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Keine Faxen, keine Mätzchen: Usain Bolt zieht nicht mehr die ganz große Show ab. Lieber bereitet er sich sorgfältig auf das nächste Duell mit Justin Gatlin über 200 m vor.

Usain Bolt starrte ins Leere. Der Superstar wirkte nach seinem nächsten Triumph seltsam abgekämpft und müde. "Ich werde älter", sagte der 29-Jährige.

Supermann braucht für seine Heldentaten wie beim Sieg über Justin Gatlin plötzlich mehr Schlaf und Ruhe. "Ich muss jetzt richtig früh ins Bett, um mich zu erholen", sagte "Bett-Man" Bolt, der diesmal seinen flotten Füßen keine flotten Sprüche folgen ließ: "Ich ernähre mich sogar gesünder, esse Gemüse und so."

Die ganz große Show nach seinem ersten von drei angepeilten Gold-Läufen in Peking blieb aus. Bolt wirkte nach seinem neunten WM-Gold sogar seltsam uninspiriert und spulte die übrigen Plattitüden ab.

"Ich will der beste Athlet der Geschichte werden", sagte er. Und zum nächsten Final-Showdown mit Gatlin über die 200 m am Donnerstag: "Ich bin noch nicht am Ende, es geht weiter." Was sind seine Ziele für die weiteren Auftritte im "Vogelnest": "Ich will so viele Titel wie möglich gewinnen."

Sieg über den "Bösewicht"

Titel (neunmal WM-Gold, sechs Olympiasiege) hat Bolt eigentlich schon mehr als genug - und nach seinem Sieg über den überführten Doper Gatlin ist er nun auch quasi offiziell der Retter der Leichtathletik. "Der König besiegt den Bösewicht", schrieb die spanische Zeitung Sport.

Doch davon wollte Bolt nichts wissen. "Das ist nur eine Geschichte für euch", sagte der Jamaikaner den Reportern - und auf Nachfrage: "Ich habe der Welt gezeigt, dass es möglich ist, sauber schnell zu laufen."

Doch nicht nur IOC-Präsident Thomas Bach freute sich, dass Bolt Gatlins Attacke über 100 m mit 9,79 zu 9,80 Sekunden abgewehrt hatte. "Herzlichen Glückwunsch an Usain Bolt für einen historischen Sieg", sagte Bach: "Es war toll, ihn im Vogelnest wieder gewinnen zu sehen."

Gatlin mit kurioser Pressekonferenz

Bad Boy Gatlin als Weltmeister? Das wäre der Öffentlichkeit in der jüngsten Doping-Krise der Leichtathletik überhaupt nicht zu vermitteln gewesen.

Dass weiß natürlich auch Gatlin, der entsprechend genervt auf das Thema reagierte. Auf die Frage, ob Bolt für den sauberen Sport gewonnen habe, sagte der schon zweimal gesperrte 33-Jährige: "Ich bin dankbar für diese Frage."

Auf die Nachfrage, ob er seine Antwort etwas konkretisieren könne, meinte Gatlin: "Ich bin ganz konkret dankbar." Der Reporter hakte noch einmal nach: "Ich hätte gerne eine Antwort, die Frage ist wichtig." Doch Gatlin blieb stur und sorgte für Kopfschütteln: "Sehr wichtig, ja. Ich bin dankbar."

Nächstes Duell über 200 m

Ab Dienstag geht das Privat-Duell zwischen Bolt und Gatlin mit den Vorläufen über 200 m in die nächste Runde.

Die Rivalen der Rennbahn werden auch diesen Titel wohl unter sich ausmachen. "Ich drücke jetzt den Reset-Knopf", sagte Gatlin, mit 19, 57 Sekunden der bisher Schnellste in diesem Jahr.

Am Montag legte Bolt die Füße hoch, damit er auch diesen Titel verteidigen kann. Nur zur Siegerehrung musste er nochmal ins "Nest", und dort leistete er sich wieder eine Extravaganz, als er sich vor dem Sprung aufs Podest selbst filmte. 

"Mein Ziel ist es, bis zu meinem Karriereende die Nummer eins zu bleiben", sagte er: "Noch gibt es nichts zu feiern." Das Lotterleben des ehemaligen Partylöwen ist wohl vorbei.

2012 hatte Bolt zwischen seinen Olympiasiegen über 100 m und 200 m noch mit drei Schwedinnen auf seinem Zimmer die Puppen tanzen lassen. Vergessen. "Ich werde älter", sagte Bolt. 

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