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Umstritten: WWE-Kommentator John Bradshaw Layfield
Umstritten: WWE-Kommentator John Bradshaw Layfield © Imago

WWE-Kommentator John Bradshaw Layfield steht wegen seiner Rolle beim Aus eines Kollegen im Kreuzfeuer. Er gilt als "Bully" - und bestreitet es nicht.

Früher war er Wrestler und Champion bei WWE, heute ist er dort Kommentator und nebenbei auch Börsen-Fachmann im US-Fernsehen.

Wegen seines Verhaltens abseits der Showkampf-Choreographie ist John Bradshaw Layfield aber auch eine hoch umstrittene Figur. Der 50-Jährige steht aktuell zum wiederholten Mal im Zentrum von Mobbing-Vorwürfen, zahlreiche Fans fordern mit der Hashtag-Kampagne #FireJBL seine Entlassung, auch bei der SmackDown-Show am Dienstag gab es "Fire-Bradshaw!"-Rufe.

Was war passiert?

Kommentator Ranallo offenbar vor WWE-Aus

Mauro Ranallo, Kommentatorenkollege Layfields bei der TV-Show SmackDown Live, ist seit mehreren Wochen dort nicht mehr am Pult aktiv.

Der 47 Jahre alte Kanadier werde nicht mehr bei WWE zurück erwartet, berichtet CBS. Sein Vertrag läuft im August aus. Seine Abwesenheit wurde beim ersten Mal mit einem Anreiseproblem erklärt, danach mit gesundheitlichen Gründen.

Mauro Ranallo zieht sich ab sofort aus WWE zurück
Mauro Ranallo ist in den USA auch ein bekannter Box- und MMA-Kommentator © Getty Images

Ranallo hat eine bipolare Störung und Depressionen, was er mehrfach offen thematisiert hat. Seinem Freund und Podcast-Kollegen Bas Rutten zufolge sind Ranallos daraus resultierende Probleme auch Grund für seine aktuelle Auszeit.

Und Layfield soll nicht unschuldig daran sein, dass sich der Zustand von Ranallos Psyche zuletzt verschlimmert hat.

JBL schuld an Ranallos Auszeit?

Ranallo und er hatten sich zuletzt einen öffentlichen Streit geliefert, bei dem immer klarer wurde, dass es sich dabei nicht um ein Showgefecht handelte.

Stein des Anstoßes war Ranallos öffentlicher Dank für einen (nicht von WWE vergebenenen) Online-Preis als bester Kommentator. JBL, der bei der Fanabstimmung nicht unter die Top 10 kam, machte unter anderem in einem Auftritt bei der WWE-Webshow "Bring it to the Table" deutlich, dass er das als Etikettenbruch verstand - und mit Ranallo und seinem Kommentarstil generell nicht viel anzufangen weiß.

Den Beginn von Ranallos Auszeit kommentierte Layfield auf Twitter beißend: "Du bist nicht zur Arbeit gekommen. Alle anderen schon." Später löschte er den Beitrag.

Layfield: "Ja, ich schikaniere Leute"

Dem gut informierten Wrestling Observer zufolge hatten Layfields öffentliche Attacken entscheidenden Anteil an Ranallos Auszeit. Rutten stützte diese Behauptung indirekt mit dem öffentlichen Vorwurf an JBL, man solle "immer auf seine Kommentatorenkollegen aufpassen. Immer."

Layfields öffentliche Attacken gegen Ranallo sind kein Einzelfall: Er galt schon zu aktiven Zeiten als "Bully", der Kollegen verbal und körperlich schikanierte.

Parallel zum Fall Ranallo wurde dieser Ruf gestützt durch die Autobiografie des früheren WWE-Ansagers Justin Roberts: Dieser berichtet von ständigen Beleidigungen Layfields - und einem Fall, in dem er Kollegen dazu angestiftet hätte, bei einer Europa-Tournee Roberts' Reisepass zu stehlen. Es ist nur einer von zahlreichen ähnlichen Erlebnisberichten früherer Kollegen.

Layfield selbst streitet prinzipiell gar nicht ab, kein netter Kollege zu sein. "Habe ich Leute schikaniert? Ja, absolut. Und ich entschuldige mich nicht dafür", gab er 2010 in einem Interview zu.

Ein archaisches Prinzip

Der Texaner sieht sich in der Tradition der "Shooter", die in Wrestling-Ligen früherer Tage ihre Kollegen psychisch und physisch mit den rauen Sitten des Geschäfts bekannt machten. Es ging darum zu testen, ob sie die nötige Härte dafür mitbringen, unter Duldung der Promoter.

Ein archaisches Prinzip, das nur noch bedingt zum Hochglanz-Image von WWE als professionelle und familiengerechte Mainstream-Unterhaltung passt - und erst recht nicht zu ihrem Engagement für die Anti-Bullying-Kampagne "Be a Star".

Der 71 Jahre alte WWE-Boss Vince Mahon allerdings ist wie Layfield in den archaischen Zeiten geprägt worden. Sein Verhältnis zu JBL gilt als blendend.

Im Fall Ranallo bestreitet Layfield übrigens, in böser Absicht gehandelt zu haben. "Ich spiele einen Bösewicht", twitterte er: "Ich wünsche Mauro aufrichtig nur das absolut Beste."

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