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Wladimir Putin und der ins Zwielicht geratene Ex-IAAF-Präsident Lamine Diack bei der WM 2013
Wladimir Putin (r.) und der ins Zwielicht geratene Ex-IAAF-Präsident Lamine Diack bei der WM 2013 © Getty Images

Die WADA-Kommission stellt den zweiten Teil ihres Untersuchungsberichts vor - und kündigt einen Knalleffekt an. SPORT1 beantwortet vorab die wichtigsten Fragen.

Die Sportwelt wird wohl erneut in ihren Grundfesten erschüttert.

Die unabhängige WADA-Kommission stellt heute in München den zweiten Teil ihres aufsehenerregenden Untersuchungsbericht über den Doping-Sumpf im russischen Sport und die Machenschaften im Leichtathletik-Weltverband IAAF vor.

Der Vorsitzende Richard Pound kündigte im Doping- und Korruptionsskandal in der Leichtathletik einen Knalleffekt an.

Viele Fragen sind zu klären - SPORT1 gibt vorab die wichtigsten Antworten.

WAS IST DIE UNABHÄNGIGE WADA-KOMMISSION?

Die Kommission wurde wenige Tage nach der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" am 16. Dezember 2014 gegründet.

Vorsitzender der Kommission ist der Kanadier Richard Pound, ehemaliger IOC-Vizepräsident und Gründungspräsident der WADA. Zu den Mitgliedern gehört auch der deutsche Polizist Günter Younger.

Nach der zweiten Dokumentation "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" wurde das Mandat der Kommission noch einmal ausgeweitet.  

WORUM GEHT ES?

Hauptsächlich um Details im Korruptionsskandal und um die zweite ARD-Dokumentation. Darin hatten zwei Blutdoping-Experten eine interne Datenbank der IAAF mit über 12.000 Blutwerten untersucht.

Ein Drittel der Medaillen, darunter 55 aus Gold, bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen zwischen 2001 und 2012 sollen von Athleten gewonnen worden sein, deren Proben zumindest verdächtig seien.

Zudem gab es Hinweise auf weitverbreitetes Doping in der Läufernation Kenia.

WER SIND DIE HAUPTBESCHULDIGTEN?

Vor allem eine Gruppe um den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack. Darunter auch dessen Sohn Papa Massata Diack, Anwalt Habib Cisse und der ehemalige IAAF-Schatzmeister und russische Leichtathletik-Präsident Walentin Balachnitschew.

Auch der ehemalige Leiter der Anti-Doping-Abteilung der IAAF, Gabriel Dolle, soll beteiligt gewesen sein.

WAS WIRD IHNEN VORGEWORFEN?

Sie sollen ein Korruptionssystem installiert und versucht haben, gegen Geldzahlungen positive Dopingproben zu vertuschen.

WELCHE ROLLE SPIELT PUTIN?

Spekuliert wird auch über die Rolle des mächtigen russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Erste Gerüchte besagen, Putin soll zumindest von dem Doping-System gewusst haben oder es sogar gedeckt haben. Es steht sogar staatliche Einflussnahme auf das russische Anti-Doping-Labor im Raum.

Der Nachrichtenagentur AP wurden offenbar bereits Teile des Berichts zugespielt. Putin soll mit Diack 2013 einen Deal gemacht haben, um den Start von neun des Dopings verdächtigen russischen Athleten bei der WM in Moskau zu verhindern.

Eine russische Bank habe zudem die ursprünglichen sechs Millionen Dollar für die russischen TV-Rechte nach einem Meeting auf 25 Millionen aufgestockt. Sollte der neue Bericht der WADA dafür Beweise liefern, würde der Kreml und Putin selbst massiv unter Druck geraten.

WELCHE KONSEQUENZEN HATTEN DIE ERMITTLUNGEN BISHER?

Die französische Justiz hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Korruption und Geldwäsche eingeleitet. Papa Massata Diack, Balachnitschew und der ehemalige russische Cheftrainer Alexej Melnikow wurden von der IAAF-Ethikkommission inzwischen lebenslang gesperrt. Dolle für fünf Jahre.

Nach dem ersten Bericht der Kommission, der im November in Genf vorgestellt worden war, wurden Russlands Leichtathleten aus der IAAF ausgeschlossen. Ihnen droht damit das Aus für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Zudem wurde die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA von der WADA suspendiert, dem Moskauer Anti-Doping-Labor die Akkreditierung entzogen.

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