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München - Marc-Andre ter Stegen steht nach seinem schweren Patzer in Vigo im Fokus. SPORT1 erklärt, warum der Torhüter weiter das Vertrauen des FC Barcelona genießt.

Die schönere Lösung ist nicht immer die bessere.

Eine Erkenntnis, die Marc-Andre ter Stegen am vergangenen Wochenende bei der Blamage seines FC Barcelona gegen Celta Vigo (3:4) gewonnen hat. Der Nationalkeeper hätte den Ball einfach kompromisslos aus der Gefahrenzone dreschen können, stattdessen spielte er mit dem Feuer - und verbrannte sich folgenschwer.

Der Versuch, seinen Gegenspieler Pablo Hernandez mit einem eleganten Heber zu düpieren, führte zum entscheidenden Gegentor und besiegelte Barcas schlechtesten Saisonstart seit elf Jahren. Und plötzlich ist der zuletzt noch hoch gelobte Schlussmann der Depp. 

Er halte sich für Lionel Messi, sei tollkühn und arrogant, schimpfte die spanische Presse über den 24-Jährigen. "Ter Stegen ist nicht halb so gut, wie die Leute glauben", polterte gar Kult-TV-Experte Michael Robinson. 

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Die gute Nachricht für ter Stegen trotz des Spotts, den er über sich ergehen lassen musste: An seinem Status in Barcelona hat sich nichts geändert. 

"Wir werden Marc-Andre jetzt nicht umbringen", kündigte Coach Luis Enrique bereits nach der Schlappe am Sonntag an. Nach katalanischen Medienberichten verfolgt der spanische Meister weiterhin den Plan, mit ter Stegen langfristig zu verlängern

SPORT1 erklärt, warum der Torhüter weiter das Vertrauen der Katalanen genießt.

- Nicht nur der Torwart patzt

Fußball ist ein Mannschaftssport. Nicht nur der Mann zwischen den Pfosten muss sich nach der zweiten Saisonpleite an die Nase fassen. Gestandene Leistungsträger wie Sergio Busquets präsentieren sich derzeit völlig außer Form, die 70 Millionen Euro schweren Neuzugänge Andre Gomes und Paco Alcacer kämpfen mit Startschwierigkeiten. 

Hinzu kommen ständige Rochaden von Trainer Enrique, die die Mannschaft zusätzlich verunsichern. Mittelfeld-Star Andres Iniesta saß in Vigo beispielsweise völlig überraschend auf der Bank. Erst mit seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit besserte sich ein zuvor katastrophales Barca und trotzte dem 0:3-Pausenrückstand. 

- Vergangene Leistungen

Auch wenn sein Patzer gegen Vigo ein Mega-Aussetzer und nicht sein erster Fehler im Barca-Trikot war: Die Katalanen haben die starken Paraden der Nummer eins in der Triple-Saison 2014/15 nicht vergessen. Insbesondere in der Champions League, im Halbfinale gegen den FC Bayern und im Finale gegen Juventus Turin glänzte er.

Auch deshalb reifte im Sommer der Gedanke bei Barca, ter Stegen zum Stammspieler zu befördern, was dieser zudem gefordert hatte, und dessen Konkurrenten Claudio Bravo ohne Murren zu Manchester City und Trainer Pep Guardiola ziehen zu lassen.

Dass der ehemalige Mönchengladbacher noch längst kein fertiger Torwart ist und noch viel Entwicklungspotential hat, war und ist allen Beteiligten klar. Außerdem durften sich vorherige Barca-Keeper wie Victor Valdes oder Jose Pinto weitaus mehr Schnitzer leisten, bevor sie angeprangert wurden.

- Spielstil wird geschätzt

"Barcas Torhüter muss auch etwas riskieren", sagte Trainer Enrique zur Verteidigung seines Schützlings. Er schätzt die Spielweise von ter Stegen, der die Viererkette als aktiver Libero unterstützt: "Er ist entscheidend für unseren Spielaufbau."

Beim 1:0-Erfolg gegen Athletic Bilbao Ende August spielte ter Stegen rekordträchtige 61 Pässe - mehr als 185 Akteure der gesamten Liga, darunter auch Messi. "Er muss diesen Stil beibehalten", forderte Abwehrchef Gerard Pique. 

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"Manchmal irren sich Torhüter. Und warum? Weil auch sie nur Menschen sind", stellte sich auch Ex-Sportdirektor Andoni Zubizarreta hinter ter Stegen. 

Zubizarreta hütete selbst jahrelang das Barca-Tor. Er war es auch, der ter Stegens Verpflichtung im Sommer 2014 einfädelte. "Ich bevorzuge mitspielende Torhüter. Und von solchen gibt es nicht viele", betonte er.

Der Rückhalt für ter Stegen ist groß. Nun liegt es an ihm, das Vertrauen zu rechtfertigen - und weniger mit dem Feuer zu spielen. Denn wenn er sich noch häufiger verbrennt, könnte ihm Jasper Cillessen vielleicht den Rang ablaufen. Der niederländische Nationaltorwart kam im Sommer als Bravo-Ersatz und ist nicht als Konkurrent zu unterschätzen.

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