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Maurizio Sarri hat sich im Spiel gegen Inter im Ton vergriffen © Getty Images

Neapel - Inter Mailands Trainer Roberto Mancini erhebt schwere Vorwürfe gegen Napolis Coach Sarri. Dem drohen wegen seiner homophoben Beleidigungen bis zu vier Monate Sperre.

Nach dem Viertelfinale des italienischen Pokals zwischen Tabellenführer  SSC Neapel und Inter Mailand ist ein heftiger Streit zwischen beiden Trainern entbrannt.

Inter-Coach Roberto Mancini nannte seinen Kollegen Maurizio Sarri einen "Rassisten" und erklärte, von diesem als "Schwuchtel" und "schwul" bezeichnet worden zu sein.

"Sarri ist ein Rassist, Leute wie er haben im Fußball keinen Platz. Wäre ich schwul, ich wäre stolz darauf. Das Spiel ist mir egal, er ist 60 Jahre alt, er sollte sich schämen. Man kann sich immer streiten, aber das ist beschämend", sagte Mancini nach dem Spiel, in dem Inter durch das 2:0 ins Halbfinale einzog, bei RAI.

Sarri ist Wiederholungstäter

In der Schlussphase des Spiels war es zum Streit der Trainer gekommen, weil der vierte Offizielle versehentlich neun Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte. Wenig später korrigierte er die Anzeige auf fünf Minuten, beide Trainer kriegten sich auf dem Weg zum Schiedsrichter in die Haare. "Er ist nach dem Spiel zu mir in die Kabine gekommen und hat sich entschuldigt. Aber ich habe ihm gesagt, dass er sich schämen sollte und in England nie wieder einen Fuß auf einen Platz setzen dürfte", sagte Mancini, der von 2009 bis 2013 Manchester City trainierte.

Sarri droht nun eine empfindliche Strafe. Rassistische Äußerungen können in Italien mittlerweile mit Sperren von bis zu vier Monaten geahndet werden. Für den SSC Neapel, der dank des spektakulären Fußballs unter Sarri von der ersten Meisterschaft seit 1990 träumt, wäre dies ein herber Schlag. Der Aufschwung Napolis ist eng mit Sarri verbunden, eine Sperre des Trainers möglicherweise bis Saisonende würden Gonzalo Higuain und Co wohl nur schwer verkraften.

Unabhängig davon, ob homophobe Beleidigungen als rassistisch gewertet werden können, wiegen Mancinis Anschuldigungen schwer. Zumal Sarri als Wiederholungstäter gilt: 2014 hatte er als Trainer von Empoli die Leistung eines Schiedsrichters kritisiert und gesagt: "Fußball ist zu einem Sport für Schwuchteln geworden. Fußball ist ein Kontaktsport, aber in Italien pfeifen die Schiedsrichter viel mehr als in England und interpretieren die Regeln als ob sie schwul wären." Sarri war damals zu einer Strafe von 5000 Euro verurteilt worden.

Verband untersucht die Angelegenheit

Am Dienstag zeigte er sich von Mancinis Anschuldigungen zunächst überrascht. "Ich habe mich zu sehr aufgeregt und ihm ein paar Dinge gesagt, die nicht so nett waren. Aber ich weiß nicht genau, was. Vielleicht habe ich ihn auch als Christdemokraten beschimpft", sagte erbei RAI. Sarri gilt als politisch eher dem linken Lager zugehörig. Weiter sagte er: "Manche Dinge, die auf dem Platz passieren, sollten auf dem Platz bleiben. Ich habe mich entschuldigt, von meiner Seite sollte die Sache damit erledigt sein."

Für Mancini war die Angelegenheit aber noch lange nicht erledigt. Er schwänzte vor lauter Ärger sogar die Pressekonferenz, wollte nur noch weg aus Neapel. Kurz vor der Abfahrt wurde er noch von Verbandsoffiziellen befragt, eine Untersuchung und Anklageerhebung gegen Sarri gilt als wahrscheinlich.

Sarri beteuert: "Bin nicht homophob"

Dies muss dann wohl auch Sarri geahnt haben, der sich später am Abend noch einmal an einer Rechtfertigung und Entschuldigung versuchte. "Ich habe einen Fehler gemacht, mir sind im Eifer des Gefechts einige Äußerungen rausgerutscht, die sich nicht gehören und möchte mich bei den Homosexuellen dafür entschuldigen. Auch bei Mancini möchte ich mich noch einmal entschuldigen. Als ich gemerkt habe, übers Ziel hinausgeschossen zu sein, bin ich zu ihm in die Kabine und habe mich entschuldigt. Ich habe nichts gegen Homosexuelle. Wer mich kennt, weiß das", beteuerte er.

Das mag sein. Doch Sarris nächster Satz offenbarte das generelle Problem im Fußball und verdeutlichte anschaulich einen Grund, wieso Thomas Hitzlsperger immer noch der einzige namhafte Spieler ist, der sich als schwul geoutet hat. "Was ich ihm gesagt habe, war das Erste, was mir eingefallen ist", sagte Sarri zerknirscht, "das Ganze hat zehn Sekunden gedauert, es war der klassische Streit auf dem Feld, der dort hätte bleiben sollen. Ich hätte ihm alles sagen können in dem Moment, ich hatte keine homophoben Gedanken. Die Beleidigung resultierte aus meinen Ärger. Ich erwarte eine normale Strafe."   

Wie die Gazzetta dello Sport erfahren haben will, wird Sarri wohl tatsächlich glimpflich davonkommen. Weil sein Widersacher Mancini, Typ notorischer Frauenheld, offensichtlich heterosexuell ist, sehe sich das Sportgericht außer Stande, den Anti-Diskriminierungs-Paragraphen der Strafordnung des italienischen Fußballverbandes anzuwenden. Sarris homophobe Äußerung würde darum nicht als diskriminierend, sondern als normale Beleidigung gewertet werden. Erwartetes Strafmaß: Ein bis zwei Spiele Sperre.

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