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Sensationsgold für Katharina Molitor. Die Speerwerferin steigert sich mit ihrem letzten Versuch auf 67,69 Meter. Christina Obergföll verpasst Edelmetall als Vierte.

Nach ihrem sensationellen Gold-Wurf fiel Katharina Molitor erst ihrer Vorgängerin Christina Obergföll um den Hals, dann schnappte sich die Überraschungs-Weltmeisterin eine Deutschland-Fahne und posierte stolz für die Fotografen. Und immer wieder schüttelte sie ungläubig mit dem Kopf. "Gold? Daran hätte ich nie gedacht. Das ist unglaublich, unbeschreiblich", sagte Molitor.

Speerwurf-Gold hatten ihr vor der Leichtathletik-WM in Peking nur die allerwenigsten zugetraut. Im letzten Versuch bewies die deutsche Meisterin Nervenstärke und verdrängte mit persönlicher Bestleistung und Jahres-Weltbestweite von 67,69 m Lyu Huihui aus China (66,13) noch auf den Silberrang. "Ich wusste, dass ich noch kontern kann", sagte Molitor.

Freude bei der Kollegin

Bronze gewann Sunette Viljoen (65,79/Südafrika). 14 Monate nach der Geburt ihres Sohnes Marlon wurde Titelverteidigerin Christina Obergföll (64,61/Offenburg) Vierte. Und auch sie war zufrieden. "Ich habe das Maximum rausgeholt", sagte Obergföll, die Molitors Coup ebenfalls begeisterte: "Ich bin froh, dass wir das Ding mit nach Hause nehmen, das ist der Hammer."

Mit 31 Jahren krönte Molitor endlich ihre Karriere und trat aus dem Schatten von Obergföll heraus. Die Lehramtsstudentin (Geografie und Sport) war schon oft bei großen Meisterschaften dabei - doch für einen Wurf auf das Treppchen hatte es nie ganz gereicht. Bei der EM 2010 war sie dicht dran, musste sich dann aber doch mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben.

Stahl scheitert früh

Jetzt steht Molitor plötzlich ganz oben - dabei wollte sie nur "unter die Top Acht kommen". Molitor, die im Winter in der 2. Bundesliga noch Volleyball spielt, sorgte für die achte Medaille des deutschen Teams und polierte die ordentliche Bilanz damit weiter auf.

U23-Europameisterin Christin Hussong (62,98/Zweibrücken) wurde Sechste. Olympiasiegerin Barbora Spotakova (Tschechien) erlebte als Neunte mit nur 60,08 m ein Debakel. Die ehemalige Europameisterin Linda Stahl (59,88/Leverkusen) kam nicht über Rang zehn hinaus.

Es war kein sonderlich hochklassiger Wettkampf, aber ein ungemein spannender. Schließlich hatte Molitor schon nach dem dritten Versuch auf Goldkurs gelegen, wurde aber zwischenzeitlich von Lyu und Sunette Viljoen auf Rang drei verdrängt. Molitor blieb am Ende trotz des Hexenkessels aber völlig cool und brachte das "Vogelnest" im alles entscheidenden Moment zum Schweigen.

Obergföll freut sich über Schlaf

Obergföll hatte sich schweren Herzens erst kurz vor Peking dazu entschlossen, Sohn Marlon zu Hause bei den Großeltern zu lassen und nach China zu reisen. Nach anfänglichen Problemen zu Saisonbeginn kam sie wieder besser in Form und konnte in Peking sogar richtig ausgeruht werfen. Ohne Marlon, sagte sie mit einem Lachen vor dem Wettkampf, könne sie in Peking "mal richtig ausschlafen, das genieße ich im Moment".

Doch für ganz vorne reichte es zwei Jahre nach ihrem Gold-Coup von Moskau noch nicht. In Peking hatte diesmal Molitor ihren ganz großen Moment.

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