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München - Zinedine Zidane und Real Madrid - was auf dem Platz gegolten hat, soll nun auf der Trainerbank fortgesetzt werden. Doch bei aller Euphorie lauern auch Gefahren für beide Seiten.

Etwas überraschend war es schon, was da am Montagabend in einem Presseraum von Real Madrid verkündet wurde. Dass nämlich ein gewisser Zinedine Zidane als Nachfolger des soeben geschassten Real-Trainers Rafael Benitez installiert wird.

Nicht dass der Weltmeister von 1998 in einer nicht allzu fernen Zukunft einmal die Geschicke seines Lieblingsklubs leiten würde - das stand schon so gut wie fest. Erst vor einigen Wochen hatte Real-Boss Florentino Perez ihm eine Jobgarantie gegeben, dabei aber eingeschränkt, dass der Zeitpunkt noch nicht gekommen sei.

"Die beste Lösung für diesen Job"

Das schnelllebige Fußballgeschäft kennt jedoch selten einen Aufschub, und so verwundert es dann doch nicht wirklich, dass die Wahl bereits jetzt auf "Zizou" fiel.

Zidane und Real - was zu seiner aktiven Zeit als perfekte Symbiose gefeiert wurde, soll nun auf anderer Ebene fortgesetzt werden.

Und auf den ersten Blick spricht auch wenig gegen eine erneute Erfolgsgeschichte: Zidane, die charismatische Ikone, der man das geballte Fußballwissen schon als Spieler abgenommen hatte, passt perfekt ins Profil des majestätischen Klubs aus der spanischen Hauptstadt.

Dementsprechend euphorisch äußerten sich bereits ehemalige Mitstreiter wie David Beckham über die Inthronisierung des Real-Idols: "Zidane ist die beste Lösung für diesen Job", schreibt "Becks" bei Instagram.

Zidane auf Schmusekurs zu Ronaldo

Doch den vielen Vorschusslorbeeren zum Trotz, ist Zidanes Mission bei Real auch nicht ungefährlich - für ihn selbst ebenso wie für den Klub.

Als Trainer ist der 43-Jährige noch ein Novize, er fing erst vor eineinhalb Jahren als Coach bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft der "Königlichen", an. Unter Carlo Ancelotti sammelte er zudem in der Saison 2013/14 Erfahrungen als Co-Trainer.

Doch reicht das, um das Star-Ensemble um Cristiano Ronaldo und Co. wieder auf Erfolgskurs zu bringen? Bekannt ist, dass Zidane den Portugiesen bereits mehrfach in den höchsten Tönen lobte ("Er ist der Beste") und mit ihm und den anderen Stars keinerlei Probleme haben dürfte - im Gegensatz zu Benitez, der wohl auch über sein unterkühltes Verhältnis zu "CR7" stolperte.

Anders als sein Vorgänger kann Zidane jedoch nicht auf einen immensen Erfahrungsschatz zurückgreifen - was auch für den ehemaligen Real-Präsidenten Ramon Calderon zum Problem werden kann.

"Ich wünsche ihm viel Glück, aber ich bin sicher, dass er es schwer haben wird", sagte Calderon in der BBC. Der Ex-Boss mutmaßt sogar, dass der Franzose für Perez nicht die erste Wahl war. "Er wollte nicht Zidane, sondern hat versucht, Mourinho zu holen. Falls Zidane scheitert, wird Mourinho im Juni auf der Real-Bank sitzen."

Maradona als abschreckendes Beispiel

"Zizou" selbst war am Abend die Freude, aber auch der Respekt vor seinem neuen Amt anzumerken: "Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich bin noch aufgeregter als damals bei meiner Unterschrift als Spieler", ließ er bei seiner Vorstellung wissen.

Eingewöhnungszeit wird der neue Real-Coach allerdings nicht bekommen, für ihn geht es gleich in die Vollen. Schon am Samstag muss er im Heimspiel gegen Deportivo La Coruna liefern, in seinem ersten Champions-League-Einsatz wartet Mitte Februar der AS Rom.

Als absoluter Weltstar hat Zidane nicht viele Vorbilder, die nach ähnlichen Erfolgen auf dem Platz auch auf der Trainerbank glänzten. Franz Beckenbauer schaffte es, Diego Maradona scheiterte mit Pauken und Trompeten.

Einer, dem Zidane nacheifern kann, sitzt derzeit auf der Bank des FC Bayern. "Es erinnert mich an die Karriere von Guardiola, der den gleichen Weg gegangen ist", sagte Bixente Lizarazu kurz nach Zidanes Ernennung zum Real-Coach. Sollte er Guardiolas Weg folgen, hätten beide Seiten alles richtig gemacht.

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