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Dem ehemaligen  IAAF Präsidenten Lamine Diack wird Korruption vorgeworfen
Lamine Diack war bei der IAAF der Vorgänger von Sebastian Coe © Getty Images

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wird erneut in seinen Grundfesten erschüttert.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP und weitere französische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Gerichtskreise berichteten, wurde der ehemalige IAAF-Präsident Lamine Diack am Montag von den französischen Justizbehören in Paris wegen Korruption angeklagt. Wie die IAAF zudem am Mittwoch bekannt gab, wurde ihre Zentrale in Monaco am Dienstag von französischen Ermittlern durchsucht.

Dem 82-jährigen Senegalesen Diack wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Er soll während seiner Amtszeit Dopingfälle vertuscht haben. Diacks Anwalt Habib Cisse wurde ebenfalls angeklagt, zudem wurde ein inhaftierter IAAF-Mediziner zu den Vorgängen befragt. Diack und Habib wurden auf Kaution freigelassen.

"Das ist ein Hammer. Ich hoffe, dass dadurch Klarheit in die Sache kommt. Falls ein Sumpf bestanden haben sollte, dann könnte er dadurch trocken gelegt werden. Staatliche Stellen haben bessere Ermittlungsmethoden", sagte Clemens Prokop, Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Am Dienstag erhielt die IAAF-Zentrale im Fürstentum Monaco unangemeldeten Besuch. Polizisten beschlagnahmten zahlreiche Dokumente. Die IAAF erklärte, sie wolle mit den Behörden kooperieren. Die Untersuchungen stehen im Zusammenhang mit den Ermittlungen der im Januar 2015 installierten unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Das Gremium war nach den Enthüllungen in der ARD und der Sunday Times über ein staatliches Dopingsystem in Russland eingerichtet worden. Dies war ein Novum in der WADA-Geschichte. Als Vorsitzender der Kommission fungiert der ehemalige WADA-Chef Richard "Dick" Pound.

Lamine Diack hatte die Führung auf dem IAAF-Kongress im August in Peking nach 16 Jahren an den Briten Sebastian Coe abgegeben. Der Afrikaner war in seiner Amtszeit stets umstritten. Er führte den Verband nach Gutsherrenart, schaffte undurchsichtige Strukturen und saß jede Kritik, jede Krise selbstgefällig aus.

Unter Diacks Ägide gab der Weltverband am Ende wegen Dopingskandalen, Korruptionsvorwürfen und ominösen WM-Vergaben ein wenig erfreuliches Bild ab. Diack hatte das Amt 1999 vom Italiener Primo Nebiolo übernommen.

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