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ATHLETICS-IAAF-CORRUPTION
Sebastian Coe führt die IAAF als Präsident an © Getty Images

London - Das Parlament löchert den IAAF-Präsidenten mit unangenehmen Fragen. Die Leichtathletik befinde sich in einer "Horror-Show". Strafrechtliche Verfolgung lehnt er ab.

Sebastian Coe, dunkler Anzug, hellblaue Krawatte, zog immer wieder die Stirn in Falten.

Zwölf britische Parlamentarier löcherten den neuen IAAF-Präsidenten: Was unternimmt er gegen systematisches Doping in der Leichtathletik? Was wusste er über Korruption unter seinem höchst umstrittenen Vorgänger Lamine Diack? Was unternimmt er für einen sauberen Sport?

Coe, der vor der Anhörung noch gut gelaunt für die Fotografen lächelte, wirkte mit jeder Frage zerknirschter. Doch der gewiefte Taktiker redete sich am Ende stets raus. "Nein", der Leichtathletik-Weltverband sei nicht korrupt, wiegelte Coe kategorisch ab:

"Es gibt schwerwiegende Anschuldigungen, aber die IAAF ist nicht korrupt. Wenn Sie sagen, dass in der IAAF Doping akzeptiert wird, kann ich das nicht akzeptieren."

"Dann gibt es kein Morgen für meinen Sport"

Coe präsentierte sich im Raum "Grimond" vor dem Komitee für Medien, Kultur und Sport im britischen Parlament einmal mehr als der große Retter der Leichtathletik.

"Es wäre falsch zu sagen, wir würden Betrüger nicht verfolgen", sagte Coe und versicherte, auch in seinen acht Jahren als Vize-Präsident unter dem zweifelhaften Diack stets "schwierige Fragen" gestellt zu haben. Doch konkreten Nachfragen wich der 59-Jährige immer wieder aus - stattdessen verlor er sich in Allgemeinplätzen.

"Sind unsere Systeme perfekt? Ich bin sicher, sie sind es nicht. Werden wir sie verbessern? Ja", sagte Coe, der angesichts des grassierenden Dopingskandals in der internationalen Leichtathletik ins Parlament zitiert wurde: "Wenn wir das nicht tun, gibt es kein Morgen für meinen Sport."

Sportliche statt strafrechtliche Sanktionen

Trotz aller Beteuerungen, im Anti-Doping-Kampf endlich durchgreifen zu wollen, sprach sich Coe gegen die strafrechtliche Verfolgung von Dopingsündern aus. Er sei "besorgt", Athleten zu "kriminalisieren", sagte der Brite: "Letztlich denke ich, dass es besser ist, sportliche anstatt strafrechtliche Sanktionen zu haben."

Zuletzt hatte der Bundestag für Deutschland ein Anti-Doping-Gesetz beschlossen. Die neuen Regeln sehen vor, Doper und ihre Hintermänner ab dem 1. Januar 2016 gegebenenfalls mit hohen Haftstrafen zu belangen - von bis zu drei Jahren.

Stattdessen stellte Coe mehr Geld für den Kampf gegen die Betrüger in Aussicht. "Ich möchte einen Sport, dem man wieder trauen kann. Aber die Rückgewinnung von Vertrauen ist ein langer Weg", sagte der Doppel-Olympiasieger über 1500 m. Wenn nötig, werde das jetzige Budget von rund 5,7 Millionen Euro für den Anti-Doping-Kampf verdoppeln.

Coe lehnt Entschuldigung ab

Für seine umstrittene Wortwahl, die Enthüllungen der ARD und der Sunday Times über verdächtige Blutproben seien eine "Kriegserklärung" an den Sport, wollte sich Coe nicht entschuldigen. "Ich bleibe dabei", sagte Coe. Aber: "Ich hätte wahrscheinlich eine andere Sprache wählen sollen." Laut Coe sei die Aussage keine Attacke auf die Medien gewesen.

Staatlich gestütztes Doping in Russland, womöglich weit verbreiteter Betrug und Korruption in Kenia - die Leichtathletik befindet sich in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. Eine "Horror-Show" wie Coe zugab. Und er versuchte Härte zu demonstrieren. Der suspendierte russische Verband kehre erst in die IAAF zurück, wenn er sein System reformiert habe. Er werde "alles dafür geben, die sauberen Athleten zu schützen", sagte Coe.

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