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Die Flagge des Leichtathletik-Weltverband IAAF und der USA in Eugene
Die Leichtathletik-WM 2021 findet in Eugene statt © Getty Images

Nach der erstmaligen Vergabe der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in die USA regt sich Kritik am Vorgehen des Weltverbandes IAAF.

"Ich muss sagen, ich bin sehr überrascht", sagte Svein Arne Hansen, Präsident des europäischen Verbandes EAA.

Der umstrittene IAAF-Boss Lamine Diack hatte zuvor bekannt gegeben, dass die Titelkämpfe 2021 in Eugene ausgetragen werden - ohne offizielles Bewerbungsverfahren.

"So eine Entscheidung wäre in der europäischen Leichtathletik nicht möglich", sagte Hansen, "da wir ein umfassendes Ausschreibungsverfahren haben, dem sich alle Kandidaten unterwerfen müssen."

Hinter der Entscheidung für Eugene vermuten Kritiker kommerzielle Gründe. Der US-Sportartikel-Gigant Nike hat in Eugene seinen Hauptsitz.

"Die IAAF hat eine klare Entscheidung getroffen. Wir ziehen daraus Vorteile, die es vielleicht nie wieder so geben wird", sagte Diack nach einer IAAF-Council-Sitzung in Peking: "Wir haben die Chance, auf einen wichtigen Markt zuzugreifen. Das ist eine Entscheidung im Interesse der weltweiten Entwicklung unseres Sports."

Erst im November war Eugene mit seiner Bewerbung um die Weltmeisterschaften 2019 gescheitert. Damals hatte sich Doha/Katar durchgesetzt, auch diese Wahl war umstritten gewesen. Gegen Eugene hatte gesprochen, dass die Kleinstadt im Bundesstaat Oregon zwar ein begeisterungsfähiges Fachpublikum bieten kann, aber keine taugliche Wettkampfstätte: Das Hayward Field fasst derzeit 10.500 Zuschauer, die IAAF-Vorgabe von 30.000 Sitzplätzen sollte damaligen Plänen zur Folge bis zur WM knapp erfüllt werden.

Die ebenso frühe wie unangekündigte Entscheidung für Eugene könnte nun auch deshalb getroffen worden sein, um dem Ausrichter genügend Zeit für die Schaffung organisatorischer Standards zu geben.

"Die IAAF hat eine klare Entscheidung getroffen. Wir ziehen daraus Vorteile, die es vielleicht nie wieder so geben wird", sagte Diack nach der Council-Sitzung in Peking: "Wir haben die Chance, auf einen wichtigen Markt zuzugreifen. Das ist eine Entscheidung im Interesse der weltweiten Entwicklung unseres Sports."

Besonders in Göteborg reagierte man "zutiefst enttäuscht und verärgert". Die WM ohne richtige Ausschreibung zu vergeben, sei ein "Verstoß gegen alle Fair-Play-Kriterien, die alle Aspekte unseres Sports regieren sollten. Diese heimliche Entscheidung kann in keiner Weise im Interesse der Leichtathletik sein", sagte Björn Eriksson, Präsident des schwedischen Verbandes.

2015 findet die WM in Peking statt (22. bis 30. August), 2017 ist London Ausrichter, 2019 Doha. Die einzige US-Bewerbung vor Eugene war mit Palo Alto 2001 gescheitert.

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