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Nick Davies legt sein Amt vorerst nieder
Nick Davies steht unter dem Verdacht der Verschleierung © Getty Images

Im Dopingskandal in der internationalen Leichtathletik kommen neue Vorwürfe gegen den Weltverband IAAF ans Licht.

Einer von der französischen Tageszeitung Le Monde und der BBC veröffentlichten E-Mail zufolge hat der ehemalige Pressechef Nick Davies offenbar versucht, im Vorfeld der WM 2013 in Moskau die Ausmaße des Dopingproblems in Russland zu verschleiern.

So soll der inzwischen zum Büroleiter des IAAF-Präsidenten Sebastian Coe aufgestiegene Brite vorgeschlagen haben, die Veröffentlichung der Namen russischer Dopingsünder bis nach den Titelkämpfen zu verschieben und nur gemeinsam mit den Namen von Athleten aus anderen Ländern zu nennen. 

Nach übereinstimmenden Medienberichten zog Davies am Dienstagabend die Konsequenzen und lässt sein Amt vorerst ruhen. Ein offizielles Statement gab es dazu zunächst nicht.

Zuvor hatte er jegliches Fehlverhalten bestritten. In den vier Monaten nach der WM 2013 gab die IAAF Sanktionen gegen 16 russische Athleten bekannt.

"Wenn die Schuldigen nicht starten, dann können wir auch warten, bis die Wettbewerbe zu Ende sind und sie dann veröffentlichen", wird Davies 22 Tage vor dem damaligen WM-Auftakt in der E-Mail an Papa Massata Diack, Sohn des unter Korruptionsverdacht stehenden ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack, zitiert: "Oder, wir verkünden ein oder zwei ABER GLEICHZEITIG mit Athleten aus anderen Nationen."

Papa Diack war zu dieser Zeit Marketing-Berater des Verbandes. Er steht wie sein Vater im Verdacht, an der Vertuschung von positiven Dopingproben russischer Athleten beteiligt gewesen zu sein.

In der E-Mail schlug Davies zudem eine "inoffizielle PR-Kampagne" vor, um unliebsame Presseberichte, vor allem der englischen Medien, zu vermeiden. Dabei bringt Davies auch die Beratungs-Agentur CSM ins Spiel. Dort ist Coe Vorstandsvorsitzender.

"Ich denke, wenn wir CSM benutzen, können wir von Sebs politischem Einfluss in Großbritannien profitieren", schrieb Davies: "Es ist in seinem persönlichen Interesse, dass die WM in Moskau ein Erfolg wird - und nicht, dass die Menschen denken, dass Medien aus seinem Heimatland dies zerstören."

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