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München - Die Strafen gegen die Madrider Großklubs scheuchen Spaniens Fußball auf. Bleibt die Entscheidung bestehen? Und wie kann die FIFA überhaupt noch handeln?

Keine neuen Spieler für ein Jahr. Die FIFA sendet inmitten ihrer größten Krise ein heftiges Signal an den spanischen Fußball und bestraft Real und Atletico Madrid hart.

Grund sind verschiedene Verstöße gegen die Transferbestimmungen bei minderjährigen Spielern, wie die Disziplinarkommission erklärte. Beide Klubs haben mittlerweile angekündigt, Einspruch dagegen einzulegen.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Transfersperre.

Wie genau werden Real und Atletico bestraft?

Der von der FIFA selbst benutzte Begriff "Transferverbot" ist missverständlich, beide Vereine dürfen nämlich auch weiterhin Spieler kaufen; nur registrieren und damit einsetzen dürfen sie bis zum Sommer 2017 niemanden, den sie in den kommenden beiden Transferperioden holen.

Verliehene Spieler dürfen sie allerdings zurückholen.

Außerdem muss Atletico 900.000 Schweizer Franken Strafe zahlen, Real 360.000. Die illegal transferierten Spieler müssen beide Klubs auf legalem Weg binnen 90 Tagen wieder loswerden.

Artikel 19 des "Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern" verbietet internationale Transfers von Minderjährigen, mit ein paar Ausnahmen.

Was bedeutet die Sperre für das aktuelle Transferfenster?

Die Periode bis 31. Januar ist nicht betroffen, die Vereine dürfen weiterhin Spieler verpflichten und auch registrieren.

Real Madrid um Neucoach Zinedine Zidane (l.) und Präsident Florentino Perez muss 360.00 Schweizer Franken Strafe zahlen © AP Images

Ein wahrscheinliches Szenario: Real und Atletico schwappen jetzt noch schnell ihre Geldbeutel über Europa und holen alles, was geht. So könnten sich beide auf Halde für die kommenden Transferperioden wappnen.

Bei Real geht es beispielsweise um Wunschspieler wie David de Gea, Antoine Griezmann oder Robert Lewandowski – beides in den kommenden knapp zwei Wochen unrealistische Transfers, aber die Zeiten sind hart.

Um welche Spieler geht es?

Schon im Dezember 2014 forderte die FIFA den spanischen Verband schriftlich auf, ihr alle Unterlagen über Transfers von minderjährigen Spielern zu Real Madrid zu schicken. Ähnlich lange laufen die Ermittlungen gegen Atletico.

Laut der Sportzeitung AS stehen bei Real die Transfers von Manuel Godoy und Fernando Macias im Zentrum, zwei Venezolaner, die beide 2012 im Alter von zwölf Jahren nach Madrid wechselten. Beide stehen längst nicht mehr bei Real unter Vertrag.

Auch Luca Zidane, einer der Söhne des neuen Real-Trainers Zinedine, soll laut des Radiosenders Onda Cero ein Problemfall sein. Er wurde nämlich in Frankreich geboren und spielt seit dem Alter von sechs für Real. Insgesamt geht es laut FIFA-Mitteilung um "mehrere minderjährige Spieler, die (…) zwischen 2005 und 2014" bei Real unter Vertrag standen.

Bei Atletico geht es um den Zeitraum von 2007 bis 2014. Klar ist in diesem Fall nur: Die Colchoneros sind der spanische Erstligist mit den meisten ausländischen Spielern in seiner Jugendakademie. Im vergangenen Jahr versammelten sich dort 43 Nicht-Spanier aus 26 verschiedenen Ländern.

Wie konnte die FIFA trotz ihrer aktuellen Krise handeln?

Spaniens Verbandspräsident Angel Maria Villar traf sich im April 2015 mit dem damals noch nicht gesperrten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter und flehte diesen an, die Regeln zu lockern. Da hatte der Weltverband gerade erst den FC Barcelona ähnlich wie jetzt die Madrider Klubs bestraft.

Das half nichts. Vor allem, weil die Ermittlungen unabhängig von Blatter liefen und dieser in den Monaten danach ganz andere Sorgen hatte.

Entscheidend war hierbei die Disziplinarkommission der FIFA, die unter anderem auch die Sperre gegen Luis Suarez wegen dessen Beiß-Attacke bei der WM 2014 verhängt hatte.

Ein weitgehend unabhängiges Gremium mit Claudio Sulser an der Spitze, einem ehemaligen Stürmer vom GC Zürich und heutigen Rechtsanwalt – der Schweizer hat bislang einen sehr guten Ruf.

Die Entscheidung hätte eigentlich noch über Jerome Valckes Schreibtisch wandern sollen, doch die FIFA verbannte ihren korrupten Ex-Generalsekretär gerade erst komplett.

Valcke hätte die Strafen gegen Real und Atletico laut Mundo Deportivo noch mindestens zeitlich aufgehalten. In dieses Vakuum hinein verkündete die FIFA sie offenbar auf ganz kurzem Weg.

Kann die Entscheidung noch aufgehoben werden?

Real wird vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen und die Strafen anfechten, Atletico kündigte ebenfalls bereits einen Einspruch an.

So machte es 2014 auch Barcelona und erreichte, dass die im April verhängte Sperre erst im Januar 2015 griff. So konnte etwa Marc-Andre ter Stegen noch in jenem Sommer wechseln.

Eine Verschiebung der Strafen um ein halbes Jahr ist also durchaus möglich. Nicht aber, dass sie reduziert werden; dafür wiegt der Präzedenzfall Barca zu schwer.

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