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Luka Modric und Toni Kroos
Luka Modric (l.) und Toni Kroos sollen fortan gemeinsam das Spiel von Real Madrid gestalten © SPORT1

München - Real Madrid verlässt sich beim Clasico gegen Barcelona ganz auf Rückkehrer Luka Modric. Auch Toni Kroos soll vom Kroaten profitieren. Ein heikler Plan.

Luka Modric rennt zu den Klängen von Bill Contis "Gonna Fly Now" durchs italienische Viertel Philadelphias, die Marktfrauen und die Friseure johlen im grüßend entgegen, am Ufer des Schuykill Rivers schließen sich ihm Kinder an, immer mehr hinterher, die Stufen des Museum of Art hinauf, Luka, Luka, Luka!

Dieses Bild erweckt Real Madrid bei seinen Fans in einem Video, gedreht speziell zum Comeback des Kroaten. Luka "Rocky" Modric. Die Musik des Boxerfilms untermalt Modrics Reha.

Modric auf dem Gesundheitsball

Wenn sich der 1,74 Meter große und 65 Kilo leichte Mittelfeldspieler auf einem Gesundheitsball der Fitness entgegenrollt, verschwindet Silvester Stallone jedoch vor dem inneren Auge.

Nach vier Monaten Verletzungspause ist Modric wieder da, rechtzeitig zum Clasico am Sonntag beim FC Barcelona (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER bei SPORT1). Die Botschaft: Sehet, der Retter!

Die Inszenierung misslingt. Dabei beschreibt genau das die Beziehung zwischen Verein und Spieler perfekt: Modric ist neben Cristiano Ronaldo zu Reals wichtigstem Mann auf dem Platz geworden – ins Bühnenkonzept passt er jedoch nicht.

Kovac lobt den Menschen Modric

"Er ist nicht nur ein exzellenter Fußballer, sondern auch als Mensch ein sehr positiver Charakter. Man sieht, wie wichtig er für Real Madrid ist", sagt Kroatiens Nationaltrainer Niko Kovac zu SPORT1 über Modric. Beim 29-Jährigen ist die Bescheidenheit keine Koketterie, Allüren könnte er nicht mal buchstabieren.

Seine Madrider verloren die Tabellenführung in Spanien an Barca, während Modric auf dem Laufband mit Druckkammer und im Schwimmbecken erste Schritte nach seiner Oberschenkelverletzung machte. Entsprechend groß ist der Druck jetzt bei einem Punkt Rückstand.

Geduld gefragt

Modric soll wie durch ein Wunder Real aufpäppeln, auch seinen Nebenmann Toni Kroos. Doch Kovac warnt: "Er hat schon Nachholbedarf. Wenn man knapp vier Monate nicht Fußball spielt, dann ist das nicht ganz einfach. Man muss geduldig sein. Es ist noch nicht der Luka, den wir kennen."

Zwar ist auch ein zu 80 Prozent fitter Modric viel wert, das Urvertrauen in ihn könnte aber nach hinten losgehen.

Riesiger Jubel beim Comeback

Geduld kennen sie nicht in Madrid. Als Modric in Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Schalke als Joker sein Comeback gab, jubelten die Fans so laut wie bei einem Tor für ihre Mannschaft. Der Kommentator des Vereins-TVs schwang sich auf: "Ins Santiago Bernabeu kehrt die Magie zurück, die Tiefe, die vertikale Ausrichtung, die Qualität: Luka Modric!"

Auch Kroos hofft, im Mittelfeld dank Modric wieder mehr Ordnung um sich zu haben. Der Weltmeister geht in sein erstes Spiel überhaupt im Camp Nou mit herber Kritik im Nacken. "Was ist mit Kroos geschehen?", fragte Reals Hauspostille Marca etwa nach dem 0:1 in Bilbao.

Zuletzt beim 2:0 gegen Levante ließ ihn Trainer Carlo Ancelotti 90 Minuten lang draußen. Davor hatte Kroos jedes Ligaspiel gemacht, immer in der Startelf. In den Clasico geht er also halbwegs ausgeruht.

Für Ronaldo, Bale und Benzema arbeiten

"Weil Xabi Alonso gegangen ist, nimmt Luka jetzt die defensivere Rolle ein. Wobei auch Toni defensiv arbeitet. Wenn man solche Hochkaräter vorne hat, muss man entsprechend mehr nach hinten arbeiten", beschreibt Kovac. Tatsächlich hatte zuletzt auch die Angriffsreihe Ronaldo, Benzema, Bale gekriselt.

Insbesondere bei Real verehren sie die spektakulären Torjäger. Typen wie Modric flogen in der Vereinsgeschichte noch nie die Herzen zu. Seine Verletzungspause hat seine Position innerhalb des Vereins aber noch gestärkt.

Der Ball will zu ihm, seine Pässe sind selbstverständlich wie sein Herzschlag. Die Erwartung ist enorm. Mit einem Sieg könnte Barcelona die Meisterschaft im Grunde schon entscheiden.

Clasico auch für Ancelotti entscheidend

Während des jüngsten Tiefs war die Ausrichtung schnell klar in Madrid: Hauptsache wir gewinnen gegen Barcelona. Auch für Ancelotti wird das entscheidend sein. Bei einer Pleite wäre er spätestens am Saisonende wohl weg.

Eine Warnung für Modric: Wie schnell einzelne Spieler bei Real aus der Mode kommen, sieht gerade Sami Khedira. "Ich mache mir diesbezüglich keine Gedanken", sagte Kovac. "Natürlich kommen und gehen viele bei großen Vereinen, aber er wird noch länger dort bleiben." Und zwar möglichst zusammen mit Kroos.

Video
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