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München - Die SPORT1-Taktikanalyse des Clasicos zwischen Barcelona und Madrid deckt Barcas Schwächen auf. Wolfsburg macht der Clasico für die Spiele gegen Real kaum Mut.

Dem FC Barcelona ist der Gewinn der spanischen Meisterschaft eigentlich nicht mehr zu nehmen. Doch die Katalanen verloren am Samstagabend den prestigeträchtigen Clasico mit 1:2 gegen Real Madrid. Die Mannschaft von Trainer Luis Enrique bestimmte über weite Phasen das Geschehen. Doch die Gäste aus Madrid bestachen durch Effektivität.

Madrids Trainer Zinedine Zidane hat seit seinem Dienstantritt im Januar die Mängel im offensiven Positionsspiel nicht vollends beseitigen können. Doch die Blancos waren in Barcelona sowieso vornehmlich in der Rolle der verteidigenden Mannschaft. In weiser Voraussicht nahm Zidane eine personelle Änderung vor: Er stellte im 4-3-3 den Brasilianer Casemiro auf die Sechserposition hinter Toni Kroos und Luka Modric.

FC Barcelona v Real Madrid CF - La Liga
Die 83. Minute in Barcelona: Real Madrids Sergio Ramos sieht Gelb-Rot © Getty Images

Kroos offensiver

Normalerweise bekleidet Kroos diese Rolle. Der deutsche Nationalspieler ist entgegen des Rufs, der ihm zuweilen nachhängt, ein guter Pressingspieler. Er kann diese Fähigkeiten aber eher in die Waagschale werfen, wenn sein Team aggressiv verteidigt. Das war in Barcelona nicht der Fall.

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Dort halfen die klassischen Defensivfähigkeiten von Casemiro im Mittelfeldzentrum, wenngleich er hin und wieder von Lionel Messi oder Andres Iniesta düpiert wurde und im Spielaufbau keine große Unterstützung bot. Casemiro fing drei gegnerische Pässe ab. Zudem waren acht seiner zwölf Tacklings erfolgreich.

Barcelona verliert die Kontrolle

Kroos konnte dafür das situativ hohe Pressing unterstützen und war zudem weiter vorne in die Angriffe eingebunden. Etwa beim 1:1 durch Karim Benzema, vor dem Kroos als Abnehmer für Marcelos Verlagerungspass auf der rechten Seite die Hereingabe auf den Franzosen spielte.

Barcelona dominierte ungefähr bis zur 65. Minute, verlor dann jedoch zusehends die Kontrolle. Innerhalb ihrer Formation gab es bei den Barca-Stars weniger Bewegung. Die typischen Positionswechsel blieben aus, wodurch der Ball häufig nur durch die hinteren Reihen lief. Obwohl die Kräfte merklich schwanden, nahm Luis Enrique mit der Herausnahme von Ivan Rakitic nur einen Wechsel vor, der sogar noch mehr Stabilität kostete.

Selbst nach Sergio Ramos' Platzverweis in der 83. Minute hatte Real Madrid noch Kontergelegenheiten. Vor dem entscheidenden zweiten Treffer durch Cristiano Ronaldo in der 85. Minute spielte Jordi Alba zunächst einen Fehlpass, den Daniel Carvajal dazu nutzte, durch das Spielfeldzentrum zu marschieren.

Wenig Hoffnung für Wolfsburg

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Am kommenden Mittwoch trifft der VfL Wolfsburg zu Hause auf Real Madrid. Verlauf und Ausgang des Clasico sollten die geringen Hoffnungen der Wölfe nicht noch weiter schmälern. Real Madrids Sieg über Barcelona lässt keine Prognosen hinsichtlich des Auftritts von Zidanes Mannschaft in Wolfsburg zu.

Denn gegen den VfL werden die Blancos stärker aus einer spielmachenden Rolle agieren müssen. Wenngleich die Madrilenen in dieser Konstellation zuletzt gelegentlich strauchelten, wirkt Wolfsburg nicht bedrohlich. Die Wölfe offenbarten bei der 0:3-Niederlage in Leverkusen am vergangenen Freitag, dass sie mit ihrem passivem 4-4-2 in der Defensive schnell die Kontrolle über das Mittelfeld verlieren. Gegen Kroos, Modric und Co. müsste VfL-Trainer Dieter Hecking schon massive Veränderungen in der Grundausrichtung vornehmen, um Madrids Kreativspieler in Schach zu halten.

Barca ist schlagbar

Bayern München spielt in der Champions League unterdessen gegen Benfica. Auf dem Weg zum erhofften Titel in der Königsklasse ist das wohl nur eine Pflichtaufgabe für die Münchner. Doch anschließend könnte es zum Duell mit einem der spanischen Giganten kommen.

Dass Real Madrid verwundbar ist, hat sich durch den Sieg in Barcelona nicht geändert. Trotz der leicht verstärkten Defensive mit Casemiro waren Sergio Ramos und Pepe zu oft in direkte Duellen mit Barcas Angreifern verwickelt. Gefährlich sind die Blancos jedoch stets bei Kontern.

Dennoch herrscht bei den Bayern größerer Respekt vor Barcelona, das jedoch zunächst in der Königsklasse Atletico Madrid ausschalten muss. Der Tabellenzweite der spanischen Liga ist unangenehm zu bespielen und hat Barca schon in der Saison 2013/14 aus der Königsklasse geworfen.

Abgesehen davon hat der Clasico kleinere Schwachstellen offengelegt: Die Katalanen verfielen in einen Trott, in dem sie ihre Ballbesitzvorteile nicht effektiv nutzten. Genau das möchte Luis Enrique verhindern.

Doch der 45-Jährige hatte kein Mittel zur Korrektur zu Hand. Barcelonas Startelf und insbesondere ihre Offensivabteilung ist weiterhin das Beste, was der Weltfußball zu bieten hat. Aber der vergleichsweise kleine Kader mit nur wenigen Wechseloptionen in solch kniffligen Spielen könnte sich zum Problem entwickeln.

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