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Toni Kroos bleibt Real Madrid treu © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

Hannover - Toni Kroos ist der Kopf im DFB-Team und bei Real, wo er seinen Vertrag bis 2022 verlängert und so viel verdienen soll wie Cristiano Ronaldo. Ein Superstar ist er dennoch nicht.

Toni Kroos hat nicht den Glamourfaktor und den Killerinstinkt eines Cristiano Ronaldo.

Wenn der Portugiese nach einem Spiel durch die Menge stolziert, herrscht helle Aufregung. Kameraleute rempeln sich an, Reporter sprinten durch die Mixed Zone, um ein Wort zu erhaschen.

Wenn Kroos mit Journalisten spricht, antwortet er ruhig und analysiert sachlich. Über sich selbst redet er nicht so gern. Am Dienstagabend nach dem 2:0 gegen Nordirland sagte er gar nichts.

Dabei hätte er durchaus etwas zu erzählen gehabt. Am Mittwochmittag bestätigte Real Madrid, dass Kroos seinen Vertrag bei Spaniens Rekordmeister um zwei Jahre verlängert.

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Die Unterschrift ist nur noch Formsache, am Donnerstag wird sich Kroos in Madrid äußern.

120 Millionen für sechs Jahre?

Die Bild hatte zuvor gemeldet, Real werde sein Jahresgehalt auf 20 Millionen Euro aufstocken. Bis 2022 wären das stattliche 120 Millionen.

Kroos' Management wollte diese Summen auf SPORT1-Nachfrage nicht kommentieren. Doch allein die Vertragsverlängerung zeigt, welch hohen Stellenwert der 74-malige Nationalspieler bei den Königlichen hat.

Seit seinem Wechsel im Jahr 2014 als Weltmeister vom FC Bayern nach Madrid hat er noch einmal einen steilen Aufstieg hingelegt.

Bald gleichauf mit Ronaldo und Bale

Er ist aus der deutschen Nationalmannschaft und dem Madrider Starensemble nicht mehr wegzudenken. Neben Ronaldo und Gareth Bale ist Kroos in Madrid längst der wichtigste Baustein im Team von Zinedine Zidane. Und demnächst wohl auch einer der Top-Verdiener.

Kroos würde dann an Thomas Müller (15 Millionen beim FC Bayern) und Bastian Schweinsteiger vorbeziehen und wäre der am besten verdienende deutsche Fußballer. Er würde bei Real etwa so viel verdienen wie Ronaldo oder Bale.

Bodenständig statt abgehoben

Bei Auswärtsreisen sitzt er mit Real-Kapitän Sergio Ramos im Flieger in der ersten Reihe. Dass er deswegen abhebt, ist jedoch nicht zu befürchten.

Auch wenn er zuletzt vor dem Länderspiel gegen Finnland mit einem schwarzen Nobelsportwagen vor das Mannschaftshotel in Düsseldorf fuhr - der gebürtige Greifswalder ist ein bodenständiger und bescheidener Typ.

Kroos geht gern mit seinen Hunden spazieren und macht keinen Hehl daraus, dass er die Musik von Pur hört. Er kokettiert sogar manchmal damit.

Schnörkellos und präzise

Kroos mag es eher schnörkellos. Und genau das zeichnet auch sein Spiel aus.

Er ist kein Zauberer wie Lionel Messi, der die Gegenspieler wie Slalomstangen stehenlässt. Kroos durchschneidet die gegnerischen Abwehrreihen mit seinen langen Pässen. Seine Tore sind häufig nüchterne Präzisionsarbeit, so wie sein Flachschuss beim 3:0 gegen Tschechien.

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Er ist kein spektakulärer Spieler, aber er ist der Kopf und Lenker im DFB-Team, er zieht bei Real Madrid die Fäden. "Es ist ein Glück, einen Spieler wie ihn zu haben", sagt Zidane.

Aber ein Superstar wie einst sein Trainer ist er nicht.

Dass er sich im Sommer das Gesicht seines Söhnchens Leo und den Namen seiner Tochter Amelie auf die Unterarme tätowieren ließ, wirkt da fast schon ein bisschen rebellisch. 

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