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Regen bei Olympia 2012 in London
Bei den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Spiele 2012 soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein © Getty Images

London und München - Schwere Vorwürfe rund um Olympia 2012: Unter den russischen Athleten, die mit Schmiergeld Dopingsperren verhindert haben sollen, soll auch ein Olympiasieger sein.

Die Geschichte der Olympischen Spiele 2012 in London muss am Montag voraussichtlich zumindest in Teilen umgeschrieben werden: Nach Informationen der Sunday Times befinden sich auf der Liste der acht russischen Athleten, die durch Schmiergeldzahlungen an führende Köpfe des Weltverbandes IAAF Dopingsperren verhindert haben sollen, ein Gold- sowie ein Silbermedaillengewinner der Leichtathletik-Wettbewerbe.

Der ehemalige IAAF-Präsident Lamine Diack und Gabriel Dolle, der ehemalige Anti-Doping-Direktor der IAAF, sollen insgesamt 1,2 Millionen Euro kassiert haben, damit des Dopings überführte Athleten weiter an Wettbewerben teilnehmen konnten. Gegen die beiden Funktionäre laufen inzwischen Ermittlungsverfahren durch französische Justizbehörden.

IAAF-Präsident Coe: "Das ist widerlich"

Einen Tag vor dem Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) am Montag äußerte sich nach langem Schweigen auch erstmals IAAF-Präsident zu der Korruptions-Affäre. "Dass Leute in unserem Sport angeblich Geld von überführten Dopingsündern erpresst haben, ist widerlich", wird Coe in einem Statement an englische Medien zitiert.

Allerdings stellte Coe auch klar, dass es ein Beweis für das Funktionieren des von IAAF und WADA installierten Systems sei, dass "sie nicht in der Lage gewesen sind, die Doping-Ergebnisse zu vertuschen". Trotzdem hätte es Schwachstellen gegeben, die "vielleicht Erpressungen, wie unerfolgreich diese auch waren, möglich gemacht haben".

Diese Schwachstellen sollen nun geschlossen werden. "Wir werden die Anhörungen aus den Händen der Mitgliedsverbände nehmen", kündigte Coe an.

Unregelmäßigkeiten im Blutpass der Athleten

Bei den betreffenden Athleten sollen im Jahr vor Olympia bei Kontrollen Unregelmäßigkeiten im sogenannten Blutpass aufgetaucht sein, die Rückschlüsse auf den Gebrauch von Epo oder auf illegales Blutdoping gaben und zu Sperren hätten führen müssen. Stattdessen soll Diacks persönlicher Anwalt Habib Cisse, gegen den ebenfalls ein Verfahren läuft, einen Deal mit Mitgliedern des russischen Verbandes eingefädelt haben.

Am Montag wird die unabhängige Untersuchungskommission der WADA ihren Bericht in der Korruptions-Affäre um Diack und russische Verbandsfunktionäre in Genf vorstellen. Die Kommission der WADA wurde im Januar zur Untersuchung der Doping-Beschuldigungen gegen die russische Leichtathletik gegründet.

An der Spitze der Untersuchungskommission steht der ehemalige WADA-Chef Richard "Dick" Pound aus Kanada. Er wird unterstützt von Günter Younger (München) und seinem Landsmann Richard McLaren.

Insgesamt hatten russische Leichtathleten in London 19 Medaillen gewonnen: achtmal Gold, fünfmal Silber und sechsmal Bronze.

Die russischen Medaillengewinner der Leichtathletik-Wettbewerbe in London 2012 im Überblick:

Gold

Sergei Kirdjapkin (50 km Gehen, Männer), Iwan Uchow (Hochsprung, Männer), Marija Sawinowa (800 m, Frauen), Jelena Laschmanowa (20 km Gehen, Frauen), Natalja Antjuch (400 m Hürden), Julija Saripowa (3000 m Hindernis, Frauen), Anna Tschitscherowa (Hochsprung, Frauen), Tatjana Lyssenko (Hammerwurf, Frauen)

Silber

Olga Kaniskina (20 km Gehen, Frauen), Jelena Sokolowa (Weitsprung, Frauen), Jewgenija Kolodko (Kugelstoßen, Frauen), Darja Pischtschalnikowa (Diskuswurf, Frauen), Staffel (4x400 m, Frauen)

Bronze

Jekaterina Poistogowa (800 m, Frauen), Tatjana Tomaschowa (1500 m, Frauen), Tatjana Petrowa (Marathon, Frauen), Swetlana Schkolina (Hochsprung, Frauen), Jelena Issinbajewa (Stabhochsprung, Frauen), Tatjana Tschernowa (Siebenkampf, Frauen)

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