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Celta Vigo v FC Barcelona - La Liga
Marc-Andre ter Stegen ist geschlagen, Nolitos Ball geht beim 1:4 des FC Barcelona bei Celta de Vigo ins Tor. © Getty Images

München und Barcelona - Dreimal haben Barca und Marc-Andre ter Stegen in dieser Saison vier Gegentore hinnehmen müssen. "Letzte Saison sind sie noch schlechter gestartet", sagt aber Illgner.

Was ist nur mit dem FC Barcelona los? Die 1:4-Pleite gegen Celta de Vigo am Mittwoch hat die Sportwelt in ungläubiges Staunen versetzt. Zum dritten Mal in dieser Saison kassierte der Champions-League-Sieger wettbewerbsübergreifend vier Gegentore; die Balance zwischen Defensive und Offensive scheint nicht zu stimmen; Keeper Marc-Andre ter Stegen kassiert Tore aus 50 Metern, die spanischen Zeitungen haben sich auf ihn eingeschossen.

Eine so deutliche Abfuhr wie im Estadio Balaídos hatten die Katalanen in der Liga zuletzt schließlich im Mai 2008 gegen Real Madrid kassiert. Dazwischen gab es mal ein 0:4 in der Champions League im April 2013. Der Gegner damals: Bayern München.

"Barca geköpft"

Das Echo in den Medien fiel verheerend aus. Von einer "Albtraumnacht" schrieb die spanische Zeitung El Mundo Deportivo. Die Marca hatte das "totale Desaster" gesehen. Und das Fachmagazin Sport kommentierte martialisch: "Barca geköpft."

Doch steht es wirklich so schlimm um das große Barcelona?

Abwarten, sagt der 1990er-Weltmeister Bodo Illgner zu SPORT1. "Barca ist auch in der vergangenen Saison sehr, sehr schlecht in die Saison gestartet. Real Madrid führte bis zur kleinen Winterpause in Spanien die Tabelle souverän an", erinnert Illgner, der als Torhüter mit Real Madrid unter anderem 1998 die Champions League gewann.

Tatsächlich wäre es letzte Saison im Winter bei Barcelona beinahe sogar zum Bruch zwischen Lionel Messi und Trainer Luis Enrique gekommen. Dann aber raufte man sich wieder zusammen - und gewann das Triple.

Zwei Punkte Rückstand auf Real Madrid

Muss sich das Starensemble also erst warmlaufen und einschießen, ehe es das Feld wieder von hinten aufrollen wird? Noch liegt Barca nach der ersten Niederlage in der Liga natürlich noch auf Tuchfühlung zur Spitze. Doch der tatsächliche Rückstand auf Real Madrid scheint derzeit bedeutend größer zu sein als die zwei Punkte in der Tabelle.

"Barcelona hat mit Jordi Alba und Dani Alves zwei Verletzte zu beklagen, die wichtig für die Mannschaft sind", sagt Illgner.

Gleichzeitig sei Barcelona auf den Außenverteidiger-Positionen generell eher schwach besetzt. Dani Alves etwa "ist an guten Tagen vor allem in der Offensive immer noch stark, aber in der Defensive hat er Probleme", sagt Illgner.

Klagt Barca gegen FIFA-Sperre?

Das Problem haben die Bosse erkannt, in Aleix Vidal wurde im Sommer für 17 Millionen Euro Ablöse ein neuer Rechtsverteidiger vom FC Sevilla verpflichtet.

Der kann aber, ebenso wie der zweite Neuzugang Arda Turan, wegen der FIFA-Transfersperre für Barca erst im Januar eingesetzt werden. Mittlerweile erwägen Barcas Bosse den Versuch zu starten, die Spielgenehmigungen einzuklagen.

Das "Problem" mit ter Stegen könnte sich schon früher erledigen. Der frühere Gladbacher ist momentan ohnehin nur wegen der Muskelverletzung Claudio Bravos im Dauereinsatz. In der Liga ist ansonsten sein chilenischer Konkurrent gesetzt.

Torwart bei Barca: "Gefährlicher Beruf"

Ter Stegen gilt bei den spanischen Kommentatoren als deutlich fehleranfälliger als Bravo. Auch nach dem 1:4 bei Celta de Vigo bekam er schlechte Kritiken – obwohl er bei allen Gegentoren von der Verteidigung im Stich gelassen worden war.

"Es ist ein gefährlicher Beruf, Barca-Torwart zu sein", sagt der katalanische Journalist und Barca-Kenner Isaac Lluch. "Der Gegner schießt vielleicht nur einmal aufs Tor, aber dann musst du zur Stelle sein."

Illgner kennt die sehr schnell urteilenden spanischen Reporter aus eigener Erfahrung. "Die Kritik in Spanien fällt anders aus, gerade bei einem Ausländer. Das durchlebt ter Stegen jetzt. Das ist nicht einfach, aber da muss er jetzt durch", sagt er.

Ter Stegen sei zwar an den allermeisten Gegentoren schuldlos gewesen, die gesamte Mannschaft spiele nicht souverän. Aber "ter Stegen muss aufpassen, dass er nicht in einen Negativsog reinkommt", sagt Illgner.

Chancen für Leverkusen gestiegen

Und weiter: "Die Situation nagt an ihm, er ist ein junger Torwart, der diese Erfahrung noch nicht so oft gemacht hat. Aber durch die vielen Spiele zur Zeit kann er das direkt wieder abschütteln".

Am Dienstag spielt Bayer Leverkusen in der Champions League in Barcelona. Ein Spiel zum besten Zeitpunkt für Leverkusen? " Wenn sie es schaffen, Barcelona so wie Celta de Vigo unter Druck zu setzen, früh zu stören und Pressing zu spielen, dann haben sie natürlich Chancen. Barca ist mit Sicherheit verunsichert. Aber man muss abwarten, wie das Spiel am Wochenende ausgeht. Beim Heimspiel gegen Las Palmas können sich die Spieler das Selbstvertrauen zurückholen", sagt Illgner.

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