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München - Zinedine Zidanes Ernennung zum Trainer von Real Madrid sorgt für ein riesiges Medienecho, ruft aber auch viel Skepsis hervor. Real-Präsident Perez wird scharf kritisiert.

Vor gerade einmal sieben Monaten hatte Real-Präsident Florentino Perez den damals neuen Trainer Rafael Benitez als "la soluccion" (dt.: die Lösung) bezeichnet. Am Montag musste Benitez seinen Posten schon wieder räumen - und wird ersetzt durch "la soluZZion".

Zinedine Zidane wird neuer Coach bei den Königlichen, die Ernennung des französischen Welt- und Europameisters ruft in Europas Medien aber nicht ungeteilte Begeisterungsstürme hervor. Viele stellen die Frage, ob Zidane, der eigentlich nie Trainer werden wollte, überhaupt geeignet für den Job ist. Und vor allem Perez' Trainerverschleiß sorgt für harsche Kritik.

SPORT1 fasst die internationalen Pressestimmen zum Trainerwechsel bei Real Madrid zusammen:

Spanien

Marca: "La Soluzzion. Der Plan von Real Madrid ist, dass es keinen sportlichen Plan gibt. Genauso wie das Projekt daraus besteht, dass es kein Projekt gibt. Der Plan ist Florentino Perez. Das Projekt auch. Geht es so weiter, ist er bald auch Trainer. Zehn hat er verschlissen in seinen beiden Etappen als Präsident - seit jenem unheilvollen Tag, als er Vicente del Bosque wegen einer Mischung nichtiger Gründe entließ."

as: "Florentino entdeckt, dass Benitez das Problem war - und erkennt plötzlich, was die Lösung ist. Zidane spielt ein 4-2-3-1 ohne zentralen defensiven Mittelfeldspieler. Er hat sich bei der zweiten Mannschaft in der relativen Ruhe der Segunda B abgehärtet. Er verlässt die Reserve als Zweiter ohne Niederlage seit dem 7. November."

El Mundo: "Zidane, der Fetisch von Florentino Perez. Die Erfahrung von Zidane bei der zweiten Mannschaft ist Nebensache. Die Ernennung des Franzosen ist in Wirklichkeit die Wahl einer Ikone, nicht eines gewöhnlichen Trainers. Zidane ist zudem einer der ersten Galaktischen, die mit der Ära Perez verknüpft sind, und einer der meistgeschätzten Fußballer des Präsidenten, sein Liebling, eine Art von Fetisch."

Sport: "Benitez auf die Straße, Zidane an die Macht. Florentino Perez wechselt zum zehnten Mal den Trainer. Der Trainer, der die Lösung sein sollte, war es nur für sieben Monate und einen Tag. Zidane hat bei den Spielern ein hohes Ansehen und der Präsident hofft, dass er sein Guardiola wird."

Mundo Deportivo: "Pflaster Zidane. Florentino Perez ersetzt Rafa Benitez und ernennt Zizou, um die Krise von Real Madrid zu bremsen. Der französische Trainer verspricht in einer grotesken Präsentation, 'etwas' zu gewinnen."

England

Mirror: "Es ist ein großer Schritt nach oben für Zidane - aber einer, bei dem Florentino Perez zuversichtlich ist, dass er ihm gelingen kann."

Telegraph: "Der Spieler Zidane sagte oft, er könne sich nicht als Trainer vorstellen. Was sich geändert hat, ist nicht klar - aber es war ein langsamer Prozess bis jetzt, wo er sich als Trainer des wohl größten Vereins der Welt wiederfindet. Seine Karriere als Spieler war so absurd gut, dass man das Gefühl hat, alles andere könne im Vergleich dazu nur eine Enttäuschung werden. Zidane muss viel Vertrauen in sich selbst haben, dass er seinen komfortablen Ruhestand gegen einen der härtesten Jobs überhaupt eintauscht."

Guardian: "Perez hatte nicht viel über Benitez zu sagen und erlaubte keine Fragen von den zahlreichen Medienvertretern im VIP-Bereich des Stadions. Es gab weder Erklärungen für die Entlassung noch weitere Informationen über die Modalitäten der Trennung. Ohne Pause ging Perez zu Zinedine Zidane über. Benitez war schnell vergessen, wurde nicht länger erwähnt."

Italien

Gazzetta dello Sport: "Real Zizou. Aber ist er dazu imstande? Die französische Legende wird an der Seite seiner Frau und seiner Kinder von Perez vorgestellt. Real-Präsident Perez hat entschieden, dass es mit Benitez mehr als genug ist. Das schwierige Verhältnis zu den Spielern und die ausbleibenden Ergebnisse kosten Rafa Benitez den Platz auf der Trainerbank."

Frankreich

L'Equipe: "Königlich. Der Spieler Zinedine Zidane sah sich nie auf der Trainerbank. Das Projekt ist gereift, die Lust darauf, die Nummer eins zu werden, hat sich gefestigt. Dank seiner Lehrzeit und seiner Erfahrungen als Assistent und Reservetrainer bei Real hat sich seine Vorstellung vom Trainerberuf entwickelt."

USA

ESPN: "Es war kurz, aber intensiv. Nach sieben ereignisreichen Monaten an der Spitze von Real Madrid hat Rafael Benitez einen der größten Jobs im Weltfußball verloren. Die Entscheidung von Präsident Florentino Perez hat nicht viele überrascht. Die demütigende Niederlage gegen Barcelona im Bernabeu war wahrscheinlich der Wendepunkt - nicht nur wegen des Resultats, sondern auch wegen der Wahl von Benitez' Startelf und des furchtbaren Auftritts der Mannschaft."

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