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Michael Schrader kann laut eigener Aussage erst 2017 wieder an Sport denken © Imago

Zehnkämpfer Michael Schrader muss wegen seiner gravierenden Trainingsverletzung nicht nur Olympia abhaken. An ein Karriereende will der 28-Jährige aber nicht denken.

Patellasehne - gerissen. Kreuzbänder - gerissen. Menisken - gerissen. Für Zehnkämpfer Michael Schrader ist die Olympia-Saison nach einer Horror-Verletzung beendet. "Rio ist für mich gelaufen", sagte der 28-Jährige: "An Sport kann ich erst in einem Jahr wieder denken."

Der sechstbeste deutsche Zehnkämpfer der Geschichte hatte sich am Freitag beim Stabhochsprung-Training schwer verletzt. Das Gelenk habe sich bei dem Sturz "komplett verdreht", sagte der Vizeweltmeister von 2013. Statt im Kraftraum Gewichte zu stemmen oder auf der Laufbahn für die Olympischen Spiele in Brasilien zu trainieren, liegt Schrader nun im Krankenhaus Köln-Merheim und wartet auf seine erste Operation.

"Alles gerissen, was reißen kann"

"Im Knie ist alles gerissen, was reißen kann", sagte Schrader, der in seiner Karriere immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Seine Laufbahn will der 28 Jahre alte Sportsoldat aber unbedingt fortsetzen.

"Das ist natürlich extrem bitter, aber da muss ich jetzt durch. Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir", sagte Schrader: "Ich habe mich schon oft genug zurückgekämpft, und das werde ich diesmal auch schaffen."

Auch für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) ist das Olympia-Aus von Schrader ein herber Rückschlag. "Ich war sehr geschockt, als ich von der Verletzung erfahren habe. Er hatte sich gerade einen außergewöhnlich guten Trainingszustand erarbeitet", sagt DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska, der seinen Mehrkämpfer nicht fallen lassen wird: "Wir werden Michael Schrader auf seinem Weg der Genesung die bestmögliche Unterstützung anbieten und geben ihm die notwendige Zeit um sein Leistungsniveau wieder zu erreichen."

Hoffnungen ruhen auf Freimuth

Nachdem Schraders Olympia-Träume jäh geplatzt sind, ruhen die Hoffnungen auf Edelmetall im Zehnkampf in Rio damit auf dem WM-Dritten Rico Freimuth, Schraders bestem Kumpel und Trainingskollegen, sowie auf Kai Kazmirek, der bei der WM in Peking Sechster geworden war.

Schrader gilt als das größte deutsche Zehnkampf-Talent seit Frank Busemann, 2009 hatte er sich als 21-Jähriger sensationell den Sieg im Zehnkampf-Mekka Götzis geholt. Doch danach machte dem Athleten vom SC Hessen Dreieich immer wieder der Körper einen Strich durch die Rechnung.

Schraders Verletzungshistorie ist selbst für einen Zehnkämpfer erschreckend. Von 2009 bis 2014 verpasste er wegen Fuß- oder Knieproblemen drei Europa- und zwei Weltmeisterschaften sowie die Olympischen Spiele 2012. Nur bei der WM 2013 in Moskau war er praktisch schmerzfrei - und holte mit Bestleistung von 8670 Punkten hinter Weltrekordler Ashton Eaton direkt Silber.

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