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München - Der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Fenerbahce sorgt für Fassungslosigkeit. Ex-Profi Erdal Keser fordert bei SPORT1 eine schnelle Aufklärung und fürchtet Spätfolgen.

Große Einschusslöcher in der Frontscheibe, ein schwer verletzter Fahrer, verstörte Fußballprofis auf ihren Sitzen - es sind Bilder, die fassungslos machen.

Eigentlich wollten die Spieler von Fenerbahce im Mannschaftsbus den 5:1-Sieg bei Caykur Rizespor feiern. Doch die Fahrt zum Flughafen mündete am späten Samstagabend beinahe in einer Katastrophe.

Der Bus wurde nach ersten Ermittlungen mit einem Schrotgewehr und zwei Pistolen beschossen, nur der geistesgegenwärtige Griff eines Sicherheitsmitarbeiters verhinderte offenbar den Absturz in eine Schlucht.

"Man wollte unsere Spieler töten"

"Das ist keine gewohnte Gewalt von Fußball-Fans mehr, das war ein gezielter Mordanschlag. Man wollte unsere Spieler töten", sagte Istanbuls Vizepräsident Mahmut Uslu in türkischen Medien. "Wenn Blut fließt, dann ist unser Fußball am Ende."

TURKEY-FBL-CRIME
Fenerbahces Vize-Präsident Mahmut Uslu erklärte am Dienstag, dass das Team vorerst keine Ligaspiele bestreiten werde. © Getty Images

Auch Erdal Keser haben die Bilder aus seinem Heimatland schockiert. "Das wirft ein ganz schlechtes Licht auf die gesamte Türkei", sagt der frühere Spieler von Borussia Dortmund und Galatasaray im Gespräch mit SPORT1.

Er selbst hat als Profi auch Attacken auf Mannschaftsbusse erlebt. "Aber da flogen nur Steine. Wenn wir heute über diese Erlebnisse reden, dann können wir schmunzeln. Das was am Samstag passiert ist, ist eine ganz andere Dimension der Gewalt", betont Keser.

Kompletter Spieltag abgesagt

Das erkannte auch der türkische Verband TFT und sagte deshalb den nächsten Spieltag der Süper Lig ab. 

In dieser Entscheidung sieht Keser Vor- und Nachteile. "Man muss gucken, ob man diesen Leuten dadurch nicht in die Karten spielt", sagt der 53-Jährige.

Wer diese Leute sind, das ist noch unklar. Am Dienstag gab die Polizei in Trabzon die Festnahme des mutmaßlichen Schützen sowie eines Komplizen bekannt. Durch das Verhör erhofft sie sich, mehr über die Hintergründe des Anschlags zu erfahren.

Es gebe "Hinweise darauf, dass einer der beiden die Kolonne von Rize aus verfolgt und der anderen den bewaffneten Überfall begangen hat", erklärte  Adil Celal Öz, der Gouverneur von Trabzon. Türkischen Medienberichten zufolge handelt es sich bei den Tätern um Männer im Alter von 27 und 38 Jahren. Der mutmaßliche Komplize soll den Angriff gefilmt haben.

Spannungen mit Trabzonspor

Doch bislang sind das nur Spekulationen. In den Fokus sind militante Anhänger von Trabzonspor geraten. Zwischen den beiden Fanlagern herrschen seit 2011 große Spannungen. Damals gewann Fenerbahce das Titelrennen gegen den Rivalen vom Schwarzen Meer, hinterher wurden Schiebungsvorwürfe laut.

"In diesem Zusammenhang wollen immer noch alte Rechnungen beglichen werden. Der Verband ist damals ziemlich ignorant damit umgegangen, und das war ein großes Problem", sagt Keser, der aber keine voreiligen Schlüsse ziehen will.

Für ihn ist es wichtig, dass es zu einer schnellen Aufklärung kommt und sich die Spieler des Tabellenzweiten vom Schock erholen. "Ich befürchte aber, dass diese Bilder noch länger im Kopf bleiben werden", erklärt Keser.

Riesenschock für Kadlec

Michal Kadlec' Aussagen in der Bild dürften ihn bestätigen. "Es war ein Riesenschock für uns alle. Das Schlimmste, was ich je erlebt habe", sagte der Fenerbahce-Profi, der von 2008 bis 2013 für Bayer Leverkusen aktiv.

Kadlec sprach von einer geplante Operation. "Da wusste jemand, dass wir über eine Brücke fahren müssen. Ein Wunder, dass die Sache so ausgegangen ist", sagte der Tscheche.

Möglichweise werden Kadlec und auch der Ex-Bremer Diego nun eine längere Pause einlegen. Fenerbahce will erst wieder antreten, wenn die Hintergründe des Anschlags aufgeklärt worden sind.   

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