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Die NADA ist die deutsche Instanz in der Doping-Bekämpfung
Julija Stepanowa fordert hartes Durchgreifen gegen den russischen Verband © getty

Die gesperrte 800-m-Läuferin und Doping-Kronzeugin Julija Stepanowa hat drakonische Maßnahmen gegen Russlands Leichtathletik-Verband gefordert.

"Wenn man wirklich das Ziel hat, Doping zu bekämpfen, muss man Funktionäre und Trainer nicht für zwei oder vier Jahre sperren, sondern lebenslang", sagte die 28-Jährige im Interview mit der "FAZ".

Um ein dopingfreies System in Russland aufzubauen, "sollte der gesamte Verband für zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden."

Stepanowa, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Witali Stepanow, einem Ex-Dopingkontrolleur, in einer Dokumentation der "ARD" über Dopingpraktiken in ihrem Heimatland ausgepackt hatte, hält das gesamt russischen Sportsystem für verdorben.

"Das Ziel unseres Staates ist es zu beweisen, dass Russland größer und besser ist als jedes andere Land auf der Welt", sagte Stepanowa: "Präsidium, Ministerium, Anti-Doping-Agentur: Alle wissen, dass das oberste Ziel ist, Medaillen zu gewinnen. Wenn sie die Ergebnisse von Olympia in London und der Leichtathletik-WM in Moskau sehen, dann wissen sie, dass das System funktioniert."

Ihr Mann wies im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erneut auf die Normalität von Dopingkonsum in Russland hin.

Mit Blick auf die unerlaubten Einnahmen seiner Frau sagte Stepanow: "Es war schlimm, wir wussten, dass es nicht richtig war. Aber es war auch für alle ganz normal. Es lief nicht unter Doping, sondern unter Spezialvorbereitung."

An der Reaktion des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA auf ihre Enthüllungen übte Stepanowa scharfe Kritik: "Wir hoffen, dass sich nun jemand von der IAAF und der WADA bei uns meldet, um das gesamte Material anzusehen. Was ermitteln sie bloß? Uns hat noch niemand gebeten, ihnen Aufnahmen zur Verfügung zu stellen." Die WADA nannte sie einen "zahnlosen Tiger".

Stepanowa stellte weitere Enthüllungen in Aussicht: "Der Verband will uns verklagen. Aber wir haben Beweise. Viel mehr als das deutsche Fernsehen zeigen konnte. Man kann ja nicht 60 Minuten ununterbrochen Beweise zeigen."

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