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Anhänger des kosovarischen Nationalteams: Sehen sie ihr Team schon bald in Qualifikationsspielen für die WM 2018? © Getty Images

München - Der Fußballzwerg vom Balkan kann sich nach seiner Aufnahme in die UEFA Hoffnungen auf eine Teilnahme an der WM-Quali machen. Namhafte Spieler könnten angelockt werden.

Man mag es nicht glauben, aber das kleine Kosovo hat in seiner jungen Geschichte durchaus berühmte Sportler hervorgebracht. 

Luan Krasniqi etwa hat jahrelang um WM-Gürtel geboxt. Fatmire Bajramaj, die heute Alushi heißt, wurde 2007 Fußball-Weltmeisterin. Beide haben Deutschland vertreten, ihre Wurzeln liegen jedoch in dem Zwergenstaat.

In der Generation nach Krasniqi und Alushi steht das Balkan-Land vor allem für namhafte Fußballer. Und genau das könnte schon bald merkliche Auswirkungen auf diese Sportart haben. 

Das Kosovo könnte den Weltfußball ein Stück weit verändern. 

Fußball-Winzling zur WM?

Hintergrund: Am heutigen Dienstag wurde die Republik als 55. Mitglied der Europäischen Fußball-Union (UEFA) aufgenommen.

Bei der politisch brisanten Entscheidung stimmten 28 UEFA-Mitglieder für eine Aufnahme, 24 dagegen. 

Durch den Erfolg bei der UEFA könnte der kosovarische Verband schon während des FIFA-Kongresses am 12. und 13. Mai in Mexiko auch als Mitglied in den Weltverband rücken. Der kleine Verband hofft auf das nachträgliche Startrecht in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland - womöglich sogar mit prominenter Verstärkung.

Xhaka und Shaqiri mit Wurzeln im Kosovo

Denn mitunter könnten Fußballer kosovarischer Abstammung auf einmal tatsächlich für ihr Heimatland auflaufen. Bekannte Spieler wie Ex-Bayern-Profi Xherdan Shaqiri und der Gladbacher Granit Xhaka, die in ihrer Heimat als Idole gelten.

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Die beiden bundesliga-erfahrenen Kicker spielen im Nationalteam der Schweiz. Nach dem üblichen Passus in den FIFA-Statuten haben sie sich für ein Land festgespielt. Nur Fußballer, die noch kein A-Länderspiel bestritten haben, dürfen demnach zwischen zwei Nationen wechseln. 

Das Kosovo pocht aber offenbar auf eine Sonderregelung. Der Schweizer Blick zitiert den Journalisten Kushtrim Krasniqi mit den Worten: "Der kosovarische Verband glaubt, dass jeder Spieler die Nation wechseln kann, weil wir ja neu gegründet wurden."

Einen ähnlichen Fall gab es bereits in den 90er-Jahren. Damals durften sich Auswahlspieler des ehemaligen Jugoslawiens ihren neuen Heimatländern Kroatien, Bosnien-Herzegowina oder Slowenien anschließen.

Das Werben um die Stars

Die Geschichte soll dem Kosovo nun als Vorbild dienen. "Der Nationaltrainer wird alle Spieler mit Wurzeln einladen, sobald wir Mitglied der UEFA und der FIFA sind. Dann können sich Xhaka, Shaqiri und Co. entscheiden", sagte Fußball-Experte Krasnigi dem Blick

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Granit Xhaka auf Heimat-Besuch: Der Schweizer Fußballer hat Wurzeln im Kosovo. Hier führt er seinen Landsleute seine Tricks vor © Getty Images

Die Strategie des Verbands ist klar: Er lockt die Stars mit einer Portion Patriotismus und der Aussicht auf die WM - auch wenn Fußball-Präsident Fadil Vokrri beteuert: "Wir werden sie nie abwerben. Wir werden ihnen kein Aufgebot für ein Länderspiel schicken und sie so ködern."

Unter vorgehaltener Hand wird dennoch bereits gemunkelt, das Kosovo könnte die WM-Qualifikationsgruppe I mit Kroatien, Island, Ukraine, Türkei und Finnland auffüllen. Aber soweit ist es noch nicht. Womöglich dauert es auch noch einige Zeit, bis der Fußballzwerg wirklich im Konzert der Großen mitwirken darf.

Internationale Beobachter schätzen die Infrastruktur im Kosovo noch nicht als professionell ein. Das Stadion in der Hauptstadt Pristina etwa soll noch nicht alle FIFA-Ansprüche erfüllen. Auch in Sachen Nachwuchsförderung müssen Mitglieder des Weltverbands Standards erfüllen.

Erfolg im Fußball bedingt eben eine gesunde Basis.

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