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Bei Dopingproben rund um das kenianische Team gab es Unregelmäßigkeiten
In drei afrikanischen Ländern weist das Anti-Doping-System offenbar eklatante Mängel auf © Getty Images

Äthiopien und Marokko, Kenia, die Ukraine und Weißrussland geraten innerhalb des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF wegen ihres "entsetzlichen" Anti-Doping-Systems offenbar immer stärker unter Druck. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) liegt ein IAAF-Papier vor, das eklatante Mängel in den Ländern dokumentiert.

Die fünf Verbände waren bei der Council-Sitzung des IAAF am vergangenen Wochenende in Monte Carlo offiziell verwarnt worden. Äthiopien und Marokko müssten "dringend" mehr Dopingkontrollen im Training und bei Wettkämpfen durchführen, Kenia, die Ukraine und Weißrussland wurden zudem für das Jahr 2016 auf eine IAAF-Überwachungsliste gesetzt. 

Es gebe keine unmittelbaren Sanktionen, die Maßnahme sei aber als "ernsthafter Weckruf" zu verstehen, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe. Ob den Leichtathleten der Länder dennoch wie denen aus Russland ein Startverbot für die Olympischen Spiele in Rio (5. bis 21. August) droht, ist unklar. Eine IAAF-Entscheidung über den Status des suspendierten russischen Verbandes wird für Mai erwartet.

Nach FAZ-Angaben hat die Regionale Anti-Doping-Agentur für Ostafrika in Äthiopien im WM-Jahr 2015 keinen einzigen Test vorgenommen. 2013 und 2014 kam diese Organisation auf insgesamt 14 Kontrollen im Heimatland von Läuferstars wie Genzebe Dibaba oder Almaz Ayana.

Die Zahlen, heißt es in dem Papier der IAAF, seien "entsetzlich". Mehr als 500 äthiopische Läuferinnen und Läufer würden in den Top-Listen ihrer Disziplinen geführt; Genzebe Dibaba allein hält fünf Weltrekorde. Ein nationales äthiopisches Testprogramm existiere nicht. Die IAAF führt auch deshalb 69 Spitzenathleten des Landes in ihrem Test-Pool und hat im vergangenen Jahr 531 Kontrollen vorgenommen.

Marokkos Athleten werde eine konstant hohe Prävalenz von Doping auf allen Ebenen und in allen Altersgruppen attestiert. Der marokkanische Verband soll Doping-Tests außerhalb von Wettbewerben verweigern. Wer bei Wettkämpfen getestet wird, entscheidet angeblich das Los. 

Seit 2005 gab es laut IAAF 60 Doping-Fälle in Marokko, 49 wurden mit zwei Jahren Sperre und mehr sanktioniert. Dazu kämen "ernsthafte Fälle" von Läuferinnen und Läufern, die für Frankreich, Spanien, Italien oder Belgien starten, aber weiterhin in Marokko leben und trainieren. Nur die russischen Leichtathleten überträfen die marokkanischen bei Auffälligkeiten in der Langzeit-Beobachtung von Blutwerten. 

Auch Marokko verfügt über keine nationale Kontrollbehörde. Die Regionale Anti-Doping-Agentur lässt etwa 60 bis 70 Kontrollen pro Jahr vornehmen. Die IAAF dagegen hat im vergangenen Jahr marokkanische Spitzenathleten 253 Urin- und Blutkontrollen unterzogen.

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