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IOC-Präsident Thomas Bach und Wladimir Putin bei den Olympischen Spielen 2012 in Sotschi © SPORT1

Nach den Manipulationen von russischen Leichtathleten muss der IOC-Präsident darauf drängen, dass die olympische Kernsportart bereinigt wird. Denn Russland ist nur der Anfang.

Gigantisch ist wohl ein treffendes Wort, um das Ausmaß des Skandals in der Leichtathletik zu umschreiben.

Wenn Richard McLaren, Mitglied der WADA-Kommission, davon spricht, dass man es mit einer ganz anderen Dimension an Korruption als bei der FIFA zu tun hat, spricht das Bände.

Die Fußballfunktionäre spielten bei der Vergabe von Turnieren und dem Geschacher um Übertragungsrechte und Ticketkontingente nach ihren ganz eigenen Regeln, um sich zu bereichern. Doch immerhin blieb das Spiel als solches unangetastet - nach jetzigem Stand.

In der Leichtathletik dagegen wurde nachweislich massiv in den Wettbewerb eingegriffen. Positive Dopingproben vertuscht, Sportler erpresst, Betrug kultiviert und professionalisiert.

Gefragt sind nun der neue IAAF-Boss Sebastian Coe - und IOC-Präsident Thomas Bach.

Folgen Coe und der Leichtathletik-Weltverband nicht der Empfehlung der WADA, die Russen unter anderem von Olympia 2016 auszusperren, geht das letzte bisschen Glaubwürdigkeit verloren. Denn dass sich dieses offensichtlich mafiös organisierte System selbstständig erneuert, ist kaum vorstellbar.

Gerade Bach in seiner Funktion als oberster Sportfunktionär muss darauf drängen, dass Coe die olympische Kernsportart von Grund auf bereinigt.

Zweifel an dessen Willen daran sind zumindest erlaubt. Bislang hat sich der Brite, der erst seit Wochen als Nachfolger des skandalumtosten Lamine Diack im Amt ist, jedenfalls nicht als Vorreiter in Sachen Aufklärung präsentiert.

Als die Affäre ans Licht kam, sprach er noch von einer "Kriegserklärung" an die Sportart und kritisierte die Medien, die mit ihren Recherchen den Stein ins Rollen gebracht hatten. Nun ist die Faktenlage so klar, dass niemand mehr die Augen verschließen kann.

Russland ist schließlich nur der Anfang, genauso wie sich das Problem nicht auf die Leichtathletik beschränkt.

Das alleine lässt schon die anzunehmende tiefe Verwicklung von Russlands Sportminister Witali Mutko erahnen, vom Geheimdienst FSB mal ganz zu schweigen. 

Der Mann war schließlich auch maßgeblich an der Organisation der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi beteiligt und ist es aktuell bei der Planung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018.

Ganz nebenbei sitzt er in der FIFA-Exekutive.

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