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Lamine Diack
Der ehemalige IAAF-Präsident Lamine Diack steht unter Korruptionsverdacht. © Getty Images

Die unabhängige Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wird ihren Bericht in der Korruptions-Affäre um den ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, und russische Verbandsfunktionäre am Montag in Genf vorstellen.

Richard Pound, frührer WADA-Chef, wird als Vorsitzender der Kommission den Bericht ("Streng geheimes Doping - wie Russland seine Sieger macht") erläutern.

Angebliche Details des Reports sickerten am Donnerstag bereits in französischen Medien durch und berichten von skandalösen Vorfällen mit korrupten Funktionären in Russland und der IAAF, die von positiv getesteten Sportlern große Summen erpresst haben.

Demnach könnte der WADA-Bericht viel Sprengstoff beinhalten und der Leichtathletik riesigen Schaden zufügen.

Der Kanadier Pound wird unterstützt von seinen Kollegen Günter Younger (München) und von seinem Landsmann Richard McLaren. Die Kommission der WADA wurde im Januar zur Untersuchung der Doping-Beschuldigungen gegen die russische Leichtathletik gegründet.

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt hatte mit seiner preisgekrönten Doku "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" die Affäre aufgedeckt.

Dem Vernehmen nach wurden die Audio- und Video-Bänder mit geheim mitgeschnittenen Gesprächen von Kronzeugin Julia Stepanowa und deren Mann Witali Stepanow mit Athleten, Trainern und Offiziellen als Beweise zugelassen. Dies wäre bahnbrechend.

Die französische Internet-Zeitung Mediapart berichtete am Donnerstag mit Bezug auf den noch nicht veröffentlichten WADA-Bericht, dass sechs russische Athleten - darunter die Top-Marathonläuferin Lilja Schobuchowa - im Zentrum der Affäre stünden.

Alle seien Ziele der Erpressung durch russische Funktionäre gewesen. So habe der russische Verbandstrainer Alexej Melnikow, dem aufgrund seiner Dopingpraktiken eine lebenslange Sperre droht, von Schobuchowa rund 500.000 Euro erhalten, damit ihre Sperre verkürzt werde. Melnikow soll allerdings nur als Mittelsmann fungiert haben.

Wie am Mittwoch bekannt geworden war, haben französische Justizbehörden als Folge der WADA-Ermittlungen gegen Diack in Paris ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption eingeleitet.

Dem 82-jährigen Senegalesen wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Diack soll während seiner Amtszeit russische Dopingfälle vertuscht und dafür eine sechsstellige Summe erhalten haben.

Mediapart berichtete, dass im WADA-Bericht auch Diacks Söhne Pape Massata Diack und Khalil Diack der Erpressung beschuldigt werden. Sie sollen demnach 500.000 Dollar von der türkischen 1500-m-Läuferin Asli Cakir Alptekin verlangt haben, um ihr Dopingvergehen zu vertuschen. Die Olympiasiegerin von London soll abgelehnt haben, mittlerweile ist sie für acht Jahre gesperrt und hat ihr Olympia-Gold verloren. Die Diack-Familie habe derweil eine Firma in Singapur für die Geldtransfers unterhalten.

Auch gegen Diacks Anwalt Habib Cisse wurde ein Verfahren eingeleitet. Zudem wurde Gabriel Dolle, der ehemalige Anti-Doping-Direktor der IAAF, in Nizza inhaftiert. Ebenso wie Diack und Cisse wurde er später auf Kaution freigelassen. 

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