vergrößernverkleinern
Robert Harting gewann 2012 in London Olympia-Gold
Robert Harting gewann 2012 in London Olympia-Gold © Getty Images

Robert Harting erneuert seine Kritik am Weltverband, aber "nicht alle sind schmierig". An Coe oder Bubka hegt er Zweifel. DLV-Präsident Prokop rechtfertigt sich.

Wenn Robert Harting in diesen Tagen über die Leichtathletik spricht, legt der Diskus-Star die Stirn in Falten.

"Als absolut lethargisch", bezeichnete der Berliner den Zustand seines Sports nach den jüngsten Dopingenthüllungen: "Die Leichtathletik ist in einer sehr misslichen Lage, deshalb muss auch etwas getan werden."

Harting ist bei der nächste Woche beginnenden WM in Peking (22. bis 30. August) nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder dabei, seinen Titel kann er nicht verteidigen - und doch steckt der Olympiasieger in der Diskussion um die Zukunft der Leichtathletik mittendrin.

Er ist enttäuscht vom Weltverband IAAF, weil der nicht genug im Kampf gegen Doping-Betrüger unternimmt, und auch ein bisschen frustriert, weil es in der Öffentlichkeit so rüberkommt, als ob alle Athleten "in diesem Topf mitschwimmen. Das ist nicht so, die Athleten regt das auch auf."

Treffen mit Weltverband möglich

Sebastian Coe (l.) und Sergey Bubka (r.) kämpfen um das Präsidentenamt der IAAF
Sebastian Coe (l.) und Sergey Bubka (r.) kämpfen um das Präsidentenamt der IAAF © Getty Images

Die vom Weltverband ausgesprochenen Einladung, zusammen über das Thema Anti-Doping-Kampf zu diskutieren, steht Harting offen gegenüber."Ich bin da schon bereit zu. Das zeigt ja, dass die IAAF gute Geister hat, die sind nicht alle schmierig", sagte der dreimalige Weltmeister: "Aber leider entscheiden diese guten Geister nicht. Und das muss man wieder hinkriegen."

Dass sich die Kultur im Verband nach den Wahlen eines Nachfolgers für den scheidenden Präsidenten Lamine Diack unter Sebastian Coe oder Sergej Bubka grundlegendend ändert, erwartet Harting nicht.

"Was ich mir nicht vorstellen kann ist, dass beide Vizepräsidenten über Sachen wie Korruptionszahlungen oder Doping-Proben-Freikäufe nie Bescheid gewusst haben. Das kann unmöglich an einem Vizepräsidenten vorbeigegangen sein", sagte Harting: "Ich weiß aber auch, dass man zumindest den Anschein hegen muss gleichartig zu sein, um in die Position zu kommen, um Dinge zu verändern."

"Entscheidungen werden im VIP-Zelt getroffen"

In einem Youtube-Video machten Harting und seine Mitstreiter um Freundin Julia Fischer zuletzt ihrem Unmut auf die Funktionäre der IAAF Luft: "Die Offensive ist notwendig, weil die entsprechenden Leute uns nicht ordentlich repräsentieren. Es ist ja offensichtlich, dass die ganzen politischen Entscheidungen aus dem VIP-Zelt getroffen werden."

"Mit der viralen Kampagne haben wir der IAAF das Vertrauen als Athleten entzogen. Nun ist es an der IAAF, zu reagieren, ob sie möchte, dass wir ihr wieder vertrauen und was sie dafür tut. Nichts ist schlimmer als seine eigene Existenz in Form der Athleten zu verlieren - glauben wir", sagte Harting.

Prokop wehrt sich gegen Harting-Vorwürfe

Auch von seinem eigenen DLV-Präsident Clemens Prokop zeigte sich Harting enttäuscht. Prokop habe sich womöglich aus wahltaktischen Gründen in der jüngsten Doping-Affäre viel zu zurückhaltend gezeigt.

Ein Urteil, dass der Jurist nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Wenn Dopingvorwürfe erhoben werden, aber unstreitig noch keine endgültigen Nachweise vorliegen, geht es zunächst nicht um einen Wettkampf der Rhetorik, sondern um Aufklärung. Ich kann auf der Basis von Verdachtsmomenten und Spekulationen keine abschließenden Bewertungen treffen - das wäre in Bezug auf alle Beteiligten verantwortungslos. Gerade der Fall Pechstein zeigt, dass man mit der Beurteilung von auffälligen Blutwerten zurückhaltend sein muss", sagte Prokop.

Und: "Sollten die geforderten Untersuchungen Versäumnisse und Defizite ergeben, werden wir bei der IAAF mit allem Nachdruck Konsequenzen einfordern."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel