vergrößernverkleinern
Julia Fischer
Julia Fischer stellte ihre Bestweite von 66,46 im Mai 2014 in Wiesbaden auf © Getty Images

Nürnberg - Dem Diskus-Riesen fällt das Zuschauen schwer - trotz DM-Titel seines Bruders und seiner Freundin. Die wetteifert unromantisch. Das Zittern um Robert Harting geht weiter.

Robert Harting zitterte. Er feuerte an. Und er jubelte - fast wie in alten Tagen.

Der Diskus-Star musste sich bei den Deutschen Meisterschaften mit einer ungewohnten Rolle anfreunden: Zum Zuschauen verdammt, war Harting der größte Fan von Freundin Julia Fischer und seinem kleinen Bruder Christoph.

"Ich bin der schlechteste Zuschauer, den es gibt, da bin ich total in Ekstase. Es ist echt schwer, Fan zu sein", sagte Harting der Bild. Während der Start des Berliners bei den Weltmeisterschaften in Peking (22. bis 30. August) weiter offen ist, hat sich seine Lebensgefährtin Fischer mit ihrem ersten nationalen Titel wohl das Ticket für China gesichert.

Der Bruder rettet die Familienehre

Wie sehr Harting auf der Tribüne mitgelitten und mitgefiebert hatte, bekam Fischer dabei gar nicht richtig mit. "Im Wettkampf ist kein Platz für Herzchen und Liebe", sagte die 25 Jahre alte Blondine.

Mit Saisonbestleistung von 65,98 m setzte sie sich vor der früheren Vizeweltmeisterin Nadine Müller (Leipzig/65,72) und Titelverteidigerin Shanice Craft (Mannheim/64,79) durch.

Auch bei seinem Bruder wirkte Hartings Daumendrücken: Christoph verteidigte die Familienehre und wurde mit 64,06 m Nachfolger seines Bruders. Damit hört der deutsche Meister im Diskuswerfen seit 2007 auf den Namen Harting.

Körper und Geist sind eins

Während Freundin Fischer im Innenraum jubelte, blendete die Stadionregie einen sichtlich stolzen Harting auf der Videoleinwand ein. "Wir sind nicht nur ein Paar, wir sind auch ein Team", sagte Fischer.

Offenbar profitiert sie immer mehr vom gemeinsamen Training mit dem Olympiasieger und dreimaligen Weltmeister: "Dieses Jahr war bei mir Körper und Geist endlich mal eins. Das ist ganz, ganz wichtig." Zudem hat sie angefangen, mit einem Sportpsychologen zusammenzuarbeiten.

Ob das Diskus-Pärchen im "Vogelnest" gemeinsam auf Weitenjagd geht, entscheidet sich wohl erst kurzfristig. Er müsse sich weiter in Geduld üben, sagte Harting, der nach einem Riss des vorderen Kreuzbandes und des Innenbandes im linken Knie für sein Comeback schuftet.

Alles für den Traum von Rio

Nach einem Testwettkampf gegen seinen Bruder Christoph in Kienbaum will Harting dann am 11. August seine Entscheidung bekannt geben.

"Ich schreibe Peking noch nicht ab", hatte er zuletzt gesagt. Für seinen Traum vom Olympiasieg in Rio 2016 wolle er aber kein Risiko eingehen.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband macht seinem einzigen Star bei der Frage der Teilnahme keinerlei Druck. "Ich habe in Robert und seinen Trainer ein hohes Vertrauen, dass sie die richtige Entscheidung treffen werden", sagte Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Eine Prognose sei "kaum möglich", sagte Gonschinska: "Da entscheidet jede Woche." Das Zittern um Harting geht weiter.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel