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Real Madrid Atletico Ronaldo Frust
Cristiano Ronaldo (M.) gewann schon mit Real Madrid und Manchester United die Champions League © Getty Images

München - Real Madrids Weltfußballer Cristiano Ronaldo erlebt beim Pokalaus gegen Atletico eine Enttäuschung und gibt sich ungewohnt demütig.

Der Glanz war weg. Die goldenen Plastikschnipsel, die die Real-Fans vor der Partie in die Luft gehalten hatten, lagen am Boden. Zertreten.Und Cristiano Ronaldo musste nach dem Ausscheiden im spanischen Pokal gegen Atletico Madrid einräumen: "Ich bin nicht von einem anderen Planeten."

In letzter Zeit hätte man ja mit Blick auf den Weltstar und frisch gekürten Weltfußballer anderes annehmen können.

Die Fans hatten ihn noch vor Anpfiff im Bernabeu gefeiert. Mit dem Goldenen Ball, am Montag in Zürich eingeheimst, war Ronaldo über den Rasen stolziert.

Doch die anschließenden 90 Minuten stellten keine Sternstunde dar – weder von ihm noch vom Team. Immerhin hatte der Ausnahmespieler beim 2:2 ein Tor erzielt. Ausreichend war das nach dem 0:2 im Hinspiel gegen den Stadtrivalen nicht, die Colchoneros triumphierten, für Real war der erste Titel im Jahr 2015 futsch.

Ronaldo entschuldigt sich

Entsprechend geerdet trat Ronaldo vor die Mikrofone. Als Erster stellte er sich den Reportern, die die Real-Krise witterten. Von vier Spielen im neuen Jahr erzielte der Champions-League-Sieger nur ein positives Ergebnis, außer dem Sieg über Espanyol in der Liga setzte es Pleiten gegen Valencia und Atletico.

"Im Namen der Mannschaft bitte ich um Entschuldigung", sagte Ronaldo.

"Real ist der beste Klub der Welt und manchmal ist es besser einen Schritt zurück zu machen, um wieder zwei vorwärts zu gehen. Uns bleiben die Liga und die Champions League."

Demut nach dem Höhenflug

Demütig klang das. Womöglich spürte Ronaldo auch, dass keiner ihn mit weißer Fahne Richtung Tor durchwinkt, nur weil er zum zweiten Mal in Folge zum besten Fußballer des Erdballs erklärt wurde. Der Portugiese muss ja im Moment genau darauf schauen, seine eigene Rolle nicht zu vergessen vor lauter Bohei um seine Person.

Portugals Fußballer des Jahrhunderts. Zum 100. Geburtstag des portugiesischen Verbands konnte es für Journalisten und Fans nur ihn geben.

Und Ronaldo reagierte auf die zweite Auszeichnung in dieser Woche mit höchst unbescheidenen Tönen: "Ich schaue nur auf mich. Ich bin die Welt. Ich möchte der beste in meinem Job sein und ich glaube auch, dass ich es bin."

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Siegermentalität bleibt

Sein eigener Anspruch ist gigantisch. Das Aus gegen Atletico haftet ihn jetzt umso mehr an die Erde. Die Erkenntnis, nicht immer "bei 100 Prozent" sein zu können, kam am späten Donnerstagabend kurz vor Mitternacht zwangsläufig.

"Aktuell bin ich nicht in meinem besten Moment, aber in zwei oder drei Wochen fliegen die Mannschaft und ich wieder", kündigte er dennoch trotzig an.

Böse Abwehrschnitzer

Sein Trainer baut darauf. Auf Ronaldos Gier und Präzision.

Carlo Ancelottis Abwehrspielern fehlte gegen Atletico genau diese Genauigkeit, auch deshalb scheiterte die Unternehmung, das 0:2 vor eigener Kulisse wettzumachen.

In der Hälfte war eine Minute gespielt, als Pepe seinen Gegenspieler Antoine Griezmann entwischen ließ, der das 1:0 durch Fernando Torres vorbereitete.

Und just nach Start der zweiten Hälfte patzte Sergio Ramos derart mit einem Fehlpass, dass es seinem Coach in der Magengrube geschmerzt haben musste. Als Strafe setzte es das zweite Torres‘ Tor.

Auch Mittelfeldlenker Toni Kroos, der ein Tor vorbereitete, vermochte das Ausscheiden nicht verhindern.

"Schade, dass unsere Reise in der Copa del Rey schon vorbei ist. Wir haben alles gegeben, aber leider haben wir den Sprung in die nächste Runde nicht geschafft. Jetzt konzentrieren wir uns auf La Liga und die Champions League. Am Sonntag in Getafe geht es weiter", twitterte Kroos.

"Haben teuer bezahlt"

"Wir haben Fehler gemacht, die wir normalerweise nicht machen. Diese Fehler haben wir teuer bezahlt", sagte indes Ancelotti zu den Defensivproblemen.

Reals Abwehr ist seit Wochen höchst fehleranfällig. Inklusive des 2:4 im Testspiel gegen Milan setzte es zehn Gegentore in fünf Partien. Defensivarchitekt Ancelotti hat jetzt einiges aufzuarbeiten, im nächsten Derby gegen Getafe (So., ab 12 Uhr LIVESCORES) soll schon Besserung her.

Ancelotti bleibt zuversichtlich. "Mein Team hat in der ersten Hälfte viel investiert, an die Aufholjagd geglaubt und spektakulär gespielt. Besser kann man eigentlich nicht spielen. Deshalb bin ich nicht in Sorge. Ich wäre beunruhigt, wenn wir chancenlos ausgeschieden wären."

Und bis zum Champions-League-Kräftemessen mit Schalke 04 im Februar soll auch Innenverteidiger Pepe wieder fit sein. Gegen Atletico erlitt er eine Rippenverletzung.

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