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Das Transfer-Fiasko um Kevin Großkreutz macht Galatasaray lächerlich. Bei SPORT1 findet Thomas Berthold deutliche Worte – und sieht Großkreutz' Zukunft nüchtern.

Harte Kritik an Galatasaray, schwerer Rückschlag für Kevin Großkreutz: Die Wechsel-Posse um den Weltmeister bestimmt das Fußballgeschehen in der Türkei.

Aus der peinlichen 48-Sekunden-Panne seines neuen Arbeitgebers könnten sich für den Ex-Star von Borussia Dortmund bittere Konsequenzen ergeben - eine EM-Teilnahme ist in weite Ferne gerückt.

Berthold wird deutlich

"Das ist natürlich total unprofessionell", sagte Ex-Profi Thomas Berthold SPORT1. "Es gehört zum Handwerk jedes Vereins, die Transferfristen einzuhalten. Mich wundert es, dass das in der heutigen Zeit noch vorkommt."

Großkreutz packt seine Sachen in Dortmund © Imago

Die türkische Sport-Zeitung Fanatik sieht einen "Skandal bei Galatasaray".

"Skandal des Jahrhunderts"

Hürriyet setzt noch einen drauf: "Skandal des Jahrhunderts", titelte die Tageszeitung - und weiter: "Ein großer Schock für Galatasaray."

Schadenfreude pur dagegen beim großen Istanbuler Rivalen Fenerbahce. "Ich habe noch nie so einen komischen Transfer gesehen", schrieb Vorstandsmitglied Selim Kosif bei Twitter.

Schwere Zeiten für Großkreutz

Doch für Großkreutz ist die Situation, die Galatasaray-Geschäftsführer Ugur Yildiz inzwischen den Job gekostet haben soll, alles andere als komisch.

FIFA World Champions Of 1990 To Celebrate The 25th Anniversary
Thomas Berthold (l.) mit Ex-Torhüter Raimond Aumann bei der 25-Jahr-Feier des WM-Titels 1990 © Getty Images

"Von der psychischen Seite ist es natürlich nicht einfach. Aber man muss gut trainieren, dann kommen auch wieder andere Zeiten", sagte Berthold. "Er muss nur an sein Potenzial glauben. Er ist nicht der erste Fall in der Fußballgeschichte, wo ein Spieler mal eine schwierige Zeit hat. Da muss er jetzt durch."

Der Weltmeister von 1990 weiß, wovon er spricht, saß er selbst doch ebenfalls beim FC Bayern München als Spieler für knapp ein halbes Jahr draußen. Er war mit Trainer Erich Ribbeck aneinandergeraten. Erst ein Wechsel zum VfB Stuttgart half seiner Karriere damals wieder in die richtige Bahn.

Wettkampfpraxis erhofft

"Ich habe nun leider bis Januar die Zeit, mich nur im 'Training' zu beweisen", schrieb Großkreutz bei Instagram. Dabei hatte sich der 27-Jährige von seinem Wechsel zum Klub von Lukas Podolski in erster Linie eines erhofft: Wettkampfpraxis.

Doch der Weltverband FIFA lehnte die Spielgenehmigung für Dortmunds langjährige Identifikationsfigur ab, ein Einspruch des türkischen Rekordmeisters hatte keinen Erfolg.

Am Samstag kehrt er noch einmal nach Dortmund zurück, für Dedes Abschiedsspiel. "Ich habe den Wunsch geäußert, dass ich nicht an diesem besonderen Tag von Dede verabschiedet werden möchte", schrieb er in der Nacht auf Donnerstag.

Bis Januar keine Pflichtspiele

Bis zu seiner Registrierung, die nach Angaben von Galatasaray zu Beginn der nächsten offiziellen Transferperiode am 1. Januar 2016 vollzogen werden soll, wird Großkreutz in Liga und Champions League nur die Zuschauerrolle bleiben - und damit dürfte er zumindest vorübergehend vom Radar des DFB verschwinden.

Großkreutz, dem bei der WM 2014 ohne eine Einsatz-Minute Weltmeister-Ehren zuteil wurden, gibt sich jedoch optimistisch: "Ein neues Land, eine andere Kultur, neue und alte Bekannte treffen... Ich danke Galatasaray Istanbul für diese Möglichkeit."

"Kein großer Fan dieser Liga"

Berthold glaubt zwar, dass diese Erfahrung gut sein könnte für Großkreutz' "Reifeprozess", sieht aber einen sportlichen Rückschritt durch den Wechsel in die Türkei: "Ich bin kein großer Fan dieser Liga. Es gibt dort zwei Vereine: Fenerbahce und Galatasaray. Dazu vielleicht noch Besiktas. Aber diese Liga ist meiner Meinung nach nicht wettbewerbsfähig."

Nach einer Knie-OP im April kam Großkreutz in der laufenden Saison nicht zum Zug und absolvierte zuletzt sogar Spiele im Regionalliga-Team des BVB. Der Absprung erschien logisch.

Nehmen, was kommt

Berthold merkt an: "Man muss auch fragen: Was hätte es für realistische Alternativen gegeben? Du musst nehmen, was kommt."

Dortmund und Galatasaray hatten sich bereits am Montag, dem letzten Tag der abgelaufenen Transferperiode, auf einen Wechsel verständigt.

BVB zeigt auf Galatasaray

Laut BVB-Mitteilung sei die FIFA allerdings zu der Überzeugung gekommen, "dass Galatasaray nicht alle notwendigen Schritte zur Abwicklung dieses angedachten Transfers innerhalb des vorgeschriebenen Zeitfensters vollgezogen hat".

Der entsprechende Antrag Galatasarays war am frühen Dienstagmorgen um 00:00:48 Uhr, und damit 48 Sekunden zu spät, im elektronischen Transfersystem TMS eingegangen.

Der Klub erklärte dies mit technischen Problemen im System. Diese könnten Großkreutz teuer zu stehen kommen.

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