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Robert Harting übte zuletzt Kritik an der IAAF
Robert Harting machte stets deutlich, wie er die Doping-Problematik in der Leichtathletik sieht © Getty Images

Robert Harting macht führenden deutschen Verbandsmitgliedern Vorwürfe im Doping-Beben um die IAAF. Er fühlt sich von den Enthüllungen bestätigt und will eine Entschuldigung.

Nach den Enthüllungen über Korruption im Leichtathletik-Weltverband IAAF erwartet Diskus-Olympiasieger Robert Harting eine Entschuldigung von führenden deutschen Verbandsfunktionären.

Unter anderem DLV-Präsident Clemens Prokop und Vizepräsidentin Dagmar Freitag hätten "über einige Ecken herum" Einfluss auf ihn nehmen wollen, "wie ich über Lamine Diack geredet habe und und und", sagte der 31-Jährige im Interview mit der Berliner Morgenpost: "Weil das nicht gut für den Deutschen Leichtathletik-Verband sei. Und was jetzt? Jetzt ist Diack schuldig hoch zehn."

Prokop wies die Kritik Hartings zurück.

"Das ist nicht nachvollziehbar. Ich habe nie einen Versuch unternommen, Robert Harting in irgendeiner Art und Weise in seiner Meinungsäußerung zu beeinflussen", sagte Prokop dem SID.

Gegen den ehemaligen IAAF-Präsidenten Diack und weitere Beschuldigte wird in Frankreich wegen Korruption und Geldwäsche ermittelt.

Sie sollen gegen Zahlungen in Millionenhöhe positive Dopingproben russischer Leichtathleten vertuscht haben. Wegen massiver Doping-Verfehlungen wurde der russische Verband ARAF inzwischen aus dem Weltverband ausgeschlossen. Das Anti-Doping-Labor in Moskau verlor seine Akkreditierung, die nationale Anti-Doping-Agentur RUSADA wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA suspendiert.

Den russischen Leichtathleten droht damit das Aus für die Olympischen Spiele in Rio im kommenden Jahr.

Harting begrüßte die Enthüllungen, warnte jedoch auch vor Pauschalisierungen. "Ich freue mich sehr, weil es ein Erfolg ist, was jetzt alles rausgekommen ist", sagte er: "Viele Medien sehen das leider nicht so, sie hacken nun auf der ganzen Sportart herum, was zu einfach ist."

Der Berliner nahm jedoch auch die Zuschauer in die Pflicht. "So widersprüchlich wie sich das jetzt vielleicht anhört: Die IAAF ist nicht allein an der Misere schuld. Letzten Endes tragen auch die Zuschauer Mitverantwortung", betonte er: "Sie wollen sehen, wie einer zum Beispiel eine Radetappe in zwei Stunden gewinnt, die man eigentlich nicht in zwei Stunden schaffen kann. Also wird gedopt."

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