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Rekord-Torjäger Miroslav Klose hat für die DFB-Auswahl 71 Treffer erzielt © Getty Images

München - Weltmeister Miroslav Klose spricht im SPORT1-Interview über den Endspurt in seiner Laufbahn, das DFB-Team und seinen Traum, Bundesliga-Trainer zu werden.

Auf die Minute pünktlich klingelt in der SPORT1-Redaktion das Telefon zum vereinbarten Interviewtermin.

Am anderen Ende der Leitung: Weltmeister Miroslav Klose.

"Die italienische Mentalität, dass ich mich verspäte, habe ich noch nicht angenommen", lacht der 36-Jährige, der seit 2011 für Lazio Rom spielt.

Klose wirkt trotz seiner herausragenden Erfolge als Fußballer immer noch ganz normal, wie zu seinem Karrierestart als Profi im Jahre 2000 beim 1. FC Kaiserslautern. Seitdem ist viel passiert.

Klose wurde zu einer Fußball-Legende. Seine größten Erfolge feierte der Stürmer mit der deutschen Nationalmannschaft. Er nahm an vier Weltmeisterschaften teil und ist mit 16 Toren bester WM-Torschütze aller Zeiten.

Im SPORT1-Interview spricht Klose über seine Karriere, Lazio, seine früheren DFB-Kollegen Mario Gomez und Lukas Podolski - und verrät, warum er als Trainer in die Bundesliga zurückkehren will.

SPORT1: Herr Klose, nach Ihrer Verletzung sind Sie zuletzt wieder stark zurückgekehrt. Zuletzt gelang Ihnen beim 4:0 gegen Florenz ein Doppelpack. Woher nehmen Sie mit fast 37 Jahren diese Power und den Glauben an die eigene Stärke?

Miroslav Klose: Das war schon immer so, weil ich in meiner ganzen Karriere auf meinen Körper gehört habe und ich immer versucht habe professionell zu leben. Von vornherein war mir klar, dass ich Profifußballer werden will und dass dein Körper dein Kapital ist. Wenn du das dann schaffst, dann geht es schnell los. Und du musst dich in dem harten Profigeschäft jeden Tag in jedem Training verbessern. Für mich war vieles auch immer eine Kopfsache. 

Fussball: 1. BL 03/04, 1. FC Kaiserslautern-VfB Stuttgart
Miroslav Klose erzielte zwischen 2000 und 2004 für den 1. FC Kaiserslautern 44 Tore. © Getty Images

SPORT1: Kommen wir zu Ihrem aktuellen Klub. Wohin geht es für Lazio Rom? Momentan steht man in der Serie A auf Platz drei.

Klose: Natürlich wäre ich froh, wenn es so weit wie möglich nach oben geht, aber wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und denken, dass es leicht wird da vorne zu bleiben. Unser primäres Ziel ist die Europa League. Wenn es mehr wird und wir mit Platz zwei die direkte Quali für die Champions League schaffen würden, wäre das der Hammer. Wir haben aber noch sehr harte Brocken vor uns.

SPORT1: Sie spielen seit 2011 für Lazio. Ihre Zeit in Italien verlief überaus positiv. Bei Ihren Kollegen Lukas Podolski und Mario Gomez ist das nicht ganz so. Wie beurteilen Sie die Situation der Beiden?

Klose: Ich habe zu Beiden weiter guten Kontakt. Beim Mario ist das mit seinen Verletzungen sehr unglücklich gelaufen. Zuletzt hat er aber wieder gezeigt, was er kann, wenn er die richtige Fitness hat. Sobald das der Fall war bei Mario, hat er auch immer getroffen. Wie bei mir ist es bei ihm, nur wenn er richtig fit und gesund ist, wird er Topleistungen bringen können. Dann sieht man die Stärken eines Stürmers.

SPORT1: Und Podolski?

Klose: Natürlich war für ihn die Zeit bei Inter Mailand bisher nicht optimal und ich fühle mit ihm, aber ich kenne ihn gut. Auch bei ihm gilt: Wenn er zu seiner Fitness kommt und ein, zwei Tore gemacht hat, dann löst sich die Blockade im Kopf. Ich bin davon überzeugt, dass er noch wichtig werden kann für Inter. Ich weiß, wie Mario und "Poldi" ticken und was in ihren Köpfen abgeht.

SPORT1: Worauf kommt es an?

Klose: Das Entscheidende ist, dass Beide eine große mentale Stärke haben. Wenn du das Herz und den Willen hast, kannst du alles erreichen. Beide müssen weiter hart an sich arbeiten und werden nicht aufgeben. So war das auch immer bei mir,  wenn ich aufgrund von einer Verletzung mal down war.

SPORT1: Sie haben es bei Werder Bremen, als der Klub noch top war, geschafft genauso wie bei Bayern München. Podolski ist das noch nicht gelungen, weder bei Bayern, noch bei Arsenal und auch nicht bei Inter. Funktioniert er nur beim 1. FC Köln?

Klose: Quatsch! Das behaupten natürlich seine Kritiker. Ich wusste immer, auf was ich mich konzentrieren musste und auch wollte, wenn ich zu einem neuen Klub kam. Die Kritik, dass sich "Poldi" mehr mit dem Handy, Facebook und Twitter beschäftigt als mit der Arbeit auf dem Platz, gibt es ja schon lange. Aber ich weiß, wie er wirklich ist. Leider gehört dieser ganze Social Media-Kram zu der heutigen Generation dazu. Er begeistert sich dafür, ich dagegen bin schon froh, wenn ich eine whatsapp-Nachricht verschicken kann (lacht). Natürlich hat 'Poldi' bei Arsenal nicht viel gespielt, aber er ist ein richtig guter Fußballer. Wenn du nicht spielst, dann kannst du noch so viel trainieren, dann bist du nicht bei der 100-prozentigen Fitness. 

SPORT1: Sie haben auch nicht immer gespielt, doch Ihr Vertrag bei Lazio hat sich nach 20 Saisonspielen automatisch bis Juni 2016 verlängert. Können Sie etwas über Ihre Zukunftspläne verraten?

Klose: Ich habe ja nächste Saison noch Vertrag bei Lazio. Ich wollte diese Option und bin froh, dass ich da jetzt Sicherheit habe. Ich werde mich aber zum richtigen Zeitpunkt mit der Familie zusammensetzen und eine Entscheidung treffen. Ich bin ein spontaner Typ und das geht bei mir sehr schnell. Es kann auch sein, dass ich im Sommer aufhöre oder eben noch ein Jahr in Rom oder anderswo spiele. Für mich ist es wichtig diese Runde noch gesund zu Ende spielen zu können.

SPORT1: Viele Fans in der Pfalz hoffen immer noch, dass Sie Ihre Karriere beim FCK beenden. Ist diese Hoffnung im Aufstiegsfall berechtigt?

Klose: Man soll im Fußball nie etwas ausschließen, aber grundsätzlich kann ich eine Rückkehr nach Lautern ausschließen.

SPORT1: Es wäre auch keine Herzenssache nochmal auf dem Betzenberg zu spielen?

Klose: Was heißt Herzenssache? Ich habe eine große emotionale Nähe zu meinen früheren Vereinen und diese Nähe bleibt immer bestehen. Auch zu den Fans. Ich weiß, wie sie auf all den Stationen zu mir gehalten haben. Das ist für mich die Hauptsache. Der FCK ist ohnehin in meinem Herzen drin. Dort habe ich meine Karriere starten dürfen und das werde ich nie vergessen.

SPORT1: Viele Fußballer gehen zum Karriereende nach Amerika oder in die Emirate. Wäre das eine Option?

Klose: Ich kann mir vieles vorstellen. Das kann eine völlig spontane Entscheidung werden. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt wird da sicherlich etwas auf den Tisch kommen. Bei Lazio habe ich Vertrag und vielleicht beende ich auch dort meine Karriere.

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SPORT1: Sie sollen schon konkrete Überlegungen anstellen, nach der Karriere Bundesliga-Trainer werden zu wollen. Erzählen Sie doch mal…

Klose: Mit dem Gedanken Trainer zu werden, beschäftige ich mich schon sehr lange. Die Philosophien und Taktiken der unterschiedlichen Trainer, die ich in meiner Karriere erleben durfte, haben mich immer fasziniert. Ich bin überzeugt, dass ich mit diesen Einflüssen und einigen neuen Ideen viel bewirken kann. Die Liebe zum Fußball hat mich mein Leben lang begleitet. Die Tätigkeit als Trainer bietet mir die Möglichkeit und erfüllt gleichzeitig meinen großen Wunsch, weiterhin nah am Spiel zu sein und es aktiv mitzugestalten.

SPORT1: Thema Nationalelf: Was würden Sie machen, wenn Joachim Löw Sie 2016 vor der EM anrufen würde und nochmal bitten würde zu helfen?

Klose: Als Maskottchen würde ich mitfahren (lacht). Das Thema war mit meinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft eine Woche nach der Entscheidung schon erledigt. Ich wurde nicht dazu gedrängt, habe dies gut überlegt und bin jetzt zufrieden, wenn ich die Jungs im Fernsehen beobachten kann. Es ist für mich super zu wissen, wie die Jungs denken, und es ist schön, sie jetzt aus der Ferne kicken zu sehen. Das genieße ich. Ich bin glücklich, wie alles lief für mich.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Chancen des DFB-Teams in der EM-Qualifikation ein?

Klose: Recht gut. Nach der WM hat man gesehen, dass die Mannschaft in den ersten Länderspielen nicht diese Lauffreude hat wie in Brasilien. Ohne diese Intensität sind wir nur eine Durchschnittstruppe. Nur durch unseren Willen, die läuferische Stärke und die Kompaktheit als Team können wir Spiele erfolgreich bestreiten. Wir dürfen nicht einen Millimeter nachlassen. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass es demnächst anders aussehen wird. Ich blicke absolut positiv auf die Quali.

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