vergrößernverkleinern
Oscar Pistorius führt vor Gericht vor, wie er sich ohne seine Prothesen bewegt © dpa Picture Alliance

Die Staatsanwaltschaft fordert im Mord-Prozess gegen Oscar Pistorius eine Mindeststrafe von 15 Jahren. Seine Verteidigung verweist auf psychische Probleme.

Die Staatsanwaltschaft hat im Mord-Prozess gegen Oscar Pistorius am Mittwoch eine Mindeststrafe von 15 Jahren Gefängnis gefordert.

Zuvor hatte der Paralympics-Sieger im Rahmen des Plädoyers seines Anwalts Barry Roux seine Behinderung demonstriert.

Der 29-Jährige nahm seine Prothesen ab und hinkte auf seinen Beinstumpen durch den Gerichtssaal, er hielt sich dabei an Holzbänken fest.

Wie lange Pistorius für den Mord an seiner Freundin ins Gefängnis muss, entscheidet sich am 6. Juli. Dann will Richter Thokozile Masipa das Urteil sprechen.

"Es ist drei Uhr nachts, es ist dunkel, er ist auf seinen Stümpfen", beschrieb Roux nochmals jene Situation, in der Pistorius am Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Badezimmer-Tür erschoss.

Pistorius hatte stets betont, Steenkamp für einen Einbrecher gehalten zu haben. Roux: "Er wäre nicht in der Lage gewesen, sich zu verteidigen. Er war besorgt, er hatte Angst."

Staatsanwalt Gerrie Nel ließ diese Begründung nicht durchgehen: "Er wusste, dass jemand hinter der Tür war", sagte Nel. "Mit einer tödlichen Waffe hat der Beschuldigte nicht einmal, sondern viermal auf die Toilettentür geschossen. Er hat es nicht geschafft, eine akzeptable Erklärung seines Verhaltens zu liefern."

Pistorius' Anwalt dagegen verweist in seinem Plädoyer auf den physisch und psychisch angeschlagenen Zustand seines Mandanten: "Er hat seine Zukunft verloren. Er hat körperlich bezahlt, er ist nur noch ein Schatten des Mannes, der er einmal war. Er ist ein gebrochener Mann, er hat finanziell und sozial bezahlt. Er bezahlt andauernd."

Ein von der Verteidigung aufgerufener Psychologe hatte am Montag erklärt, dass weitere Haft eine schädliche Wirkung auf Pistorius haben würde. Er sollte aufgrund seines schlechten geistigen Zustandes eher in eine Klinik als ins Gefängnis.

Am Dienstag hatte erstmals Barry Steenkamp, der Vater der Getöteten, vor Gericht ausgesagt und gefordert, dass der frühere Sprintstar für sein Verbrechen bezahlen müsse. Dabei war der 73-Jährige zusammengebrochen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel