichern im Hit- und Comedyradio Rom 75,3.

Und dann erst die Kelten und ihr Riese von Cerne Abbas, das 55 Meter große Scharrbild in der englischen Grafschaft Dorchester:

Sieben Meter lang ist da das, was man unter diesen Umständen nicht mehr "kleiner Riese" nennen kann - und dabei in einer Weise ausgerichtet, dass man nicht drumrumreden kann, dass er bei der Riesin von Cerne Abbas nicht lang drumrumreden wollen würde, Sie wissen schon.

Trotzdem: Nirgendwo ist einer historischen Aufzeichnung erwähnt: "So spotten die Kelten über das Scharrbild von Dorchester".

So war es früher. Fruchtbarkeit und ihre Darstellung, das war Jahrtausende lang nichts, mit dem zu spaßen war.

Es war DIE zentrale kulturelle Angelegenheit und speziell in der bildenden Kunst, man muss es in dieser Deutlichkeit sagen, das große Ding.

Aber gut: Früher ist früher, heute ist heute.

Heute ist es eine ungewöhnliche Sache, wenn eine Bronzestatue wie am vergangenen Wochenende die von Cristiano Ronaldo auf dessen Heimatinsel Madeira enthüllt wird.

Und man erblicken kann, dass sich unter der bronzenen Hose des portugiesischen Fußballstars eindeutig Dinge abzeichnen, um die man bei anderen zeitgenössischen Sportlerdenkmälern verschämt herumgemeißelt hätte.

Belustigung war wie gesagt die Folge, wie es halt so ist in diesen Zeiten.

Dabei gibt es durchaus spannende kulturelle Fragen, die mit der Darstellung von Ronaldos Hose und ihrem Inhalt aufgeworfen werden.

Ist das Denkmal Cristiano Ronaldos womöglich der Vorbote einer kunsthistorischen Zeitenwende?

Einer Zeitenwende, an deren Ende die kunstvolle Darstellung männlicher Fruchtbarkeit wieder ihr neues, altes Gewicht gewinnt?

Ist es womöglich gar so, dass die Botschaft des Bildnisses so zu deuten ist, dass der Fußballer im Allgemeinen und der Weltfußballer Cristiano Ronaldo im Speziellen so etwas wie der Fruchtbarkeitsgott unserer modernen Zeit ist?

Womöglich. Andererseits, man muss bedenken: Ricardo Veloza, der Bildhauer, hat schon vor der feierlichen Enthüllung zugegeben, dass er vom Fußball eigentlich keine Ahnung hat.

Er habe sich bei Experten erkundigen müssen, wie Cristiano Ronaldos typische Körperhaltung aussehe, um sie künstlerisch verarbeiten zu können.

Nun ist nicht überliefert, wer genau diejenigen waren, die Ronaldos Körperhaltung für Veloza analysiert haben.

Vielleicht waren es schlicht die Art von Experten, die zu früheren Zeiten beim Anblick eines künstlerisch verarbeiteten Hoseninhalts ein amüsiertes "Gninihi" in Stein gemeißelt hätten.

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