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Bei Dopingproben rund um das kenianische Team gab es Unregelmäßigkeiten
Den russichen Leichtathleten droht der Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio © Getty Images

Russlands Reformbemühungen im Dopingskandal sind offenbar nur Schall und Rauch. Nach neuen Vorwürfen werden die Rufe nach einem Olympia-Ausschluss immer lauter.

Neue Vorwürfe gegen Russlands Skandal-Leichtathleten, die Rufe nach einem Olympia-Ausschluss werden immer lauter: Nach der Veröffentlichung weiterer Details in der Doping- und Manipulationsaffäre wächst der Druck auf den Weltverband IAAF, eine abschreckende Botschaft zu senden.

"Angesichts der neuen Vorwürfe wäre es für mich eine große Überraschung, wenn der russische Verband für Olympia zugelassen würde", sagte Clemens Prokop Funke Sport.

Der Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes forderte das Einhalten der Standards der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. "Der Bericht weckt daran Zweifel, und solange diese begründeten Zweifel bestehen, ist es nicht möglich, Russland zuzulassen", sagte Prokop.

Ähnlich äußerte sich am Montag Silke Kassner, die stellvertretende Sprecherin der DOSB-Athletikkommission. "Solange die Vorwürfe nicht hundertprozentig geprüft sind, muss diese Sperre aufrechterhalten bleiben. Und wenn das bis nach den Olympischen Spielen dauert, ist das eben so", sagte Kassner.

Neue Vorwürfe

Die WDR-Sendung "Sport Inside" am Sonntagabend lieferte neue Belege für Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien im russischen Leichtathletik-Verband RUSAF. Demnach betreut der eigentlich gesperrte Trainer Wladimir Mochnew offenbar weiter Athleten, und ein Juniorentrainer soll nebenher mit Dopingmitteln handeln.

Zudem soll die neue Chefin der derzeit suspendierten Anti-Doping-Agentur RUSADA als einfache Mitarbeiterin einst Athleten den Zeitpunkt von Dopingkontrollen verraten haben.

WADA "bestürzt"

Die Welt-Anti-Doping-Agentur reagierte "bestürzt" auf die neuen Enthüllungen.

"In einer Zeit, in der das Vertrauen in den Sport auf dünnem Eis steht, werden diese beunruhigenden Vorwürfe wenig dazu beitragen, das Vertrauen in das russische Anti-Doping-System wiederherzustellen, wenn es die sauberen Athleten am meisten benötigen", sagte WADA-Präsident Craig Reedie am Montag.

Die aufgedeckten Sachverhalte in Russland seien "besorgniserregend. Es ist eine Tragödie für den Sport und für alle sauberen Athletinnen und Athleten", sagte Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschlands (NADA).

Auch sie plädiert dafür, dass die IAAF den Bann für Russland vor Rio nicht aufhebt: "Von dem, was wir aus den ARD-Berichten und dem Bericht der unabhängigen Kommission wissen, liegen die Voraussetzungen für einen Start jedenfalls nicht vor."

IAAF reagiert zurückhaltend

Die IAAF hatte Russland Ende November aufgrund des Berichtes einer unabhängigen Kommission der WADA bis auf Weiteres gesperrt, russische Athleten dürfen derzeit nicht an internationalen Wettkämpfen teilnehmen.

Eine so genannte Task Force unter Vorsitz des Norwegers Rune Andersen untersucht die Doping-Vorwürfe und überwacht die eingeforderten Reformen zur Wiederaufnahme in die IAAF. Wenn sich das IAAF-Council am Donnerstag und Freitag in Monaco zu seiner Sitzung trifft, soll Andersen seinen Kollegen erste Ergebnisse seiner Arbeit präsentieren.

Während Andersen die neuen Vorwürfe als "gravierend" einstufte, äußerte sich die IAAF sehr zurückhaltend. "Die Task Force wird sich sorgfältig mit den neuesten in der Dokumentation aufgeworfenen Fragen beschäftigen, und sie mit den Vertretern der RUSAF diskutieren", hieß es in einer Stellungnahme.

Staat und Verband spielen neue Vorwürfe herunter

Russlands Sportminister Witali Mutko spielte die Rolle des Staates im offenbar systematisch organisierten Betrug herunter. Es sei "unmöglich zu sagen, dass der Staat für jeden Regelverstoß einer Einzelperson verantwortlich ist", sagte der Vertraute des Präsidenten Wladimir Putin: "Die Verhängung von Sanktionen gegen bestimmte Personen und die Kontrolle über ihre Einhaltung ist die Aufgabe der zuständigen Anti-Doping-Agenturen, nicht des Staates."

Laut RUSAF gebe es in Russland kein systematisches Doping-System. "Wir werden es einzelnen Menschen nicht erlauben, einen Schatten über die russische Leichtathletik zu werfen", hieß es in einer Stellungnahme, in der eine interne Untersuchung angekündigt wurde, um "alle in dem Film gezeigten Episoden zu analysieren und jeden Fall gründlich zu untersuchen".

So oder so ähnlich wird in Russland seit Bekanntwerden der Vorwürfe argumentiert, Aufklärung und Reformen werden versprochen. Doch die angebliche Läuterung verkommt immer mehr zur Farce.

Auch Travis Tygart, Vorstandsvorsitzender der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA), plädiert für das russische Olympia-Aus. "Doper werden bis zu vier Jahre gesperrt. Warum soll es bei einem staatlich unterstützten Doping-Programm nicht ähnliche Strafen geben?", sagte Tygart, der einst Lance Armtsrong überführte, der USA Today: "Wir stehen als Anti-Doping-Gemeinschaft an einem entscheidenden Punkt."

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