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Faro und München - Sami Khedira und Juventus - das scheint zu passen. Die Zukunft gleich dreier Mittelfeld-Stars in Turin ist offen. Der Weltmeister könnte jeden von ihnen beerben.

Sonniger Himmel, der Strand nicht weit, gepflegte Golfplätze und angenehme 25 Grad - in Faro und Umgebung lässt es sich aushalten.

Doch zum Urlaub machen ist Sami Khedira nicht an die portugiesische Algarveküste gekommen, denn der Weltmeister steht vor wichtigen Aufgaben: Am Samstag geht es in der EM-Qualifikation gegen Gibraltar um drei wichtige Punkte, und ab Juli will er sich intensiv auf seine neue Aufgabe bei Juventus Turin vorbereiten.

Khedira wirkte sehr zufrieden und locker, als er am Freitag im Teamhotel der Nationalmannschaft auf dem Podium über das Spiel gegen Gibraltar und seinen Wechsel von Real Madrid nach Italien sprach.

"Gute Gespräche mit Schalke"

"Ich bin sehr glücklich über die Entscheidung", sagte der 28-Jährige, der nach fünf Jahren in Madrid am Ende eine schwere Zeit bei Real durchlebt hatte.

Er habe die Entscheidung aber "getroffen, bevor ich nicht mehr zum Zug gekommen. Nicht weil ich nicht gespielt habe, sondern weil ich eine neue Herausforderung gesucht habe", betonte Khedira, der auch mit Schalke 04 verhandelt hatte.

Er habe "gute Gespräche mit Schalke" gehabt, aber dann entwickelten sich die Dinge bei den Königsblauen nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Auch die Entlassung von Trainer Roberto di Matteo habe dabei eine Rolle gespielt.

Am Donnerstag hatte sich Khedira direkt an die Fans seines neuen Vereins gewandt.

Bei Facebook postete er ein Bild, das ihn auf einem Stuhl sitzend zeigt. Über die Rückenlehne hängt lässig das schwarz-weiß gestreifte Juventus-Trikot.

"Gestern war ein toller Tag", schrieb Khedira auf Italienisch, Deutsch und Englisch: "Mit Stolz und viel Vorfreude kann ich Euch sagen, dass ich die nächsten Jahre für Juventus Turin spielen werde."

Alles passt bei Juve

Im Interview mit SPORT1 lobte er seinen neuen Klub in den höchsten Tönen.

"Bei Juve passt alles zusammen. Der Klub hat eine tolle Mannschaft und die Gespräche, die ich mit dem Trainer und dem Management hatte, waren toll", sagte er.

Juventus, das gegen den FC Barcelona im Champions-League-Finale den großen Coup verpasste, darf sich auf einen Weltmeister im besten Fußballeralter freuen.

In Italiens Serie A, die seit Jahren eher durch Skandale und marode Stadien denn durch sportliche Glanzleistungen auf sich aufmerksam macht, ist Serienmeister Juventus eine Klasse für sich.

Die "Alte Dame" spielt in einem modernen und schönen Stadion, die Mannschaft von Massimiliano Allegri ist durchgehend stark besetzt, braucht aber trotzdem frisches Blut.

Zentrale als Glanzstück

Das Glanzstück ist das zentrale Mittelfeld mit den Stars Paul Pogba, Arturo Vidal und Andrea Pirlo, auch Claudio Marchisio ist gestandener Nationalspieler.

Allerdings ist Pogba auch der momentan der wohl begehrteste Spieler Europas, praktisch alle Topklubs haben Interesse an dem Franzosen.

Auch der FC Bayern soll ein Auge auf den körperlich starken und technisch exzellenten Mittelfeldspieler geworfen haben. Angeblich verlangt Juventus bis zu 80 Millionen Euro Ablöse für Pogba.

Er und Khedira haben eine ähnliche Spielanlage, starke Physis und Offensivdrang, der Deutsche könnte den Franzosen im Mittelfeld fast eins zu eins ersetzen - vorausgesetzt er kann wieder an die Leistungen von vor seinem Kreuzbandriss im November 2013 anknüpfen.

"Ich werde Anfang Juli mit einem persönlichen Trainer starten, um auf mein altes Niveau zu kommen. Ich muss einiges für mich tun", weiß der ehemalige Stuttgarter, der ablösefrei nach Turin wechselt. Beim italienischen Rekordmeister ist die Freude über den Transfercoup groß.

"Großartige Marktangelegenheit"

"Khedira ist für uns eine großartige Marktgelegenheit", sagte Juves Sportdirektor Giuseppe Marotta.

Sollte Juventus Pogba ziehen lassen und die Ablöse kassieren, würden die "Bianchoneri" trotz des sicherlich üppigen Gehalts und Handgelds für Khedira ein enormes Geschäft machen.

Gleichzeitig könnte Khediras Verpflichtung die Billardkugel sein, die den Pogba-Transfer anstößt. Mit einem Khedira in ihren Reihen könnten die Turiner eher versucht sein, Pogba den Weg zu einem anderen Klub freizumachen. Davon könnte auch der FC Bayern profitieren.

Allerdings ist die Position Pogbas nicht die einzige, die Khedira in Turin ausfüllen könnte. Er könnte auch Pirlo oder Vidal beerben.

Altmeister Pirlo hatte nach dem verlorenen Champions-League-Finale mit einem Wechsel ins Ausland kokettiert und Vidal ist bekannt für seine Sprunghaftigkeit. Mehrere Premier-League-Klubs sollen Interesse am feurigen Chilenen haben.

Khedira braucht Einsatzzeit

Khedira dürfte in Turin deutlich mehr Spielzeit als zuletzt in Madrid bekommen. Mit Hinblick auf die EM 2016 weiß er, dass er diese Einsätze auch braucht.

In Turin kann er sich auch höchstem Niveau in der Champions League präsentieren, was auf Schalke in dieser Spielzeit nicht möglich gewesen wäre.

Und vielleicht hat auch Model-Freundin Lena Gercke ein Wörtchen mitgeredet. Schließlich ist die Modemetropole Mailand nicht weit.

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