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Mailand und München - Für Lukas Podolski sollte es bei Inter Mailand wieder aufwärts gehen. Doch der Angreifer erntet in Italien bislang nur Spott. Nun könnte eine Konstante aus seinem Leben verschwinden.

Von Denis de Haas, Michael Gößl, Tobias Wahnschaffe und Giovanni Cosentino

Am Tag nach seinem Pannenauftritt suchte Lukas Podolski Zerstreuung in der Heimat. R&B-Superstar Usher gab am Montag ein Konzert in Köln. Podolski wollte sich diesen Auftritt nicht entgehen lassen.

Nach dem Konzert staubte der Weltmeister noch ein Erinnerungsfoto ab. Er setzte sein typisches Lächeln auf und machte das Victory-Zeichen

Unbeschwert gibt sich der 29-Jährige derzeit nur außerhalb der Fußballstadien. Streift er das Trikot von Inter Mailand über, verwandelt er sich. Vom Gute-Laune-Poldi in: Podolski, der Verkrampfte.

Null Tore, viel Spott

Seit zwei Monaten spielt er nun für Inter. Seine Bilanz ist erschreckend: Null Tore, eine Vorlage, dafür viel Spott.

Nach dem Sonntagsspiel bekam er wieder die volle Ladung ab. "Mit diesem Podolski spielt Inter zu Zehnt", schrieb die Gazzetta dello Sport nach der 0:1-Pleite gegen den AC Florenz.

"Podolski enttäuscht wieder. Wenn man ihn spielen sieht, versteht man, warum er bei Arsenal fast nie zum Einsatz kam", urteilte Tuttosport.

Eckball für den Gegner   

Aus dem Spiel gegen Florenz bleibt nur eine Szene haften. Podolski, der bei einem Eckball gegen die Fahne tritt und so einen Angriff für den Gegner einleitet.

Seinen Frust konnte der Weltmeister später gut verbergen. "Ich mache mir nichts daraus, wenn die Medien und Leute mich kritisieren. Ich weiß, es ist das Profigeschäft, das gehört dazu. Wichtig ist, dass man weiß, was man an sich verbessern muss. Die Leute wollen einen immer am Boden sehen!", sagte Podolski im SPORT1-Interview.

(Das komplette Exklusiv-Interview sehen Sie Dienstagabend ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1).

Der Inter-Profi kann seine Formdelle auch begründen. "Was einfach fehlt, ist das Tor, was ich mir auch erhoffe. Man kann nicht auf einen Schalter drücken. Ich will auch jedes Spiel treffen, gut spielen und Tore vorbereiten", erklärt Podolski.

Das gelingt ihm derzeit aber nicht. Weder im Verein noch in der Nationalmannschaft. Für den DFB traf Podolski zuletzt im Juni 2014 beim 6:1 über Armenien.

Weltmeister mit 53 Minuten

Danach wurde er noch Weltmeister, doch sein Anteil am Titelgewinn hielt sich in Grenzen. In Brasilien kam Podolski ganze 53 Minuten zum Einsatz.   

Bei seinen Einsätzen in der EM-Qualifikation enttäuschte er später. Deshalb könnte nun eine Konstante aus seinem Leben als Profi verschwinden.

Germany v Argentina: 2014 FIFA World Cup Brazil Final
Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski gewannen in Brasilien den Titel © Getty Images

 

Seit dem Sommer 2004 konnte sich der Offensivmann sicher sein: Wenn ein Länderspiel im Terminkalender stand und Podolski fit war, berief ihn der Bundestrainer in den Kader.

Nun geht's Ende März für den Weltmeister gegen Australien und gegen Georgien. Es ist wahrscheinlich, dass Podolski im Aufgebot fehlt. Joachim Löw braucht seine Nummer zehn aktuell nicht, zumal er gute Alternativen hat.

Konkurrenz in Topform

Marco Reus, Andre Schürrle, Karim Bellarabi - sie alle sind seit Wochen in Topform. Podolski ist es nicht.

Vielleicht kommt dem Nationalspieler eine Pause auch gelegen. Podolski könnte über seine Zukunft nachdenken.

Dass diese in Mailand liegt, darf bezweifelt werden. Im statischen System von Trainer Roberto Mancini wirkt er fehl am Platz. Podolski hat selber auch keine Argumente für eine feste Verpflichtung geliefert.

Vertrag in London bis 2016

Somit müsste er im Sommer zurück zum FC Arsenal. Bei den Londonern steht er noch bis 2016 unter Vertrag. Doch dort ist die Konkurrenz wesentlich stärker als bei Inter.

Mit Außenstürmern wie Theo Walcott, Alexis Sanchez oder Alex Oxlade-Chamberlain kann sich Podolski aktuell nicht messen.

Möglicherweise wäre eine Rückkehr in die Bundesliga eine Alternative. Die großen Klubs dürften sich jedoch nicht um Podolski prügeln. Beim FC Bayern wurde er einst gewogen und für zu leicht befunden.

Immerhin gab es Anfang des Jahres positive Signale vom 1. FC Köln. "Eine Podolski-Rückkehr schließe ich nicht aus", erklärte Geschäftsführer Jörg Schmadtke zuletzt der Sport Bild.

Doch 2015 käme diese wahrscheinlich noch zu früh - zumal die Kölner noch Schulden abbauen müssen.

Podolski bleiben nun nicht mehr viele Möglichkeiten, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. In der Coppa Italia ist Inter schon ausgeschieden, in der Europa League darf der Ex-Kölner nicht spielen. Bleiben 13 Partien in der Serie A.

Am Sonntag geht es zum SSC Neapel (20.45 Uhr LIVE auf SPORT1+ im LIVETICKER). Für Podolski wäre es ein guter Anlass, wieder seine Topform zu zeigen.

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