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Lilia Schobuchowa gestand, dass sie sich ihren Olympia-Start erkauft hat
Lilia Schobuchowa gestand, dass sie sich ihren Olympia-Start erkauft hat © getty

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hält sich nach den "ARD"-Enthüllungen über systematisches Doping und Korruption im russischen Sport bedeckt und verweist auf laufende Ermittlungen.

"Die IAAF hat die verschiedenen ernsten Anschuldigungen bezüglich Doping-Aktivitäten in der russischen Leichtathletik zur Kenntnis genommen", teilte der Verband auf "SID"-Anfrage mit: "Eine Untersuchung der Ethik-Kommission über Doping in der russischen Leichtathletik ist bereits auf den Weg gebracht."

Die IAAF erklärte weiterhin, dass diese Kommission "komplett unabhängig und seit dem 1. Januar 2014 voll handlungsfähig" sei: "Sie hat volle Befugnis, zu ermitteln und Sanktionen zu verhängen, wenn dies nötig ist. Die IAAF glaubt fest daran, dass diese Ethik-Kommission die richtige Plattform für alle Anschuldigungen im Anti-Doping-Bereich der Leichtathletik ist, und fordert alle Mitglieder der Leichtathletik-Familie auf, diese Kommission sofort zu kontaktieren."

Auf die in der "ARD" geäußerten Anschuldigungen, die IAAF sei direkt oder indirekt in Betrugs- und Korruptions-Fälle involviert, ging der Verband nicht ein.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA versicherte unterdessen am Donnerstag, "das alle betreffenden Vorgänge in vollem Maße untersucht werden." Bei der WADA seien die Vorwürfe zum Teil bereits bekannt gewesen.

"Die WADA hat in der Tat bereits Informationen und Beweismaterial von der Art erhalten, wie es in der TV-Dokumentation beigebracht wurde", teilte die WADA mit. Alle Informationen wurden an die geeignete, unabhängige Stelle der IAAF weitergeleitet. Wir erwarten nun das Ergebnis von deren Beratungen. Sollten nach sorgfältiger Prüfung Maßnahmen notwendig sein, wird die WADA die nötigen und angemessenen Schritte im Einklang mit dem WADA-Code einleiten."

Die "ARD"-Sendung "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatte am Mittwoch zahlreiche Zeugenaussagen und belastende Dokumente zu systematischem Doping im russischen Spitzensport, vor allem in der Leichtathletik, geliefert. Entscheidende Kronzeugen in der Dokumentation waren Julia Stepanowa, derzeit wegen Dopings gesperrte 800-m-Läuferin, und ihr Mann Witali Stepanow, zwischen 2008 und 2011 Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA.

Zudem hatte Lilia Schobuchowa, jahrelang eine der weltbesten Marathonläuferinnen und derzeit ebenfalls wegen Dopings gesperrt, vor laufender Kamera erklärt, dass sie sich durch eine Zahlung von umgerechnet 450.000 Euro ihren Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London erkauft hat.

Zu diesem Zeitpunkt sollen dem russischen Verband bereits ihre extrem auffälligen Blutwerte der Jahre 2009 bis 2011 vorgelegen haben, die der Weltverband IAAF als Dopingverstoß gewertet, aber nicht geahndet haben soll.

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