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Vitali Klitschko (r.) stand bei Fight seines Bruders gegen Joshua in der Ringecke
Vitali Klitschko (r.) stand bei Fight seines Bruders gegen Joshua in der Ringecke © Getty Images

München - Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, stellt Gedankenspiele über ein Comeback an und sorgt für Wirbel. Manager Bernd Bönte sagt SPORT1, was dran ist.

Vitali Klitschko hat mit einem Interview für Wirbel in der Box-Welt gesorgt. Der 46 Jahre alte Bürgermeister von Kiew sprach mit Fight Hub TV über die Niederlage seines Bruders Wladimir gegen Anthony Joshua im vergangenen April - und äußerte sogar Gedanken an ein eigenes Comeback.

Vitali, der seinen Bruder damals in der Ringecke betreute, sagte: "Ich fühle mich schuldig. Ich habe ihm aus der Ecke zugerufen, dass er sich nach dem Niederschlag in der sechsten Runde zurückhalten soll. Ich hatte nicht erwartet, dass sich so ein muskulöser Boxer wie Joshua so gut davon erholt. Joshua hat mich überrascht. Er war schnell wieder fit und hat Wladimir gestoppt. Hätte ich das nicht getan, hätte ihn Wladimir in der sechsten oder siebten Runde ausgeknockt."

Joshua hatte den WM-Kampf im Schwergewicht letztlich durch technischen K.o. in der elften Runde gewonnen, Wladimir Klitschko beendete nach dem Fight seine Karriere.

Klitschko: "Würde ihn ausknocken"

Vitali gab nun zu bedenken: Eigentlich müsste er seinen Bruder rächen. "Ich habe gegen Chris Byrd verloren. Wladimir hat ihn zerstört und ausgeknockt. Er hat gegen Corrie Sanders verloren. Ich habe dann im Kampf darauf Corrie Sanders ausgeknockt und meinen Bruder beschützt", sagte er.

Danach rief Vitali fast euphorisch: "Ein Fight gegen Joshua  - mein größter Wunsch! Ich habe das Gefühl, ich kann es besser machen, ich muss gegen Joshua kämpfen und die Gürtel zurück in die Familie holen."

Danach gab er jedoch sofort mit einem Lächeln zu bedenken, dass ihn seine Aufgabe als Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt derzeit ausfülle: "Aber es tut mir leid: In der Position, in der ich mich gerade befinde, gibt es nur eine kleine Chance, zurückzukommen und gegen Joshua zu kämpfen. Ich glaube, wenn ich in den Ring steigen würde, würde ich ihn ausknocken. Aber im Moment kann ich das nicht tun."

Trotz dieser Einschränkung titelte Englands größte Boulevardzeitung The Sun: "Vitali Klitschko schwört Rache für seinen Bruder."

"Kleine Chance"? "Im Moment"? Denkt Vitali Klitschko möglicherweise wirklich an ein Comeback in fernerer Zukunft?

Sehr unwahrscheinlich. Denn Klitschko ist jetzt schon 46, würde dann auf die 50 zugehen. Gegen den aktuell 27 Jahre alten, durchtrainierten Joshua hätte der Box-Veteran wahrscheinlich keine Chance. Außerdem widmet sich Vitali in den letzten Jahren ausschließlich der Politik in der Ukraine.

Manager Bönte glaubt nicht an Rückkehr

Auch Klitschko-Manager Bernd Bönte glaubt nicht an ein Vitali-Comeback: "Das klingt für mich eher nach einem Aprilscherz. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen", sagte er SPORT1: "Alles zu seiner Zeit - und ich glaube, seine Zeit ist jetzt als aktiver und erfolgreicher Politiker in der Ukraine."

Vitali gab allerdings offen zu, dass er den Boxsport vermisst: "Ich vermisse das Boxen sehr. Es wird immer einen großen Platz in meinem Herzen haben. Boxen hat mir viele Chancen ermöglicht, hat mich im Leben nach vorne gebracht."

Er berichtete: "Ich gehe immer noch mehrmals die Woche ins Box-Gym und trainiere am Sandsack und mit dem Sprungseil."

Vitali hält sich also weiter fit - im Ring wird man ihn trotz des Wirbels um sein Interview aber ziemlich sicher trotzdem nicht mehr sehen.

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