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Lisa Mayer gewann im vorigen Jahr bei der U20-EM Silber über 100 Meter
Lisa Mayer gewann im vorigen Jahr bei der U20-EM Silber über 100 Meter © Maja Hitij

Frankfurt am Main - Leichtathletin Lisa Mayer, Kandidatin zum Sport-Stipendiat des Jahres, spricht im Interview über den Medaillentraum bei EM und Olympia, ihre Bestzeiten und ihren Ansporn.

Lisa Mayer gewann 2015 bei den Junioren-Europameisterschaften (U20) Silber über 100 Meter. Die 20-Jährige studiert Germanistik und Geographie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main.

In der aktuellen Saison unterbot die für die LG Langgöns-Oberkleen startende Sprinterin sowohl auf ihrer Lieblingsdistanz über 200 Meter als auch über 100 Meter die Olympia-Norm jeweils in neuer persönlicher Bestzeit.

Vom 6. bis 10. Juli startet sie bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam.

Neben vier weiteren Weltklasse-Athleten ist Mayer Kandidatin bei der Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres".

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Im Interview spricht sie über Leistungssteigerungen und Olympiaziele.

Frage: Persönliche Bestzeit über 200 Meter, im Mai auch über 100 Meter mit 11,25 Sekunden, und Anfang Juni in Regensburg sind Sie gemeinsam mit Tatjana Pinto, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase mit exakt 47 Sekunden die beste Zeit einer deutschen Staffel seit 1990 gelaufen. Wieso läuft es plötzlich so gut?

Lisa Mayer: Insgesamt ist das Niveau im deutschen Damensprint gestiegen. Ich glaube, dass wir uns gegenseitig treiben, die Leistung der anderen ist Ansporn, in jedem Training 110 Prozent zu geben. Meine Leistungssteigerung hat sich eigentlich auch schon 2013 angedeutet. 2014 war ich  viel verletzt, da hat mich kaum jemand wahrgenommen. Deshalb kam 2015 meine Zeit von 11,31 Sekunden für Außenstehende extrem überraschend.

Die letzten zwei Jahre bin ich verletzungsfrei geblieben, das ist auch ein Verdienst meines Trainers Rainer Finkernagel, der jedes Training behutsam und sorgfältig plant. Er hört auf meinen Körper und zieht nicht stur einen Trainingsplan durch, vielmehr schauen wir gemeinsam von Woche zu Woche. Seitdem ich in Frankfurt studiere, werde ich immer wieder gefragt, warum ich nicht den Verein wechsele. Aber warum sollte ich das vor einem so wichtigen Jahr wie 2016 tun, wenn es so gut läuft!?

 

Frage: Wie sieht denn Ihr Alltag aus, wo bringen Sie neben dem Training das Studium noch unter?

Mayer: Im Sommer ist das in der Tat schwierig. Aktuell habe ich nur einen Kurs belegt. Aber deshalb habe ich bereits, um in der Regelstudienzeit zu bleiben, im Wintersemester vorgearbeitet, also mehr als die eigentlich vorgesehenen Kurse belegt. Ich baue mir die Seminare um Training und Physiotherapie herum. Auch wenn es anstrengend ist – das Studium ist mir sehr wichtig, als zweites Standbein, aber auch als Ablenkung und Abwechslung zum Sport.

Frage: Wie sieht Ihre Vorbereitung auf die EM aus?

Mayer: Die Grundausdauer habe ich, jetzt muss ich es hinbekommen, schnell zu bleiben und das Niveau zu halten. Bei der EM werde ich über 200 Meter starten. Ich hoffe, dass ich meine Zeit weiter steigern kann und mir so eventuell eine Chance auf das Finale erlaufe. Mehr Chancen haben wir sicherlich mit der Staffel, da wollen wir eine Medaille. In Vorbereitung auf Rio werden wir zwei Lehrgänge in Kienbaum absolvieren, zwischendrin laufe ich noch bei den Deutschen U23-Meisterschaften die 200 Meter. Und dann geht es am 6. August auch schon nach Rio.

Frage: Was sind Ihre Ziele für die Olympischen Spiele?

Mayer: Bei meinem Einzelstart möchte ich Erfahrungen sammeln und lernen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch klar auf der Staffel. Unser Lauf in Regensburg mit 47,00 Sekunden war gut, aber noch nicht perfekt, wir können noch was drauf legen. Dass wir im Juni Weltjahresbestzeit gelaufen sind, war schön, sagt aber für Rio nicht viel aus. Manche Nationen wie die Amerikanerinnen waren zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gelaufen. Aber wir liebäugeln mit einer Medaille. Das wäre natürlich der absolute Traum!

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