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Toni Kroos und Rafael Benitez
Rafael Benitez (l.) mit Toni Kroos © Getty Images

München - Toni Kroos könnte der letzte Superstar bei Real Madrid sein, mit dem es sich Rafael Benitez verscherzt. Die entscheidenden Spieler haben kein Vertrauen mehr in den Trainer.

Auch Toni Kroos sehnt sich nach dem Teddybär. Als solchen hat Real Madrids Torprotzer Cristiano Ronaldo Carlo Ancelotti kürzlich bezeichnet.

Mittlerweile wird den Madrilenen jeden Tag ein Stück klarer, was sie angerichtet haben, wenn nicht mehr der Italiener, sondern Rafael Benitez morgens als Trainer zur Arbeit kommt.

Ancelotti war umgänglicher

Es sieht so aus als sei Kroos der neueste Star, dessen Vertrauen Benitez verloren hat. 90 Minuten lang saß der Weltmeister beim 0:1 bei Villarreal auf der Bank, das hätte es unter dem deutlich umgänglicheren Ancelotti wohl nicht gegeben. Daher auch der Spitzname.

Benitez dagegen stand noch nie im Flausch-Verdacht. Sein persönlicher Umgang ähnelt einer großen Schüssel trockener Semmelbrösel, genau wie der Fußball seiner Mannschaften.

So jedenfalls sehen sie ihn in Madrid. Und wundern sich, dass jetzt ihre Befürchtungen wahr werden. Benitez hat die Mannschaft nicht mehr hinter sich.

Menschliches Schmirgelpapier

"Weil Casemiro gespielt hat", antwortete er auf die Frage, warum denn nun Kroos draußen blieb. Das menschliche Schmirgelpapier. Geht Benitez intern ähnlich mit seinen Spielern um, dürfte er wirklich bald weg sein.

Ohne echte Not lässt er Kroos weniger spielen als vor ihm der galante Ancelotti. Nicht viel zwar, aber es reicht. In einem Interview mit der Zeit lobte Kroos den Italiener ausdrücklich. Kein Wort über den Benitez.

Kroos spielt weniger

Zuletzt blieb er zweimal komplett draußen, macht bislang in dieser Saison 75 Prozent der Pflichtspielminuten. Letzte Saison waren es noch 86 Prozent gewesen, außerdem spielte er unter Ancelotti öfter durch.

Die Madrider Presse wundert sich über die Degradierung des "bisher unantastbaren Kroos" (Marca).

AS merkte an: Beim 4:1 gegen Getafe, Kroos' letzten Spiel, legte er "einen seiner besten Auftritte hin, spielte die meisten Pässe der gesamten Saison (109) und verfehlte nur vier davon".

Schuster lästert

Reals ehemaliger Trainer Bernd Schuster lästerte: "Benitez hat Kroos abgesägt."

Noch darf der Trainer weitermachen. Wohl auch, weil aktuell eine Entlassung mehr Chaos als Heilung brächte.

Entscheidend wird aber vor allem sein, wie sich Ronaldos Laune in den kommenden Wochen entwickelt.

Benitez gerät mit Ronaldo aneinander

In einer Talkshow des TV-Senders Mega erzählte ein Journalist: Vor dem letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Malmö bat Benitez den Weltfußballer in sein Büro und schlug ihm eine biometrische Studie seines Bewegungsablaufs vor.

Villarreal CF v Real Madrid CF - La Liga
Cristiano Ronaldo steht bei erst zehn Ligatoren in dieser Saison © Getty Images

Damit wollte Benitez Ronaldos Freistöße verbessern. Ronaldo soll den Raum wortlos verlassen haben.

Ronaldo als running gag

Der Portugiese ist bei ruhenden Bällen längst nicht mehr so gefährlich wie früher, seine immer gleichen Versuche sind mittlerweile ein Running Gag in Spanien.

Benitez' technokratischer Ansatz dürfte Ronaldo aber geradezu anwidern. Selbst wenn der Trainer die Lösung für Reals Probleme kennen sollte; er kann sie seinen Stars anscheinend nicht vermitteln.

Real Madrids Präsident stützt Benitez noch

Spätestens seit dem 0:4 im Clasico gegen Barcelona Ende November baumelt Benitez aus dem Fenster, gehalten nur von Präsident Florentino Perez.

Der sah sich damals gar zu einer Pressekonferenz genötigt und sprach Benitez das Vertrauen aus - vorerst.

Im Unternehmen Real Madrid muss sich auch der Präsident ständig rechtfertigen. Und im Zweifel schnell einen Schuldigen finden. Benitez, so sieht es aus, dürfte deswegen kaum mehr sein als ein Trainer auf Zeit.

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