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Sami Khedira (l.) war der Matchwinner bei Juventus Sieg gegen Bologna © Getty Images

München - Sami Khedira erntet nach seiner Liga-Premiere für Juventus überschäumendes Lob von der Presse und gibt kriselnden Turinern wieder Hoffnung. Er selbst bleibt auf dem Teppich.

Irgendwann hatte Sami Khedira genug Lobeshymnen gehört.

"Der neue Anführer? Nicht doch, ich bin nur einer von elf Spielern", sagte der Fußball-Weltmeister nach seinem starken Serie-A-Debüt für Juventus Turin und wehrte sich mit Händen und Füßen gegen übergroße Schlagzeilen mit seinem Namen. Es sollte ihm nicht gelingen.

"Khedira ist eine deutsche Garantie. Die Software muss man bei ihm nicht austauschen, sondern nur in Bewegung bringen. Eins ist sicher: Mit Khedira ist Juve eine andere Mannschaft", schrieb etwa die Turiner Tageszeitung La Stampa am Montag. Für den Corriere dello Sport machte "Khedira den Unterschied", der Deutsche bringe "die alte Dame endlich in Schwung."

Khedira bringt die Wende

Die Rechnung ist verlockend einfach: Nach dem schwächsten Saisonstart seit 1969 hat Khedira zwei Pflichtspiele für Juventus bestritten, beide wurden gewonnen.

Schon nach dem 2:0 in der Champions League gegen den FC Sevilla erhielt der 28-Jährige gute Kritiken, nun glänzte er beim 3:1 gegen Schlusslicht FC Bologna mit einem Tor und einer Vorlage. Nach seinem Kopfballtreffer zum Endstand lief Khedira mit erhobenem Zeigefinger hinter dem Tor entlang.

Khedira bleibt auf dem Boden

Für den italienischen Meister war es erst der zweite Saisonsieg im siebten Spiel. Von den oberen Tabellenplätzen ist der Rekordchampion als Zwölfter jedoch noch immer weit entfernt. Khediras Treffer beseitigte immerhin alle Zweifel am Erfolg der Platzherren, die durch drei Niederlagen in den ersten sechs Punktspielen einen Katastrophenstart erlebt hatten.

Khedira übte sich dennoch in Bescheidenheit. "Der Sieg ist nicht mein Verdienst, die ganze Mannschaft hat gut gespielt. Juventus braucht elf Anführer, um zu gewinnen", sagte er.

Von Trainer Massimiliano Allegri erhielt "Il Tedesco" ein Sonderlob."Wenn jemand bei Real Madrid gespielt hat und bei Weltmeister Deutschland zum Stamm gehört, dann ist er mit seiner Erfahrung gerade für junge Spieler eine enorme Hilfe."

Presse überschlägt sich

Allegri hatte wegen des schwachen Starts zuletzt heftige Kritik geerntet, nun darf er auch dank Khedira durchatmen. "Dieser Sieg ist wichtig, doch wir müssen noch mehr wachsen. Wir müssen weiter Punkte aufholen", sagte der 48-Jährige und nannte Khedira einen "hochkarätigen Spieler", der seine Bestform allerdings noch finden und "weiter wachsen" müsse.

Die Gazetten waren bei ihrem Urteil wenig überraschend deutlich forscher. "Khedira ist der Spieler, der Juve den Qualitätssprung beschert", hieß es beim Corriere dello Sport.

Gladbach vor der Brust

In den kommenden Champions-League-Duellen mit Borussia Mönchengladbach solle der Trend nun fortgesetzt werden.

So weit wollte Sami Khedira, der nach seiner längeren Verletzungspause nicht für die EM-Qualifikationsspiele in Irland und gegen Georgien nominiert wurde, allerdings noch nicht denken. "Ich genieße den Moment", sagte er nach seinem großen Tag und meinte zufrieden: "Ich fühle mich schon wie zu Hause."

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