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München - Lukas Podolski geht zu Galatasaray, um sportlich wieder Fuß zu fassen. Christoph Daum erklärt SPORT1, warum er sich dort auch menschlich wohlfühlen dürfte.

Von Kemer an der türkischen Riviera ist es nur ein Schwung nach links mit dem Surfbrett bis Antalya, wo sie gerade die Welt mit lodernden Geldbündeln in Flammen setzen wollen.

Trotzdem biegt Lukas Podolski aus seinem Urlaub nicht zum neureichen Aufsteiger der Süper Lig ab, sondern in die Champions League mit Galatasaray. Die offizielle Bestätigung von Vereinsseite steht noch aus, doch das wird in den kommenden Tagen wohl passieren.

Podolski für Daum nicht gescheitert

Podolskis Kalkül: Emotionales Umfeld plus sportlich überschaubare Liga ist gleich Stammplatz ist gleich Europameisterschaft 2016. Im Gespräch mit SPORT1 ist Türkei-Legende Christoph Daum aber wichtig: "Ich sehe es nicht so, dass er gescheitert ist. Er hat fast ein Jahrzehnt in der Nationalmannschaft überragende Leistungen gezeigt, wo er bei Joachim Löw immer fester Bestandteil war.

Daum holte als Trainer in der Türkei in insgesamt acht Jahren dreimal den Meistertitel, mit Galatasarays Rivalen Fenerbahce und Besiktas. "Ich bin mir sicher, dass der Lukas dort ein Stück Heimat finden wird, was er auch schon in Köln vorgefunden hat. Das hat er auch bei Bayern München und beim  FC Arsenal gesucht, aber leider nicht so gefunden", sagte er.

Schwierige Zeit in Mailand

Auch das letzte halbe Jahr bei Inter Mailand brachte keine Sonne in Podolskis Herz. Dabei waren die Tifosi bereit, ihm ihre Liebe zu schenken, empfingen ihn euphorisch. Schon bald aber spürte Podolski, wie kalt Mailand sein kann.

"Sich zu Hause zu fühlen, das ist ein wichtiges Kriterium für den Lukas", sagte Daum. "Ich gehe davon aus, dass er das in Istanbul wieder erleben wird und das wird sich sicherlich auf seine Leistungen auswirken, was von dem Feedback abhängt und das wird in der Türkei großartig sein."

Impulsiv aber erfolgreich

Im Gegensatz zu Inter stößt Podolski jetzt zu einer funktionierenden Mannschaft und einem zwar impulsiv aber erfolgreich geführten Verein. Allein in den letzten vier Jahren holte der Klub sieben Titel, darunter drei Meisterschaften.

Und das trotz weiter munter wechselnder Trainer. "Hamza Hamzaoglu hat das ganz ruhig gemacht, ich kenne ihn sehr gut", sagte Daum zum aktuellen Mann auf der Bank, der erst kurz nach dem Beginn der vergangenen Saison gekommen war. "Er wird mit seiner menschlichen Art den Zugang zum Lukas finden."

Podolski wird Hilfe bekommen

Schwierig werde allerdings die Tatsache, dass Hamzaoglu "nur ganz wenig Englisch spricht". Entsprechend wird Podolski einen Dolmetscher brauchen. Auf dem Platz können ihm aber die vielen zweisprachigen Profis der Türken helfen.

Hamit Altintop, einst Teamkollege Podolskis beim FC Bayern, Koray Günter, Hakan Balta, Tarik Camdal oder auch Yasik Öztekin sind in Deutschland geboren und werden Podolski bei der Eingewöhnung helfen.

Ausländer als Vereinshelden

Wohl muss er sich eben fühlen für die optimale Leistung, das wissen sie in der Türkei. Ausländer wie Gheorghe Hagi, Claudio Taffarel, Rigobert Song oder auch Milan Baros lernten Galatasaray bereits lieben und erfuhren für ihre Leistungen eine Leidenschaft von den Rängen, wie es sie kaum noch einmal gibt in Europa. Aktuell ist Wesley Sneijder auf dem Weg ganz tief ins Herz der Gelbroten.

Genau das will Podolski auch. Damit er mit jetzt 30 Jahren nicht schon seine Abschiedstour beginnt.

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