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Neymar FC Barcelona Steuer Manchester United
Vater und Sohn Neymar, noch zu Zeiten beim FC Santos 2011 © Imago

München - Europas Großklubs werden hellhörig: Der Vater von Neymar droht wegen des Steuer-Ärgers mit einem Wechsel. Womöglich bezweckt er aber ganz anderes.

Rein sportlich ist es ja gerade eine rundum glückliche Beziehung, die Neymar und der FC Barcelona führen.

Der brasilianische Stürmer ist der herausragende Spieler der Barca-Saison, elf Tore schoss er in zehn Ligaspielen - zuletzt noch ein besonders schönes.

Wie einst Pele gegen Schweden 1958 zirkelte er sich den Ball selbst über den Kopf und versenkte volley aus der Drehung. "Eines der besten Tore seiner Karriere", schwärmte Vater Neymar Senior vor dem Clasico bei Real Madrid (Sa., 18.15 Uhr LIVETICKER), "moderner als Peles".

Papa Neymar hatte bei seinem Auftritt im spanischen Radio allerdings auch unangenehmere Dinge zu besprechen.

Steuer-Ärger könnte Wechselgrund sein

"Ich will nicht von Verfolgung sprechen, aber wenn wir hier keine angenehme Arbeitsatmosphäre haben, dann können wir nicht in Spanien bleiben und müssen gehen", hielt er fest. Trotz eines angeblich 205 Millionen Euro schweren Angebots, Neymars Vertrag um sechs Jahre zu verlängern.

Der Grund, warum sein Vater sich trotz dieser Aussichten ziert: der Steuer-Ärger.

"Wir müssen wissen, ob die Spanier unsere Situation akzeptieren", sagt Neymar Senior: "Es ist hart für uns, weil wir wegen Steuer-Problemen aus Brasilien und Spanien attackiert werden."

Ein dubioser und folgenreicher Deal

Da ist er wieder, der Schatten, der die sportliche glückliche Beziehung von Anfang an begleitet: Der Transfer Neymars 2013 vom FC Santos nach Katalonien - seinerzeit als 57-Millionen-Euro-Schnäppchen gefeiert, inzwischen als Fall für die Justiz entlarvt.

40 Millionen Euro fordert der Investmentfonds DIS, der mit 40 Prozent an Neymar beteiligt war. Er sieht sich geprellt, weil die anderen Beteiligten des Deals den wahren, weit höheren Kaufpreis verschleiert und den Rest in die eigenen Taschen umgeleitet hätten.

Wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung in diesem Zusammenhang hat Brasiliens Justiz bereits Teile von Neymars Privatvermögen eingefroren, auch ein Gericht in Madrid ließ ein Verfahren aufgrund der Unregelmäßigkeiten zu. Sandro Rosell, den umtriebigen Ex-Präsidenten Barcas, hat die Affäre bereits das Amt gekostet, er sitzt selbst in einem Steuerverfahren in Barcelona auf der Anklagebank, sein Nachfolger und früherer Vize Josep Bartomeu ebenso.

England, PSG - oder doch nur Poker?

Es ist eine trübe und komplexe Geschichte, die Vater Neymar mit "attackiert werden" und "keine angenehme Arbeitsatmosphäre" natürlich sehr subjektiv auf den Punkt bringt.

Nichtsdestotrotz lassen seine Worte Alarmglocken läuten. Manchester United - wollte Neymar schon im Sommer - wird vom englischen Boulevard umgehend wieder ins Spiel gebracht. Auch der FC Chelsea, Manchester City und Paris St. Germain gelten als interessiert und finanzstark genug. Und, ach ja: Wollte nicht auch mal Pep Guardiola einst Neymar statt Mario Götze im Trikot des FC Bayern München sehen?

Wie ernsthaft Vater und Sohn Neymar aber eine Flucht in den nächsten großen Deal erwägen, muss die Zeit zeigen.

Vielleicht geht es ja auch nur darum, noch etwas mehr Schmerzensgeld für die unangenehme Arbeitsatmosphäre herauszuhandeln.

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